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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Lang, Suzanne,     
Titel:
Jim ist mies drauf
ISBN:
978-3-7432-0669-4  
Übersetzer:
Jüngert, Pia
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Lang, Max
Seitenanzahl:
28
Verlag:
Loewe, Bindlach
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
12,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Stellvertretend für viele Menschen erlebt ein Schimpanse wie es ist, wenn man einmal "mies drauf" ist. Die Unterstützung von Freunden kann gut gemeint sein, aber oft hilft einfach nur der Blick auf den anderen, dem es vielleicht genauso ergeht.
[WaMi 11 Bayern]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Gefühle / Freundschaft / Hilfsbereitschaft / Verständnis
       
Anmerkungen:
Kidergarten, Grundschule, Bibliotheken
       
Beurteilungstext:
Die erste große Doppelseite des Bilderbuches "Jim ist mies drauf" wirkt wie der Beginn eines Films. Man steht auf einem erhöhten Platz und schaut in der Totalen auf eine urwaldähnliche Panoramalandschaft: ein Fluss windet sich durch die unendlichen Wälder, die links an Gebirgshängen emporwachsen, Nebel steigt in den Niederungen auf und ganz rechts entdeckt man dichtes Laub eines Urwaldbaumes. In diesen weiten Himmel hinein ist der Titel projiziert. Blättert man eine Seite weiter, so ist man mitten im Geäst des bereits bekannten Baumes. In der Lücke zwischen zwei Ästen hängt eine missmutige Gestalt, die bereits durch die braunrote Färbung aus dem grünen Laubwerk hervorsticht. Mit einem Wortspiel - das bereits Kindergartenkinder beim Vorlesen selbst verstehen können - beginnt das Bilderbuch: "Als Jim Panse..." Sofort weiß jede*r, um welche Menschenaffengattung es sich hier handeln muss.
Jim macht die Erfahrung, dass an diesem wunderschönen Morgen irgendetwas nicht stimmt. Nichts Greifbares ist es. Im Gegenteil, die Sonne scheint hell, der Himmel ist blau...und doch ist von allem eine Spur zu viel davon vorhanden - zumindest für Jim. Nick, der Gorilla, vermutet, dass Jim schlechte Laune habe. Doch Jim behauptet das Gegenteil. Ab jetzt wechseln die Szenen aus dem konkreten Urwald heraus auf weiße Seiten, wo nur noch die Figuren agieren. Damit wird Jims Problem auf eine für alle Leser*innen nachvollziehbare Ebene gehoben. Auch andere Tiere, die jetzt auftauchen, vermuten ebenfalls, dass Jim einfach schlecht gelaunt sei und geben ihm die unterschiedlichsten Ratschläge, die er auch befolgt: lockere Körperhaltung, offene Augen oder ein Lächeln im Gesicht. All dies könnte seine Stimmung anheben. Jim hüpft in drei großen Sprüngen und äußerlich vergnügt durch das Weiß einer Doppelseite und registriert, dass sich nichts geändert hat. Weitere Tiere tauchen auf und bieten ihm Lösungen an, wie: singen, sich im Sand wälzen, ein Nickerchen machen, mit den Füßen stampfen, sich in die Sonne setzen oder einfach zu tanzen. Diese Bilder wirken wie eingefrorene Sequenzen aus einem Film. Dass man hier mitmachen möchte, ist fast selbstverständlich.
Die Tiere verstehen Jims Problem nicht richtig und er versteht ebenfalls ihre Frage nicht: "Warum hast du schlechte Laune, Jim?" Bei Jim führt das letztendlich zu einem Wutausbruch, der auf rotem Hintergrund dargestellt wird. Dabei kann man seine Wut deutlich lesen. In Großbuchstaben steht hier: "Ich habe keine schlechte Laune!" Und das Wort "keine" ist zusätzlich unterstrichen.
Jim verlässt die verdutzten Tiere, die ratlos zurückbleiben und auch Jim ist ratlos. Hat er seine Freunde jetzt verärgert oder verstehen sie ihn gar nicht mehr? Unsicher sitzt er auf einem Ast, bis er plötzlich Nick sieht. Auch er wirkt, als habe er schlechte Laune.
Jetzt werden die Positionen getauscht. Jim rückt in die Stellung des Fragenden und Nick ist auf einmal Opfer seiner schlechten Laune. Aber im Gegensatz zu Jim kann er sie konkretisieren. Beim Tanzen mit dem Stachelschwein hat er einige Stacheln abbekommen, die jetzt schmerzhaft in seinem Fell stecken.
Die letzten beiden Bilder erinnern wieder an das Ende eines gelungenen Films. Im Licht der untergehenden Sonne sieht man die beiden zunächst von rückwärts und dann von vorne. Nick streichelt tröstend seinen kleinen Freund, der sich jetzt ein bisschen besser fühlt. "Es war ein wunderschöner Tag für schlechte Laune", stellen beide fest.
Mit "Jim ist mies drauf" ist Suzanne Lang ein wunderbarer Text gelungen und Max Lang hat ihn grandios illustriert. Text und Bild laufen synchron zueinander ab, was an filmisches Erzählen erinnert. Es ist ein Kleinod geworden, ein Bilderbuch zum Mitmachen, wenn sich die Zebras wälzen, die Vögel singen, die Elefanten stampfen, oder der Löwe sich ins Gras legt. Mit Kindern kann man diese Szenen wunderbar nachspielen, Geräusche dazu entwickeln und neue Tiere einbinden. Dass es auch zu skurrilen Szenen kommt, wenn die Schlange "jemanden in den Arm nimmt", so kann das auch sehr spanend werden. Mit wenigen Strichen ist es dem Illustrator gelungen, die ganze Bandbreite der Mimik darzustellen, von Entrüstung über Mitleid hin zu Wut und beginnender Zuversicht.
Hier ist ein Thema meisterhaft in Bild und Text umgesetzt, das jeder kennt. Jede*r ist mal mies drauf und jede*r hat auch das Recht dazu - solange man es nicht ausnutzt und wieder die Kurve kriegt, so wie Jim und Nick.
[WaMi 11 Bayern]
  
       

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