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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Rai, Bali,     
Titel:
Außer Kontrolle, Wenn aus Spiel bitterer Ernst wird
ISBN:
978-3-407-82389-2  
Übersetzer:
Süßbrich, Julia
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
78
Verlag:
Gulliver, Beltz, Weinheim
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Superlesbar
Jahr:
2021
Preis:
9,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Jonatan lebt mit Mutter und Schwester in einer Siedlung, die überwiegend von Migranten bewohnt wird. Er, seine Freunde Binny und Kamal liefern sich regelmäßig Schlägereien mit der Bande einer Nachbar-Siedlung. Als die drei Zeugen einer tödlichen Schießerei werden, findet Jonatan die Tatwaffe. Damit kippen die üblichen Rangeleien der Jugendlichen um in kriminelle Taten mit schließlich tödlichem Ausgang für Kamal.
[gem 10 Baden-Württemberg]
       
Lesealter:
14 - 17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Jugend / Mann / Außenseiter / Gewalt
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Die Geschichte beginnt und endet im Vernehmungsraum der Polizei, wo Jonatan selbst den gesamten Hergang der Geschichte erzählt. Er ist festgenommen worden wegen unerlaubten Waffenbesitzes und fahrlässiger Tötung. Jonatan und seine Freunde Binny und Kamal sind Teenager, die noch heftig mit ihrer Identitätsfindung beschäftigt sind. Sie müssen also ständig ihre „Männlichkeit“ und Überlegenheit gegenüber den BMD-Jungs, einer Bande aus der Nachbarsiedlung, Blakemore Massive Dem, beweisen und darauf achten, dass sie niemals ihr „Gesicht verlieren“. Als sie Zeuge einer Schießerei mit tödlichem Ausgang werden, verlassen sie eilends den Tatort. Jonatan aber hat beobachtet, dass die flüchtenden Täter etwas aus dem Auto warfen: Er findet die Tatwaffe und nimmt sie mit nach Hause, obwohl im klar ist, dass er sie der Polizei übergeben müsste. Eine Pistole zu besitzen, ist ein überwältigendes Erlebnis für ihn. Stolz zeigt er sie seinen Freunden Binny und Kamal. Kamal nimmt sie an sich und schlägt vor, den BMD-Jungs einmal gründlich Angst einzujagen. Widerwillig, aber aus „brüderlicher“ Treue gehen die beiden anderen mit, obwohl sie fürchten, dass etwas Übles daraus entstehen könnte. Kamal hat sich, so beobachteten sie, in letzter Zeit verändert, er bekam ständig so ein Flackern und eine Wut in die Augen. Beim „Angst einjagen“ bleibt es tatsächlich nicht, denn Kamal beginnt nun eine Serie von Raubüberfällen. Jonatan bekommt ein schlechtes Gewissen, hat Angst, dass jemand zu Tode kommt. Zusammen mit Binny will er endlich zur Polizei gehen. Aber irgendwie verdrängen die beiden diesen Entschluss wieder. Dann bekommt Jonatan einen Hilferuf seiner jüngeren Schwester Hope auf sein Handy: Kamal ist bei ihr in der Wohnung und bedroht sie. Jonatan überwindet seine Angst vor der geladenen Pistole und prügelt Kamal aus der Wohnung, wo dieser unglücklich über die Brüstungsmauer kippt und aus dem zwölften Stockwerk auf die Straße fällt. Mit „Super lesbar“ wirbt der Jugendroman auf der Umschlagseite um seine Leser. Man kann diese Empfehlung nur unterstreichen. Selten kommt eine Erzählung mit einem derart problematischen Thema mit so wenig Text aus. Auf rund 78 Seiten mit großer Schrift und weitem Zeilenabstand lässt uns Jonatan am Geschehen und seinen Gefühlen teilnehmen. Er ist, wie auch Binny, eigentlich ein Junge, der durchaus zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann. Deshalb versucht er oft, Kamal von seinen aggressiven Unternehmungen abzubringen. Da sind oft Jonatans Zweifel einerseits und andererseits die unbedingte Treue zum „Bruder“ Kamal, die ihn ständig beschäftigen. Leider entscheidet er sich viel zu lange für Letzteres. Jonatan lässt das langweilige Leben in der nur von armen Leuten bewohnten Siedlung sichtbar werden. Vorwiegend Migranten leben hier und eben auch Kamal, ein Flüchtlingsjunge, der mit der Zeit „durchknallt“. Ruhiger Pol und Treff der Jugendlichen ist der Hähnchenladen des Inders. Neben den üblichen Problemen, die gerade Jungen ohne „normale“ männliche Vorbilder haben, kommen Konflikte zwischen unterschiedlichen Kulturen der Migranten und Flüchtlinge erschwerend hinzu. Dieser Roman ist zudem hochaktuell. Immer häufiger ist den Medien zu entnehmen, dass junge Flüchtlinge plötzlich wahllos Menschen angreifen. Dieser Roman bietet sehr viel Diskussionsstoff zu diesen Themen. Gerade der geringe Leseumfang macht den Text sehr geeignet als Schullektüre und wird auch Lesemuffel nicht überfordern. Obwohl der Roman in England spielt, trifft er sehr genau die Lebenswelt der Jugendlichen auch bei uns. Besonders erfreulich ist, dass der Ich-Erzähler Jonatan auf eine ausgeprägte Jugendsprache verzichtet. Eine gute Sprachförderung wird also gleich mitgeliefert.
[gem 10 Baden-Württemberg]
  
       

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