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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Starobinets, Anna,     
Titel:
Dachs im Dickicht - Hasenhunger
ISBN:
978-3-7373-4215-5  
Übersetzer:
Pöhlmann, Christiane
Originalsprache:
Russisch
Illustrator:
Jeschke, Stefanie
Seitenanzahl:
144
Verlag:
Fischer Sauerländer / Meyers / Duden, Frankfurt/Main
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
9,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Wer hat Hase kaltblütig ermordet und - noch viel schlimmer - aufgefressen? Im Dicken Dickicht ist ein rätselhafter Mord geschehen. Da nur wenige Spuren vorhanden sind und eine Leiche fehlt, müssen sich Kommissar Dachs und sein Assistent in ihren Ermittlungen vor allem auf ihren Instinkt verlassen. Diese Ermittlungen haben es in sich!
[kbm 12 Berlin]
       
Lesealter:
10 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Krimi / Kinderkrimi / Tiergeschichte / Detektiv / Komik / Humor / Kriminalität
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Beim Bestellen ihres Abendessens in der Taverne Zum Hohlen Baum erfahren Dachs, der übergewichtige Kommissar und Chef der Waldpolizei, und Dachskatz, sein etwas übereifriger Assistent, dass ihr Waldmitbewohner Hase ermordet und aufgefressen wurde. Das ist das erste ernsthafte Verbrechen im ansonsten sehr friedlichen Wald, in dem seit dem neuen “Tierschutzgesetz“ kein Tier ein anderes Tier mehr fressen darf. Alle Bewohner im Dicken Dickicht sind in heller Aufregung. Schnell ist ein Verdächtiger gefunden und wird von einigen Bewohnern sogleich lauthals für schuldig erklärt. Aber Dachs ahnt, dass hier etwas anders ist, als es scheint. Hat sich der Kojote Jote, Wirt im Hohlen Baum, schon immer so merkwürdig verhalten? Warum sind die zwei Käuze stets gut informiert und was hat Häsin, die Witwe, zu verbergen? Assistent Dachskatz schießt zuweilen über das Ziel hinaus und hält sich des öfteren für den besseren Ermittler und Dachs für zu alt, um ein guter Detektiv zu sein. Der erfahrene Dachs wird ihm nicht nur das Leben retten, sondern auch sonst eines Besseren belehren.
Die Spannung in "Hasenhunger" wird wie in einem klassischen Krimi aufgebaut, ausgehend von einem Verbrechen werden vor den LeserInnen Hinweise und Details zum Tathergang nach und nach aufgedeckt. Verdächtige werden verhaftet und entlastet, während andere fliehen können. Motive und Alibis müssen geprüft werden, neue Hinweise tun sich ebenso auf wie falsche Fährten. Aufmerksame LeserInnen können so selbst zum Detektiv werden und Vermutungen über die Täterschaft anstellen. Die Geschichte entfaltet sich ganz im Sinne eines klassischen Krimis als Rätselgeschichte, die in einer geschickt konstruierten und doch stimmigen Auflösung gipfelt. Das Ermittlerduo besteht aus einem alten, erfahrenen Kommissar und einem Jungspund, der noch viel zu lernen hat - fast wie Holmes und Watson.
Das gesamte Figurenensemble ist sehr einfallsreich gestaltet. Der Autorin gelingt es, witzige, authentische Charakterverbindungen zwischen Mensch und Tier zu erschaffen sowie stetig komische und nachdenkliche Elemente zu kombinieren, so dass es ungeheuren Spaß macht, diesen Charakteren zu folgen. Kommissar Dachs ist dauermüde, weil er dringend seinen Winterschlaf beginnen müsste. Dachskatz ist auf der Suche nach seiner wahren Identität. Er wurde als Kater geboren, versucht dieses aber stetig zu verleugnen und möchte als Dachs gesehen werden. Geier untersucht den blutverschmierten Tatort und Maulwurf tritt auf als gut bezahlter Handwerker im Bereich Verlegen von Fußbodenheizungen. Dabei werden individuell menschliche wie gesellschaftliche Eigenschaften in facettenreichen Tiergestalten gespiegelt. Einige Figuren trinken zu viel Alkohol (vor allem Fliegenfliptails), betrügen, verleumden, verbreiten Panik.
Ganz besonders gelungen erscheint der mehrschichtig humorvolle Schreibstil der russischen Autorin Anna Starobinets (und natürlich auch ihrer Übersetzerin Christiane Pöhlmann). LeserInnen ab ca. 9 bis 10 Jahre können anhand eines einfach und trotzdem spannend erzählten Handlungsstrangs in dem Kinderkrimi mit dem Kommissar auf Tätersuche gehen und dabei viel Spaß haben. Die Schriftgröße, die kurzen Kapitel und die schwarzen-weißen Illustrationen sind angemessen für jüngere LeserInnen. Die Sprache ist für Kinder verständlich und von vielen witzigen Dialogen geprägt.
Dass Anna Starobinets neben Kinderbüchern auch erfolgreich Bücher für Erwachsene schreibt, spiegelt sich auch in ihrem Kinderbuch "Hasenhunger". Für erwachsene LeserInnen und VorleserInnen bietet das Buch eine zusätzliche Verständnisebene, die sich besonders in den Dialogen entfaltet und Erwachsenen teilweise einen kritischen Spiegel vorhält, oft aber auch nur im besten Sinne witzig ist. Wenn in der Gastwirtschaft zwischen „Tofumauspastete“, „Gespicktem Rindenrücken“ und dem „fabelhaftem Regenwurmcarpaccio“ (kleine Tiere fallen nicht unter das Tierschutzgesetz) gewählt werden darf, verstehen diese Menüauswahl wahrscheinlich Erwachsene anders als Kinder. Zwei hochnäsige Käuze fühlen sich vom Wirt ohne Anlass „provoziert“ und befürchten: „Wenn wir da mal nicht traumatisiert sind. Wir sind Anwälte und verlangen eine Entschädigung für den seelischen Schaden, den wir erlitten haben. Ein Essen auf Kosten des Hauses.“ Ein bisschen erinnert es an den Stil moderner Zeichentrickfilme wie Shrek, in denen es auch viele Andeutungen gibt, die Erwachsene auf einer anderen Ebene als Kinder verstehen. Vielleicht nimmt die Autorin aber auch junge LeserInnen besonders ernst und traut ihnen das Lesen zwischen den Zeilen schon zu.
Stellenweise erinnert "Hasenhunger" an klassische Meisterdetektivgeschichten, andererseits aber auch an den leichtfüßigen Stil der aktuell sehr beliebten Lokalkrimis. Anspruchsvolle Themen wie Armut, Identitätssuche, Racial Profiling, die Frage nach der Vererbung krimineller Gene u.a. werden nebenbei und nie mit erhobenem Zeigefinger bearbeitet.
„Hasenhunger“ ist ein großer Lesespaß und als erster Teil der Dachs im Dickicht-Waldkrimis der vielversprechende Beginn einer Reihe. Die Übersetzung des zweiten Teils soll noch 2021 erscheinen. Auch wenn der Fall am Ende des ersten Buches gelöst wird, erwartet die LeserInnen zum Schluss ein spannender Cliffhanger, der ungemein Lust macht auf die Fortsetzung und weitere Detektiverlebnisse rund um Dachs und Dachskatz.
[kbm 12 Berlin]
  
       

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