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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

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Autor:
van der Geest, Simon,     
Titel:
Das Abrakadabra der Fische
ISBN:
978-3-522-18484-7  
Übersetzer:
Pressler, Mirjam
Originalsprache:
Holländisch/Niederländisch
Illustrator:
Kunert, Almud
Seitenanzahl:
316
Verlag:
Thienemann, Stuttgart
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
15.00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Vonkie muss für eine Woche zu ihrem Opa auf den alten Bauernhof. In dieser Zeit wollen sich ihre ewig streitenden Eltern über ihre Beziehung klarwerden. Vonkie befürchtet Tage voller Langeweile, doch bereits am ersten Abend ertappt sie ihren Opa, wie er einen ungelesenen Brief zerreißt. Sie ist ebenso neugierig wie stur und gibt keine Ruhe, bis sie einige Familiengeheimnisse aus Opa herausgepresst und ein versöhnliches Ende organisiert hat.
[gem 10 Baden-Württemberg]
       
Lesealter:
10 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Geschwister / Landleben / Geheimnisse
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Auf Opas Bauernhof, den ausgedehnten Weiden mit Kühen und Schafen, erwartet die zwölfjährige Vonkie Tage voller Langeweile. In Gedanken ist sie sowieso zu Hause und hofft, dass sich ihre Eltern schon vor dem Wochenende einigen und sie wieder abholen. Störrisch reagiert sie auf Opas Unterhaltungsangebote. Auch die Aussicht, sich mit dem gleichaltrigen Großcousin Sven die Zeit zu vertreiben, kann sie nicht begeistern: „Sonnenbrille, verliert ständig sein Handy und fährt mit dem Traktor seines Vaters…“ Das sind trübe Aussichten. Doch gleich am ersten Abend beobachtet sie ihren Opa, wie er einen ungeöffneten Brief in der Hand wiegt und schließlich ungelesen zerreißt. Heimlich will sie die Schnipsel finden und zusammensetzen, aber Opa ertappt sie dabei. Auch warum die alte, angeblich baufällige Windmühle nicht betreten werden darf, will sie erforschen. Hier wie in dem nahegelegenen Wäldchen verbergen sich jede Menge Geheimnisse, so scheint es, die Opa aber nicht preisgeben will. Mit ihrer unbändigen Neugier, ihrer Sturheit und auch ihren wagemutigen Unternehmungen schafft es Vonkie, ihrem Opa nach und nach die lange zurückliegenden Ereignisse zu entlocken. Der Autor van der Geest lässt die Beiden ihre Geschichten selbst erzählen. Vonkie schildert ihr nicht alltägliches und nächtliches Treiben auf dem Hof und im Umland selbst. Und Opa erzählt seine Erinnerungen an das Leben hinter dem Deich ebenfalls selbst. Er ist zusammen mit sechs Brüdern hier aufgewachsen. Alle sieben waren nicht sehr zart besaitet, und ihre Spiele und Streiche waren oft reichlich brutal. Aber zusammengehalten haben sie immer, besonders aber Opa und sein Lieblingsbruder Beule. Dass es zwischen den beiden „Blutsbrüdern“ zum Bruch kam, hatte mit einem Mädchen zu tun, in das beide verliebt waren. Beule hatte seine Liebschaft vor seinem Bruder verheimlicht und war mit ihr nach Neuseeland „abgehauen“. Diesen Vertrauensbruch hat der Opa nie verwunden oder gar verziehen. Diese wechselnde Erzählweise nimmt die Lesenden direkt in das Geschehen hinein. Man kann das raue Leben auf einem abgelegenen Bauernhof mit den vielen Kindern sehr gut nachvollziehen. Der Gedanke an eine „gute, alte Zeit“ verliert sich sofort, besonders, wenn man von den rohen, oft lebensgefährlichen Spielen der Brüder liest. Sven und Vonkie forschen inzwischen gemeinsam – es geht ja um beider Großonkel Beule – und finden heraus, dass dieser an Krebs erkrankt ist und vor seinem Tod noch einmal die alte Heimat und den väterlichen Hof besuchen möchte. Dank Svens Künsten am Computer initiieren die Beiden im Namen der verfeindeten Brüder einen Briefwechsel per Mail, in dem diese sich Vorfreude und Versöhnung versprechen. Am Tag des schicksalhaften Besuchs fällt die Begegnung zwischen den nichts ahnenden Brüdern, Beule und Opa, natürlich zuerst einmal reichlich grob aus, um schließlich in eine nicht minder „grobe“ Versöhnung zu münden. Vonkie kann jetzt beruhigt mit ihrer Mutter nach Hause fahren. Was sie dort erwartet, wird nicht erzählt. Der ganze Roman ist außerordentlich spannend und durch die persönliche Erzählweise sehr eindringlich. Er kann heutige Kinder durchaus dazu ermuntern, sich mehr vom Vorleben ihrer Großeltern erzählen zu lassen. Dies kann sehr spannend sein, auch wenn die Vorfahren nicht solche aufregenden Erlebnisse hatten. Zu hören, dass es für diese Kinder galt, den Schulweg zu Fuß und nicht im „Taxi Mama“ zurückzulegen, könnte ein Aha-Erlebnis sein. Dass sich die Eltern von Vonkie und Sven getrennt haben, und die Kinder ihre Zeit zwischen beiden teilen müssen, wird ganz selbstverständlich erzählt. Was es bedeutet, in einer ländlichen Gegend – wenn auch heimlich - als Transvestit zu leben, wie es der Müller in der baufälligen Windmühle tut, kann man hier erfahren. Der Autor schildert ausschließlich die Tatsachen, ohne jede Wertung oder gar moralische Entrüstung. Das ist das wirklich Erfreuliche an diesem Buch: Es schildert Alltägliches, wie es heute viele Kinder und Erwachsene kennen oder selbst erleben. Und Van der Geest schildert es auch so. Aber ganz davon abgesehen: das Buch ist großartige Unterhaltung und außerdem eine Liebeserklärung an eine Opa-Enkelin-Beziehung, die beide einen unglaublichen Dickkopf haben.
[gem 10 Baden-Württemberg]
  
       

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