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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Cuevas, Michelle,     
Titel:
Der Tag, an dem mir ein kleines schwarzes Loch zulief
ISBN:
978-3-7373-4195-0  
Übersetzer:
Gutzschhahn, Uwe-Michael
Originalsprache:
Amerikanisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
240
Verlag:
Fischer Sauerländer / Meyers / Duden, Frankfurt/Main
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
13,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Der elfjährigen Stella läuft ein kleines schwarzes Loch zu. Praktischerweise kann sie dort alle möglichen unliebsamen Dinge verschwinden lassen - auch die schmerzlichen Erinnerungen an den verstorbenen Vater. Bis aus Versehen der Familienhund verschluckt wird und Stella sich auf eine wilde Reise durch das Universum macht, um ihn, und letztlich auch ihre Erinnerungen, zu retten.
[LB13 12 Berlin]
       
Lesealter:
10 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / fantastisch / Sterben / Tod / Abenteuer
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Die Autorin verwendet das physikalische Phänomen eines schwarzen Lochs als Metapher für die menschliche Gefühls- und Gedankenwelt in Bezug auf Verlust und Trauer. Diese arbeitet sie vielschichtig heraus: Ein schwarzes Loch für den erlittenen Verlust und die entstandene Leerstelle. Eines für die eigene Gefühlswelt, die dunkel ist und der man sich nicht zu stellen traut. Ein schwarzes Loch, das nach und nach die Erinnerungen an den geliebten Menschen verschwinden lässt und die Angst eben davor. Ein schwarzes Loch, das gerade diese Erinnerungen verschluckt, weil es einen sonst selbst ins Schwarze ziehen könnte, weil diese Erinnerungen noch unerträglich sind. Das schwarze Loch als Zeit-Raum-Kontinuum, in dem alle Dinge gleichzeitig verschwunden und unsichtbar, aber trotzdem für immer existent sind. Das schwarze Loch, das mit seiner Singularität eine so unglaubliche Anziehungskraft hat, dass es für die Protagonistin Stella wie der Schmerz über den Verlust des Vaters ist, dem sie sich nicht entziehen kann.

Die große Leistung von Michelle Cuevas besteht darin, all diese existenziellen Aspekte des Trauerns in eine Abenteuergeschichte mit vielen humorvollen Ideen einzubetten. Ihre wilde Reise durch das Universum lässt Stella universelle Erkenntnisse über das Leben an sich und ihr ganz persönliches gewinnen - eine Reise in einer Badewanne mit dem pupsenden Schulhamster, ihrem kleinen Bruder Cosmo und ganz viel verabscheutem Rosenkohl.
Die Aufmachung des Buches betont den vordergründigen Erzählstrang der Abenteuergeschichte. So erinnert der Bucheinband in Illustrations-, Farb- und Schriftgestaltung an ein Comic. Ein ausgestanztes Loch im Buchdeckel gewährt den Betrachtern einen Blick in einen Ausschnitt des schwarzen Lochs, des eigentlichen Vorsatzpapiers, das alle wichtigen Gegenstände und Figuren, mit denen Stella sich auf ihrer Reise auseinandersetzt, abbildet. Der Abenteuercharakter findet sich auch in der besonderen Gestaltung im Verlauf der Geschichte wieder. So sind die Seiten, in denen die Protagonistin sich in ihr schwarzes Loch begibt, schwarz, zum Teil gänzlich, zum Teil mit einigen wenigen Ausrufen. Die Geschichte wird auf schwarzen Seiten mit weißer Schrift fortgeführt, bis das schwarze Loch auf Anweisung Lichtquellen verschluckt und die Seitengestaltung wieder in die übliche Form übergeht.

Am Ende des Buches gelingt es der Protagonistin, ihr eigenes schwarzes Loch, sowohl das tatsächliche als auch das metaphorische, zu bändigen und ihm einen neuen Platz einzuräumen. Den Abschluss bildet ein Anhang "Schwarze Löcher: Erziehung und Pflege. Eine Einführung", der quasi als Zusammenfassung eine erzählerische Klammer zwischen der Trauerverarbeitung und der Abenteuergeschichte mit einem in die Zukunft gewandten, optimistischen Blick bietet.

Das vorliegende Buch ist ganz besonders in der Thematisierung von Tod und Trauer durch die Art und Weise der Erzählung und der Gestaltung. Zudem ist es ein kluges und philosophisches Buch, das weit vielschichtiger ist, als man im ersten Augenblick als Leser*in erfasst. Es ist auch eine gedankliche Abenteuerreise zu existenziellen Fragen des menschlichen Daseins.
[LB13 12 Berlin]
  
       

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