AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

9503 aktuelle Rezensionen, weitere 78329 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Ghulam, Nadia und Rotger, Agnès,     
Titel:
Das Geheimnis meines Turbans
ISBN:
978-3-570-31378-7  
Übersetzer:
Kleemann, Silke
Originalsprache:
Spanisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
349
Verlag:
cbj Kinder- und Jugendbuchverlag, München
Gattung:
Biografie
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
10,00 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
Nadia Ghulam wird im Bürgerkrieg in Afghanistan schwer verletzt und mehrfach operiert. Um ihre Familie zu ernähren, setzt sie sich einen Turban auf, gibt sich als Junge aus und verdingt sich als Feldarbeiter. Dieses Doppelleben belastet sie, aber mit Hilfe von Freundinnen und Freunden und von ausländischen Helfern kann sie schließlich studieren und in Spanien operiert werden.
[rem 10 Baden-Württemberg]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Fremde Kulturen / Freundschaft / Krieg / Mädchen / Frau / Religion
       
Anmerkungen:
Für Referate und/oder auszugsweise Lektüre im Politik-und Religionsunterricht
       
Beurteilungstext:
Afghanistan kommt seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe: Putsche, Bürgerkriege, Mudschaheddin und Taliban, ausländische Invasoren, Sowjetunion, USA und Nato geben als Schlagwörter einen ungefähre Vorstellung, was in diesem geschundenen Land abgeht. Das Buch von Nadia Ghulam und Agnès Rotger macht diese Verwicklungen, die Nöte und das Leiden der Afghanen an einem Menschenschicksal eindrücklich sichtbar. Nadia Ghulam wächst in Kabul in recht gesicherten Verhältnissen auf, bis der Bürgerkrieg ihr vermeintliches Glück vernichtet: Eine Bombe zerstört ihr Haus, das kleine Grundschulmädchen Nadia wird schwer verletzt. Mit Verbrennungen an Kopf, Gesicht, Armen, Händen und Beinen liegt sie sechs Monate im Koma, aber sie überlebt. Ihr weiteres Schicksal kann hier nur angedeutet werden: Ihr Bruder Zelmai kommt ums Leben, ihr Vater ist psychisch schwer traumatisiert, und sie, als Zehnjährige, soll plötzlich die Ernährerin der Familie sein. Sie verkleidet sich als Junge, nimmt den Namen ihres Bruders an und verdingt sich als Feldarbeiter. Zeitweilig lebt die Familie in einem Notaufnahmelager von den Lebensmittelspenden der UNO. Aber auch die Rückkehr nach Kabul beendet die Not der Familie nicht. Nadia/Zelmai gewinnt Freunde, findet Unterstützung bei NGO`s, geht zur Schule, wo sie als Mädchen akzeptiert wird, während sie in der
Öffentlichkeit und im Gottesdienst der Moschee weiterhin als Junge gilt. Nadia macht Abitur und studiert schließlich sogar. Die junge Afghanin hat ihre Lebensgeschichte der Spanierin Agnès Rotger anvertraut, die es zu dieser berührenden Biographie ausformuliert hat, in schlichter, einfacher Erzählsprache, was die Authentizität und Glaubwürdigkeit nur unterstreicht. Die Lesenden werden eine ganze Menge lernen: Einmal, was Krieg und bewaffnete Auseinandersetzung an Menschen anrichtet, dann, wie ein Mensch an seinem Schicksal wachsen kann und sich zu behaupten lernt. Sie erfahren auch einiges über alte Sozialstrukturen, Familienzusammenhalt und menschliche Umgangsformen, die wir im sogenannten „Westen“ längst verloren haben. Aber auch die Rolle der Frauen, ihre Rechtlosigkeit, ihre mangelnden Bildungschancen, ihre Unterwürfigkeit bedrückt europäischen Leserinnen und Leser. Der interessierte Zeitgenosse wird fast täglich im Fernsehen mit der Not in weiten Teilen unserer Welt konfrontiert, mit Kriegen, mit Anschlägen, mit Hunger und Gewalt, mit Flüchtlingen, mit dem Lagerleben. Das massenhafte, zehn-, ja hunderttausendfache Elend ist nach der Wettervorschau schnell vergessen. Wenn aber ein einziges Menschenschicksal herausgegriffen wird, kann das nachhaltig berühren. Das leistet dieses Buch und das Schicksal von Nadia Ghulam. In der Hand eines geschickten Pädagogen kann die Biographie im Unterricht eine wertvolle Anregung sein.
[rem 10 Baden-Württemberg]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.