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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Franz, Cornelia,     
Titel:
Calypsos Irrfahrt
ISBN:
978-3-551-55519-9  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Seitenanzahl:
142
Verlag:
Carlsen, Hamburg
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
12,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Aus einem Urlaubs-Segeltörn im Mittelmeer wird plötzlich ein intensives Suchen nach einer sicheren Flüchtlingsunterkunft für zwei Kinder, die im Meer treiben. Spannung und engagierte Verantwortung vermischen sich in der kindgerechten Handlung.
[WaMi 11 Bayern]
       
Lesealter:
10 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Mitmenschlichkeit / Hilfsbereitschaft / Flucht / Flüchtlinge / Seefahrt
       
Anmerkungen:
Schulbibliothek, Leseclubs, Klassenlektüre, öffentliche Bibliotheken
       
Beurteilungstext:
Zunächst ist es ein eher langweiliger Segelurlaub im Mittelmeer, den der zehnjährige Oscar mit seinen Eltern vor sich hat. Doch dann überstürzen sich die Ereignisse. Oscars Vater rettet aus dem Wasser zwei Kinder, die anscheinend von einem verunglückten Flüchtlingsboot stammen müssen. Nala ist etwa so alt wie Oscar und ihr kleiner Bruder Moh scheint sechs Jahre alt zu sein. Unvermittelt wird Oscar mit der Flüchtlingsproblematik konfrontiert.
Der Autorin, die sich in Hamburg für Flüchtlinge engagiert, gelingt es glaubhaft, viele Fragen auf Oscar, seine Eltern und die beiden Kinder - wahrscheinlich aus dem Kongo - zu projizieren. Dabei geht nichts verloren. Oscar erlebt das Misstrauen der Kinder, das langsam wachsende Vertrauen der beiden in die für sie fremden Personen, er erfährt, dass niemand die Kinder aufnehmen will - weder in Griechenland, Süditalien noch in Spanien und ist eigentlich froh, denn er kann sich nach einigen Tagen ein Leben ohne die beiden nur noch schwer vorstellen. Die Autorin hat diese komplizierte politische Situation in spannende Handlungsfelder eingebaut, widmet dem Bürgermeister von Palermo - Leoluca Orlando - ein ganzes Kapitel und zeigt ihn als einen, der versucht, diese Problematik zumindest für seine Stadt zu lösen - neben der Mafia-Bekämpfung!
Dass das Ende der Erzählung etwas märchenhaft und vielleicht gewollt positiv endet, ist nicht tragisch. In diesem Lesealter ist ein positives Ende sinnvoller als ein offenes Ende. Auch Erwachsene könnten von dem Verhalten der beiden Eltern lernen: Toleranz und Engagement den Schwächsten gegenüber.
Eingestreute Dialoge der beiden Flüchtlingskinder lassen einen Blick auf ihre Situation frei.
Die Autorin erzählt zwar aus der Sicht des zehnjährigen Oscars, doch die Ich-Perspektive wäre wahrscheinlich sinnvoller gewesen, um die Nähe und die Betroffenheit des Protagonisten zu vermitteln.
Vorschlag für eine Neuauflage: Land- bzw. Seekarten vom Mittelmeer mit dem Kurs der Calypso und eine, die den Raum vom Kongo bis Hamburg zeigt, einzufügen.
Ein absolut gelungenes Buch, das nicht nur für Kinder ab 10 geeignet ist, sondern auch für Politiker, die endlich handeln müssten, um Flüchtlingsprobleme zu beenden. Mit Recht ist diese Erzählung mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet worden.
[WaMi 11 Bayern]
  
       

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