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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Hearn, Lafcadio,     
Titel:
Der Junge, der Katzen malte
ISBN:
978-3-946986-10-2  
Übersetzer:
Bracklo, Gabriela
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Kreituse, Anita
Seitenanzahl:
52
Verlag:
Edition Bracklo, Gräfelfing
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
24,80 €   Buch: Hardcover
       
Inhalt:
Bilderbuch eines historischen japanischen Märchens über einen Jungen, der seiner inneren Bestimmung folgt
[kbm 12 Berlin]
       
Lesealter:
4 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Kindheit / Jugend / Tiere
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Der jüngste Sohn einer armen Bauernfamilie ist nicht geeignet für das harte Leben eines Bauern. Seine Eltern entscheiden deshalb, dass er bei dem Dorfpriester zum Altardiener ausgebildet werden soll. Der Junge kann auch diese äußere Bestimmung nicht erfüllen. Statt Bücher zu studieren, geht er seiner Leidenschaft nach und malt ständig und überall das gleiche Motiv: Katzen. Er sieht und spürt in jedem Ding Katzen und malt diese auf Steine, Tücher, Wandschirme, Wände und Säulen. Er kann nicht in diesem Tempel bleiben und zieht weiter zu einem verfluchten Tempel. Seine dort gemalten Katzen werden lebendig und töten den Dämonen.
Der Märchenheld durchlebt hier anders als in vielen Grimmschen Märchen keine Abenteuerreise, die er aktiv kämpfend bestehen muss. Er befreit keine Prinzessin, tötet keine Drachen oder Zwerge. Vielmehr gelingt es ihm auf bewundernswerte Weise, äußere Hindernisse zu überwinden ohne sie zu bekämpfen, und gleichzeitig bei sich und seiner Leidenschaft zu bleiben, seine innere Haltung zu bewahren. Seine „Waffen“ sind dabei seine Pinsel, seine besondere Kraft sein Talent zu malen. Im Märchen heißt es: „Er hatte, was man Genialität des Künstlers nennt.“ Indem er immer wieder Katzen-Welten erschafft, durch diesen individuell kreativen Akt, rettet er vor allem sich selbst. Es handelt sich damit um einen inneren Akt der Befreiung und Selbstfindung, den man auch schon mit Kindern gut besprechen kann. Erst die jahrelange Schulung seines Talents, Katzen zu malen, führt schließlich auf der letzten Station seiner Heldenreise dazu, dass die Geschichte einen guten Ausgang nimmt.

Die Illustrationen stellen passend zum Text bestimmte Stationen des Märchens in den Mittelpunkt, z.B. großformatig und blattfüllend die Gesichter der Familienmitglieder oder den Priester in seinem wallenden Gewand. Besonders präsent ist natürlich das Motiv der Katze, wobei die seitenfüllenden Katzen oft deutlich größer als die daneben abgebildeten menschlichen Figuren sind. Die Zeichnungen kommen mit wenigen Details und jeweils zwei bis drei Farbtönen aus, die einzelnen Elemente wie die Katzen sind oft in einem Farbton, z.B. ganz blau oder ganz rot gemalt. Den Stil als typisch japanisch zu bezeichnen, wäre vermessen angesichts der Vielfalt japanischer Kunst, wenn auch bestimmt Elemente zu erkennen sind. Der Text des Märchens wurde aufgeteilt auf fünf Doppelseiten, die jeweils einen kompakten Textblock in einer großen Schrift enthalten und im Gegensatz zu den anderen Seiten nur wenig illustriert sind. Zwischen diesen Textseiten finden sich jeweils vier illustrierte Doppelseiten ohne Text. Dieses Märchenbuch kann damit sowohl als ein Vorlesebuch wie auch als ein textfreies Bilderbuch gelesen bzw. erzählt werden.
Die lettische Originalausgabe des Buches erschien 2017 in Riga. Die zugrundeliegende Geschichte bzw. das historische japanische Märchen wurde aber schon 1898 auf Englisch niedergeschrieben von Lafcaido Hearn (1850-1904). Textgrundlage der deutschen Übersetzung ist nicht der Text des lettischen Originalbuches, sondern Hearns englischer Märchentext von 1898. Die deutsche Übersetzung ist sprachlich als Märchen erkennbar, z.B. an der Eingangsformel ("Es war einmal vor langer, langer Zeit in Japan..."). Für deutsche Märchen untypisch ist der reale Bezug am Ende des Textes: "Später einmal wurde der Junge ein berühmter Künstler. Einige der Katzen, die er gemalt hat, werden bis heute Reisenden in Japan gezeigt."
Mehr als üblich finden sich hier am Ende des Buches interessante Details zum Autor Lafcadio Hearn, der als Jugendlicher erblindete, und zur lettischen Illustratorin Anita Kreithuse und ihrer Liebe zu japanischer Kunst.
Wir halten hier ein wunderschön gestaltetes Bilderbuch in den Händen, zum Fabulieren und Träumen, aber auch zum Kennenlernen anderer Märchentraditionen. Der Aspekt der Schutztiere oder Krafttiere ist nicht zuletzt für Kinder eine Möglichkeit, mit Ängsten und anderen Gefühlen umzugehen. Dafür ist die Katze, die ja hier als Schutztier der Hauptfigur wirkt, ein schönes Beispiel.
[kbm 12 Berlin]
  
       

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