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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
van der Hammen, Gijs,     
Titel:
Kleiner weiser Wolf
ISBN:
978-3-95939-061-3  
Übersetzer:
Rothenburg, Julia
Originalsprache:
Holländisch/Niederländisch
Illustrator:
Siemensma, Hanneke
Seitenanzahl:
40
Verlag:
Bohem Press, Münster
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
16,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Kleiner weiser Wolf ist das klügste Tier im Wald, doch er hat keine Zeit für die alltäglichen Fragen von Ziege, Bär und Dachs. Seine Zeit ist viel zu kostbar, er muss weiter studieren und forschen. Doch als er zum König gerufen wird und sich auf einen weiten und beschwerlichen Weg macht, entdeckt er bald, dass er ohne die Hilfe und Gemeinschaft der anderen Tiere nicht sehr weit kommt.
[Bob 12 Berlin]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Wissen / Gemeinschaft / Wertschätzung
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Was ist Wissen wert, wenn es nicht geteilt wird?
Und welche Arten von Wissen gibt es? Ist das Wissen, wie man den König mit einer Pflanze heilt mehr wert, als das Wissen, wie man eine Suppe kocht, den richtigen Weg findet und jemandem Geborgenheit schenkt?
In "Kleiner weiser Wolf" erzählt Gijs van der Hammen die Geschichte vom gelehrten Wolf, der in einer Gemeinschaft von Waldtieren lebt. Dachs, Ziege, Bär und Kaninchen haben so viele Fragen an ihn, doch sie sind dem Kleinen weisen Wolf lästig, da sie ihn vom Studium abhalten. Selbst als eines Tages die Krähe mit einem dringenden Hilferuf des Königs zu ihm kommt, sagt der Wolf ab: "Keine Zeit!"
Dennoch durchdenkt er das Ganze und macht sich schließlich auf den Weg, wenn auch erst am folgenden Abend. Außerhalb seiner Studierstube ist er ganz anders gefordert: Der Weg ist lang und beschwerlich, es regnet, es ist kalt, er hat Hunger und hat sich in der Dunkelheit verlaufen. Resigniert erkennt der Kleine weise Wolf die Grenzen seines Wissens. Doch dann lockt ihn ein heller Lichtschein im Dunkel des Waldes: ein Zelt, ein Feuer, ein Topf Suppe, ein Schlafplatz, sogar der eine Stiefel, den er unterwegs verloren hat, ist wieder da - ein Wunder! Er begreift rein gar nichts.
Als er in der fremden Stadt ankommt, ist er wieder auf Hilfe angewiesen, um das Schloss des Königs zu finden.
Nun zweifelt der Kleine weise Wolf stark an seinem Wissen und meint, doch nicht den König heilen zu können. Dieser will aber davon nichts wissen, er hat keine Zeit, krank zu sein. Also stellt der Wolf mit seinem besonderen Wissen eine besondere Medizin her. Der König gesundet schnell und bietet ihm eine Anstellung als Leibarzt, mit den perfekten Bedingungen für weitere Forschungen: ein Turmzimmer, wo ihn niemand stören wird. Doch der Wolf ist schon auf dem Weg zurück in den Wald hinter den Bergen.

Der Kleine weise Wolf erlebt auf seiner Reise zum König die einschneidende Erfahrung, dass er mit seinem intellektuellen Wissen die praktischen Herausforderungen außerhalb seines geistigen Elfenbeinturms nicht ohne Hilfe meistern kann. Er entwickelt eine Wertschätzung für die Tiere, die er bis dahin geschmäht hatte, und begreift den Wert ihrer Hilfe und Anteilnahme, tauscht die Einsamkeit des Genies gegen einen Kreis vielfältigster freundschaftlicher Beziehungen.
Dass Gijs van der Hammen dabei gerade einen Wolf als Protagonisten wählt, dessen Speiseplan normalerweise auch Ziege, Kaninchen und vielleicht auch Dachs umfasst, öffnet interessante Räume für Gedankenaustausch und Interpretationen.

Doch das wirklich Bezaubernde an dem Buch sind die Illustrationen von Hanneke Siemensma. Mit ihren sensiblen, sinnlichen Bildern begleitet sie die Worte der Geschichte wie jemand, der die Auslassungen und Verknappungen in ihrer Tiefe verstanden hat und dem Text mit jener großen imaginativen Kraft Boden und Bühne bereitet, die das Beschriebene mit Leben füllt.
Mit tiefen Bildräumen, atmosphärischen Farben und feiner Lichtführung setzt sie die Reise des Kleinen weisen Wolfes gekonnt in Szene. Durch ihre überaus zarte „Lichtregie“ schafft sie beinahe klingende schimmernde Stille. Dabei nutzt sie wunderbar den Wechsel zwischen Dichte und Transparenz, zwischen Dunstigem, Vagem und klar und scharf Umrissenem .
Und wenn sie beispielsweise die schwarze Dunkelheit des Waldes bei Nacht abbildet, gelingt es ihr, den Blick so zu führen, dass beim längeren Schauen eine noch tiefere Dunkelheit Gestalt annimmt und dem Betrachter klar wird: Das sind die Tiere, die den klugen, aber wenig empathischen Wolf heimlich begleiten und im Stillen vor Schlimmerem bewahren.
Siemensma flicht kleine kleine wortlose Nebenerzählungen ein, in denen sie zur intensiven Betrachtung und Gespräch verführt und die Nebenakteure, die Waldtiere, in ihrem behutsamen aber wirkungsstarken Handeln zeigt.
Zu erwähnen ist noch das schöne Vorsatzpapier: Zu Beginn sehen wir ein Stück abstrahierte Landschaft mit locker angeordneten einzelnen Pflanzen und Hügeln, während der Nachsatz den gesamten Weg des Wolfes als Übersichtskarte zeigt und so eine anregende Vorlage zum Sprechen und Reflektieren der Geschichte bietet.

Bojka Bogdanovic
[Bob 12 Berlin]
  
       

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