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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Piotrowska, Eliza,     
Titel:
Eier - Eine runde Sache. Kurioses von Kolibri bis Kolumbus
ISBN:
978-3-95728-289-7  
Übersetzer:
Weiler Thomas
Originalsprache:
Polnisch
Illustrator:
Gwis, Asia
Seitenanzahl:
96
Verlag:
Knesebeck, München
Gattung:
Sachliteratur / Sachbilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
24,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Wissens- und Staunenswertes über das Ei aus den Bereichen: Biologie, Geschichte, Architektur, Mythologie oder der internationalen Küche.
[WaMi 11 Bayern]
       
Lesealter:
8 - 17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Biologie / Literatur / Architektur / Sprache
       
Anmerkungen:
Sehr geeignet für Grundschulen, Bibliotheken, weiterführende Schulen
       
Beurteilungstext:
Wer in Spanien schon mal "Tortilla de Patata" gegessen hat, weiß, dass Rühreier mit Kartoffeln in der Pfanne wie ein Omelett herausgebacken werden, ähnlich wie in Italien eine "Frittata", wo zum Rührei verschiedene Zutaten wie z.B. Parmesan, Schinken oder Pilze hinzukommen. Dass in England das Spiegelei zum traditionellen Frühstück gehört, weiß eigentlich auch fast jede*r, doch wie "Hundertjährige Eier" aus China schmecken oder gar "In Urin gekochte Eier", das werden wohl die wenigsten kennen. Und Eierschalen sollte man nicht gleich in den Müll werfen, sondern man kann damit Gardinen auf natüliche Art bleichen, Töpfe können mit geriebenen Eierschalen von eingebratenem Fett oder Speiseresten wieder befreit werden oder man kann sie als Pflanzendünger verwenden. Und ob Eier frisch oder schon alt sind, kann man eindeutig mit der Wasserprobe überprüfen.
Woher all diese Weisheiten? Eliza Piotrowska und Asia Gwis haben ein fantastisches Sachbuch zum Thema "Ei" publiziert: "Eier - Eine runde Sache. Kurioses von Kolibri bis Kolumbus".
Doch es geht nicht nur um Eierrezepte sondern ebenfalls um die Tatsache, dass nicht nur Vögel unterschiedlich große und unterschiedlich farbige Eier legen, auch Fische, Insekten, Reptilien legen Eier, sogar zwei Säugetierarten legen Eier, auch die Dinosaurier waren eierlegende Tiere und selbst der Mensch entsteht erst aus der Verschmelzung von Ei und Samen.
Wer war nun wirklich zuerst da? Das Ei oder...?
Zumindest waren einige Kulturen überzeugt, dass der Kosmos aus einem Ei entstanden ist und auch Rom soll ja aus einem Ei entstanden sein.
Liest man sich querbeet durch dieses Buch, so stellt man fest, dass tatsächlich all unser Leben vom Ei geprägt ist. Was wäre Florenz ohne die Kuppel des Doms? Warum sind die altrömischen Aquädukte so stabil in ihrer Bogenkonstruktion? Jede*r kennt den eiförmigen Wolkenratzer mitten in London. Nicht nur bei Dali hängen die Uhren wie Spiegeleier von Ästen, auch in Pieter Breugels Bild "Das Schlaraffenland" bewegt sich ein Ei auf Entenbeinen durch das Bild, Mathematiker haben sich um eine Formel für Ovale bemüht. Giovanni Cassini hat bereits Mitte des 17. Jahrhunderts dafür eine noch heute gültige Formel vorgelegt. Auch in der Literatur haben Eier ihren Eingang gefunden. Denken wir nur an Humpty Dumpty, an das Gedicht von Heinrich Seidel oder an "Gullivers Reisen" von Jonathan Swift. Ja, und was wäre Ostern ohne farbige Eier?
Auf knapp 100 Seiten haben die beiden - Autorin und Illustratorin - erstaunliches Wissen zum Thema Ei zusammengestellt. Mit Sicherheit könnte man nochmals 100 Seiten oder mehr zu diesem Thema füllen. Doch allein diese Auswahl ist fantastisch und absolut überraschend.
Asia Gwis hat dazu witzige Illustrationen gefunden, sie collagenartig zusammengefügt und dabei Zeiten und Räume miteinander verbunden. Für fast jede Doppelseite wurde eine passende Grundfarbe gewählt und das manchmal zugrunde gelegte Karo- oder Millimeterpapier erweckt den Anschein einer skizzenhaften Darstellung, die durchaus noch weitergestaltet werden kann. Damit wirken die Illustrationen offen und lebendig, trotz ihrer manchmal "altmodischen" Darstellung der menschlichen Köpfe.
So umfassend das Buch ist, so vielfältig die Themen sind und so verblüffend die Zusammenhänge zwischen Literatur, Architektur, Nahrung oder Brauchtum rund um das Ei sind, so fehlt dem Sachbuch doch ein entscheidender Teil. Auf ein Glossar kann hier sicher verzichtet werden, da viele Begriffe im Buch selbst erklärt werden und jede*r zu weiterführenden Themen angeregt wird. Doch auf ein Quellenverzeichnis sollte man nicht verzichten. Denn wer kann all dieses erstaunliche Wissen überprüfen, das hier so gekonnt ausgebreitet wird? Mit einem Quellenverzeichnis könnte man auch gezielt alleine weiter suchen und so manches zusätzlich entdecken.
Trotzdem: ein absolut überzeugendes Sachbuch mit einer gekonnten Themenzusammenstellung und einem neuen Blickwinkel auf das Thema "Ei". Und wenn das Buch mit den alten Römern beginnt, so muss man nach der Lektüre feststellen: Hier hat sich eine Fülle von Themen entwickelt, lebendig wie das Leben - und alles aus dem Ei. Wer sich nicht alles merken kann, was hier gesammelt steht, kann nochmals anfangen, ab ovo.
[WaMi 11 Bayern]
  
       

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