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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Krusche, Lisa,     
Titel:
Das Universum ist verdammt groß und supermystisch
ISBN:
978-3-407-75600-8  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
192
Verlag:
Beltz, Weinheim
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
13,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein Roadtrip-Roman der besonderen Art - menschlich und humorvoll mit liebenswerten Figuren!
[ChHö 11 Bayern]
       
Lesealter:
10 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Freundschaft
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Gustav, der nicht mehr spricht, weil seine Mutter mit ihrem neuen Freund in den Urlaub fahren will, und nur noch per Handy mit seiner Umgebung kommuniziert, lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter in Berlin. Wer oder wo sein Vater ist, das wird in der Familie totgeschwiegen. Stattdessen muss Gustav mit ansehen, wie sich seine Mutter von einer Beziehung in die nächste stürzt und Höhen und Tiefen im Beziehungskarussell erfährt, unter denen Gustav mitleidet. Gerne hätte er einen Hund, aber der neue Mann der Mutter (Gustav nennt ihn nie bei seinem Namen) schenkt ihm stattdessen eines Tages eine Wasserpflanze mit der Aussicht auf einen Fisch, falls sich Gustav bei der Pflege der Pflanze bewährt. Gustav ist enttäuscht, fängt jedoch an, mit Agatha (seiner Wasserpflanze) gedankliche Dialoge zu führen.
Gustavs Opa, ein ehemaliger Clown in einem Zirkus, lebt im Altersheim. Er hat zwar immer noch die große Sehnsucht nach Abenteuern, er verharrt jedoch tatenlos in seinem Zimmer im Altenheim und nimmt sein Schicksal hin. Besuch bekommt er nur von seinem Enkel Gustav. Seine Tochter, Gustavs Mutter, hält sich fern von ihm. Die Gründe dafür bleiben Gustav verborgen und er bekommt auch keine Antworten darauf.
Dann lernt Gustav eines Tages Charles kennen, ein Mädchen, das genau das Gegenteil ist von Gustav und seiner Familie: selbstbewusst, voller Tatendrang und dem Leben stets positiv zugewandt, denn Charles glaubt an die Kraft des Universums bzw. des Schicksals, dass alles irgendwann gut wird, wenn man es nur wirklich will. Dass Charles selbst Eltern hat, die mit sich nicht im Reinen sind, schwingt in der Erzählung immer wieder mit. Aber das Mädchen lässt sich deswegen nicht unterkriegen: Sie ist quirlig, redet ohne Unterlass und beschließt schließlich, dass es an der Zeit ist, Gustavs Vater zu suchen. Mit dem Opa am Steuer eines alten VW-Busses reisen die drei quer durch Europa, immer auf der Suche nach neuen Hinweisen auf den Verbleib von Emilio, Gustavs Erzeuger, bis sie ihn schließlich mithilfe vieler netter Menschen in Griechenland finden. Auf der Reise findet nicht nur Gustav zu seiner Sprache zurück, auch der Großvater taucht noch einmal ein in seine ehemalige Zirkuswelt, indem er alte Freunde wiedersieht und sogar seinen Zirkushasen Miffler findet. So fügt sich am Ende alles zum Guten: Familiengeheimnisse werden endlich verbalisiert, die Figuren arrangieren sich miteinander, auch wenn Gustav und sein Vater nicht wirklich ganz zusammenfinden. Letztlich bewahrheitet sich Charles Lebensphilosophie: Das Universum antwortet immer, egal wie, denn es ist groß und supermystisch.
Mithilfe des Roadtrips finden die Figuren, die mit sich und ihrem Leben nicht eins sind, zurück zu einer Haltung, die Mut macht und versöhnlich stimmt. Auch wenn diese Romankomposition nicht neu ist, so schafft es die Autorin dennoch, eine spannende und zugleich herzerwärmende Geschichte zu erzählen, in der von allen Figuren trotz ihrer persönlichen Fehler bzw. Schwächen eine Art Magie ausgeht. Man kann jede einzelne Figur und ihre manchmal schrägen Verhaltensweisen verstehen und erkennen, wie das Schicksal, das Universum, eben manchmal keinen geradlinigen Weg für den einzelnen Menschen vorsieht. Letztlich geht es darum, miteinander zu reden, seine Träume mitunter auszuleben und Außenseiter zu tolerieren.
Der Roman eignet sich für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, auch wenn es sich für Kinder bei diesem Buch besonders empfiehlt, es sich von einem Erwachsenen vorlesen zu lassen. Das Gespräch über die einzelnen Figuren und deren Verhaltensmotivation wird dabei sehr gewinnbringend sein. Die Sprache ist einfach und spiegelt im Prinzip die Erzählperspektive wider: Gustav tritt als Ich-Erzähler auf. Er beschreibt nicht nur, was er sieht und wie er es bewertet, sondern kommentiert die Geschehnisse, oft mit einem feinen Sprachwitz gewürzt.
Das Cover des Romans passt sehr gut zu der Geschichte, indem es die drei Hauptfiguren und deren treue „Gefährten“ zeigt: Gustav mit der Wasserpflanze Agatha, Charles mit Vida, einem Plüsch-Oktopus, und Großvater mit seinem Hasen Miffler. Die Farben des Covers sind angenehm zurückhaltend gewählt: Der nachtblaue Hintergrund, der für das Universum steht, passt wunderbar zu den Zeichnungen der Illustratorin Felicitas Horstschäfer und der Schrift in den Farben weiß und orange.
Insgesamt ein schöner Roman, der berührt und der in keiner Bücherei fehlen darf. Auch als Klassenlektüre wird der Roman in der Unterstufe sicherlich gut ankommen.
[ChHö 11 Bayern]
  
       

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