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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

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Autor:
Orghandl, Franz,     
Titel:
Der Katze ist es ganz egal
ISBN:
978-3-95470-231-2  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Strozyk, Theresa
Seitenanzahl:
80
Verlag:
Klett Kinderbuch, Leipzig
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
13,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Eines Tages überrascht Leo seine Familie mit der Mitteilung, er sei ein Mädchen und heiße ab sofort „Jennifer“. Diese Neuigkeit stößt auf unterschiedliche Reaktionen, besonders Papa beharrt darauf, Leo sei ein Junge. Aber in der Schule finden alle diese „Verwandlung“ toll. Der dicke Gabriel und die Freundin Anne wollen gleich ihre Spardosen leeren und ein Kleid für Jennifer kaufen. Mit Hilfe der kleinen Punkerin Stella und der Kinder ihrer Klasse findet alles ein fröhliches Ende.
[gem 10 Baden-Württemberg]
       
Lesealter:
10 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Transgender / Geschlecht / Humor
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Liebenswerter und witziger kann man das Thema „Transgender“ nicht in ein Buch packen und dies auch noch mit aller Ernsthaftigkeit für ein Thema, das gesellschaftlich immer noch weitgehend tabuisiert wird. Der etwa elfjährige Leo sei eindeutig ein Junge, behauptet der Papa, denn er habe ihn schließlich oft genug gewickelt und wisse, dass „alles dran ist“, was ein Junge brauche. Oma findet es süß, als Leo verkündet, dass er ab sofort ein Mädchen mit Namen Jennifer sein wird. Mama führt einfühlsame Gespräche, schenkt ihm/ihr ein Nachthemd und flicht ihr Zöpfchen. Sehr verunsichert macht Jennifer den „Gendertest“ in ihrer Klasse. Die Kinder finden es toll, und der dicke Gabriel will mit Anne zusammen ein Kleid für Jennifer kaufen. Die Lehrerin will natürlich die Eltern sprechen. In seiner Verwirrung zieht sich Leo ins Mädchen-Klo zurück, wo er die Punkerin Stella, ein Schlüsselkind, trifft und mit ihr nach Hause geht. Hier vergnügen sich die beiden mit Verkleiden und Schminken und testen anschließend ihre Wirkung in der Öffentlichkeit. Jennifer geht eindeutig als „hübsches Mädchen“ durch, wird aber trotzdem von ihrem Opa erkannt. Nach hektischen Suchaktionen der Eltern, der Lehrerin, der Freunde und Freundinnen findet alles ein fröhliches Ende. Die ganze Geschichte lebt aber von der humorvollen Erzählweise der Autorin Franz Orghandl und den herrlich zugespitzten Zeichnungen von Theresa Strozyk. Die Illustrationen kommen mit ein paar roten Farbtupfern aus – häufig an den Ohren, wenn etwas peinlich ist… Gleich auf der ersten Seite wird gewarnt: Achtung, dieses Geschichte spielt in Wien! Man darf sich also schon sprachlich auf einiges gefasst machen. In die Dialoge sind wienerische Ausdrücke eingestreut, aber freundlicherweise ins „Deutsche“ übersetzt worden. Außerdem sind all die Kinder nicht auf den Mund gefallen und argumentieren über Leos Problem aus ihrer Sicht sehr logisch. Es ist doch alles so einfach: Leo ist ein Mädchen, das einen Penis hat. Herrlich sind die vielen kleinen Szenen, etwa die mit dem Hausmeister der Schule, der „bestechlich“ ist, oder die mit der Lehrerin, die Gabriels Bonbons konfisziert und dann in Gedanken selbst isst. Gabriel stellt sie natürlich zur Rede und nennt ihr die Regeln. Überhaupt ist Gabriel in Jennifers Augen sehr weise, denn er hat „schon zwei Mal die vierte Klasse“ absolviert. Jede Seite dieses Buches ist gespickt mit witzigen Einfällen und skurrilen Situationen. Trotzdem verliert die Erzählung keinen Moment das schwierige Thema aus den Augen. Sie lässt tief ins Innere von Leo/Jennifer blicken und beim Lesen wünschen, dass jeder Mensch in Konfliktsituationen so eine liebevolle Familie und so sympathische Freundinnen und Freunde hat.
[gem 10 Baden-Württemberg]
  
       

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