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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Spires, Ashley,     
Titel:
Das großartigste Ding der Welt
ISBN:
978-3-96428-010-7  
Übersetzer:
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Spires, Ashley
Seitenanzahl:
32
Verlag:
Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH,
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
13,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein Mädchen und sein bester Freund wollen das großartigste Ding der Welt bauen. Allerdings – die Dinge, die auf dem Titelbild gezeigt werden, sehen irgendwie nicht so großartig aus: Es sind Schrottteile!
Aber das Mädchen hat Pläne im Arm und geht sehr schwungvoll mit einem Gewinnerlächeln im Gesicht voran. Auch der beste Freund hüpft selbstbewusst mit der Zange im Maul auf der Straße!
Es sieht so aus, als ob die beiden das schaffen würden!
[cz 12 Berlin]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Bildende Kunst / Freundschaft / Gefühle / Gender / Geschlecht / Emanzipation /Resilienz
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Aus der Perspektive des übergeordneten Erzählers wird eine spannende Geschichte über ein Thema erzählt, das für alle Kinder interessant ist. Fast jedes Kind hat schon einmal das großartigste Ding der Welt basteln oder malen wollen. Das ist ein tolles Gefühl und etwas ganz Besonderes. Oft gelingt es aber nicht und die Enttäuschung ist groß.

Das Mädchen und ihr bester Freund, ein mopsartiger Hund, sind beste Freunde, sie machen alles zusammen. Beim Bauen gehen ihre Interessen auseinander, sie baut und er macht Dinge kaputt.
Nun will das Mädchen das großartigste Ding der Welt bauen.
Sie zeichnet einen sehr genauen Bauplan, stellt ihren besten Freund als Assistenten ein, sammelt Material und legt los.
Als sie fertig ist, stellt sie mit Erschrecken fest, dass das Ding nicht großartig, sondern falsch geworden ist, und wirft es deswegen weg.
Sie beginnt von Neuem, das großartigste Ding der Welt zu bauen, es wird wieder nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Und so geht es immer weiter, bis sie wütend wird und vor Wut explodiert, als sie sich den Finger einquetscht.
Jetzt will sie aufgeben, aber ihr Assistent schlägt einen Spaziergang vor. Ihre Wut verschwindet allmählich und beim Spazierengehen sieht sie erstaunt alles, was sie weggeworfen hat, auf der Straße stehen. Und bekommt eine neue Idee.
Während sie wieder baut, kommen Menschen, die ihre weggeworfenen Dinge bewundern und froh mit nach Hause nehmen, weil sie genau dieses Ding gut gebrauchen können.
Abends ist sie fertig – und das großartigste Ding der Welt ist der Beiwagen für ihren Roller geworden. Nun kann sie mit ihrem besten Freund spazieren fahren, auch wenn das Fahrzeug etwas schief ist und die Farbe nicht besonders hübsch aussieht.

Die Geschichte spielt in einer Wohnstraße und wurde aus dem Englischen übersetzt, weswegen die gezeichnete Straße dem Straßenbild aus diesem kulturellen Raum ähnelt: eine Häuserreihe, die aus schmalen Reihenhäusern in verschiedenen Formen besteht. Durchgängig sind diese Häuser ohne Farbe gezeichnet und bestehen aus Türen und Fenstern, die keine Vorhänge, Zimmerpflanzen usw. zeigen.
Farbig gemalt sind Gegenstände oder Menschen, sobald sie für die Handlung der Geschichte von Bedeutung sind: der Baum, an dem das Mädchen arbeitet, die Materialien, die sie sammelt, die Dinge, die sie weggeworfen hat. Das kleine Mädchen trägt ein rot-weiß gepunktetes Kleid. Es hat braune Haare und ein freundliches Gesicht. Sein bester Freund, der mopsartige Hund, ist passend in Beigebraun gezeichnet. Um ein Auge trägt er einen braunen Fleck und wirkt etwas unbeholfen und tollpatschig.

