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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Noon, Steve,     
Titel:
Die Geschichte einer Straße - Eine Reise durch die Jahrtausende
ISBN:
978-3-8310-4301-9  
Übersetzer:
Kockerols, Bernd
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Noon, Steve
Seitenanzahl:
32
Verlag:
Dorling Kindersley, München
Gattung:
Sachliteratur / Sachbilderbuch
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
16,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Geschichte kann total langweilig, aber auch ungemein spannend sein. Je nachdem, wie sie vermittelt wird. Hier ist sie spannend!
[Pli 12 Berlin]
       
Lesealter:
6 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Geschichte
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Vor uns liegt ein großformatiges Buch, das bereits am Einband als Wimmelbuch zu erkennen ist. Nach einigen grundsätzlichen Erklärungen zur titelgebenden Straße im Lauf der Zeit beginnen wir eine Zeitreise, die an einem Flussufer etwa im Jahr 10.000 v.Chr. in der Steinzeit startet und nach 14 Doppelseiten an der gleichen Stelle im Heute endet.

Jede Doppelseite wird fast komplett von den Illustrationen eingenommen. Ein kurzer Einleitungstext erklärt die jeweilige Epoche und kleine Zahlen im Bild verweisen auf entsprechende kurze Erklärungen am unteren Rand. Es ist immer die gleiche Stelle am Fluss, an der anfangs Nomaden ihre Zelte aus Tierhäuten aufgebaut haben, 8000 Jahre später sind die Menschen dort bereits sesshaft.
Weiter geht es u.a. durch die Eisenzeit, Zeit der Römer, das Mittelalter, den 30-jährigen Krieg, die Industrialisierung usw. – also die Entwicklung einer Siedlung zur Großstadt inklusive Zerstörung und Neuaufbau. Es gab also nicht nur deutliche Entwicklungen, sondern auch Rückschritte. Kurz – wir verfolgen die Entwicklung der Menschheit im Zeitraffer.

Auf allen Seiten ist das Wesentliche ganz kurz und knapp nachzulesen, aber in die filigranen, kleinteiligen Zeichnungen kann man sich stundenlang und immer wieder vertiefen und man wird immer wieder etwas Neues finden.

Die Leser können die Entwicklung wunderbar nachempfinden. Auf jeder Seite werden unzählige kleine Geschichten erzählt, teilweise sehr lustige: Ein Einbrecher räumt in aller Ruhe ein Zimmer leer, junge Frauen werden ins Korsett geschnürt, ein Nachbar hämmert wegen Lärm an die Wand, im Keller finden Jungs eine Schatztruhe. Man kann unendlich erzählen und sich das Leben der Menschen damals sehr lebendig vorstellen, gelegentlich gibt es kleine Suchaufgaben.
Der Pest wurde eine komplette Seite gewidmet – flüchtende Leute, ein Karren mit Toten, viele mit Mundschutz – sehr gegenwärtig. Auch der soziale Unterschied ist gut zu erkennen -z.B. im 18.Jahrhundert oben im Salon die feiernden Großbürgerlichen, im Keller das Dienstpersonal bei der Arbeit. Auch Kinderarbeit, extrem enge Wohnverhältnisse oder Pfandleiher findet man und kann sich mit den Kindern darüber unterhalten.
Erwartbar, dennoch erschreckend das Verschwinden der Natur: Gab es in der Steinzeit hinter den Zelten noch große, dichte Waldflächen, ist davon im Heute gar nichts mehr zu sehen.

Der ursprünglichen Ausgabe von 2017 wurde um eine Seite für die „Straße der Zukunft“ erweitert. Sie wurde in Zusammenarbeit mit Jugendlichen gestaltet, die einige witzige Ideen hatten, wie z.B. eine Seilrutsche vom Hochhaus, eine Roboterfrau (!) in der Küche, glücklicherweise auch immer noch Buchhandlungen, und Enten werden auch noch „richtig“ gefüttert. Aber sie halten Weltraumflüge inzwischen für erschwinglich und möchten viele Menschen ins All fliegen lassen, vermutlich waren sie nicht von „Fridays for future“. Und wohnen möchte man in dieser Stadt lieber nicht.

Ein sehr, sehr empfehlenswertes Buch, das in seinem Aufbau an „Die Straße – Eine Bilderreise durch 100 Jahre“ von Gerda Raidt und Christa Holtei erinnert, das vor mehreren Jahren vom Beltz-Verlag herausgegeben wurde und bereits eine Neuauflage erfahren hat. Das wünscht man diesem Buch auch.
[Pli 12 Berlin]
  
       

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