Die Größe der Abbildung variiert entsprechend der Erzählung und zeigt genau, was im Text erzählt wird. Ist es eine Reihung von Aktivitäten, sind verschiedene kleine Bilder zu sehen, die mit Hilfe eines zartblauen Hintergrundes voneinander abgegrenzt werden, ähnlich einem Comic.
Unterstützt wird die enge Verbindung von Text und Illustration durch die Schriftgröße der Sätze: An inhaltlich besonders wichtigen Punkten, z.B. als das kleine Mädchen wütend wird, vergrößert sich die Schrift, als es aufgeben will, wird der Text durch eine Sprechblase hervorgehoben und die Hauptperson alleine auf der ganzen Seite dargestellt. Als das Mädchen sich verletz, wird der Schmerz lautmalerisch wiedergegeben und wie in einem Comic mit einer gezackten Sprechblase umrandet.

Die Geschichte wird im Präsens erzählt. Die Sätze sind meistens kurz und prägnant in einem Stil, der dem Erzählstil von Kindern ähnelt. Handlungen werden in kurzen aufeinanderfolgenden Sätzen geschildert, die oft aus zwei Worten bestehen. Wie bereits oben erwähnt, beschreiben die Sätze die Handlung, die auf den Bildern dargestellt ist.
Unterlegt ist die Geschichte mit viel Humor, der in den Aktionen des mopsartigen besten Freundes sichtbar wird, nicht verbalisiert im Text sondern gezeichnet: Als er den Vertrag zum Assistenten unterzeichnet, trägt er eine grüne Fliege und sitzt auf dem Stuhl, das Mädchen eine halbe Brille. In seinem Wesen ist er ganz Hund, er schnüffelt an anderen Hunden, zerbeißt Dinge, trägt die Leine zum Spazierengehen heran. Er bildet den Kontrast zur Geschichte, die auf die Empfindungen und das Erleben des Mädchens ausgerichtet ist.

Die Sprachanlässe, die evoziert werden, berühren viele grundlegende Themen und Werte: Gender, Nachhaltigkeit, Beschaffenheit von Materialien, Resilienz, Perfektionsdrang, Freundschaft und Regulation von Gefühlen.
Es ist kein Junge, der baut, sondern ein Mädchen, das auch nicht blond ist, sondern braunhaarig. Die Materialien für sein Projekt sammelt es aus Weggeworfenem Schrott und kauft es nicht neu. Verschiedenste Eigenschaften von Dingen werden sichtbar: flauschig, kurz, rau, groß, klein eckig usw.
Das Mädchen gibt nicht auf, als es fast verzweifelt. Es will sein Vorhaben perfekt hinbekommen und scheitert fast daran. Sein bester Freund, der auch nicht ganz perfekt aussieht, hilft dabei, die schlechten Gefühle los zu werden, und siehe da, mit neuem Blick sehen die gebauten Dinge gar nicht so schlimm aus. Andere Menschen brauchen sie sogar und sind begeistert!

Die kanadische Autorin illustriert ihre Bücher selbst und hat Kunst und Design studiert. (https://en.wikipedia.org/wiki/Ashley_Spires#Biography).

Je nach Stimmung und Interesse bringen die Kinder ihre Vorstellungen beim Gespräch über die Geschichte ein. Welches Ding hast du schon mal gebaut? Wie hat es ausgesehen? Warst du schon mal wütend? Wie bist du wieder glücklich geworden?
Ein tolles Buch, das die kleine Zuhörerschaft ab 4 Jahren fesselt und in der sprachlichen Entwicklung weiter bringt, vielleicht auch einen Weg aufzeigt, wie wütende Gefühlsexplosionen verhindert werden können und vor allem zeigt, dass es sich fast immer lohnt, nicht aufzugeben!
[cz 12 Berlin]
  
       

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