AJUM Logo
Datenbank
Besprechungen von Kinder-,
Jugendliteratur & Medien




Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
Datenbank

AJuM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW
c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

7204 aktuelle Rezensionen, weitere 78287 Rezensionen im Archiv
Suchtext:
Schlagwörter:
Titel:
Autor
Vorname:
Autor
Nachname:
Illustrator:
Bewertung:
 Einsatzmögl.:
Medienart:
Alter:
Gattung:
 Archiv anzeigen:
Wolgastpreis:
 
Wie suche ich richtig? Wie darf ich die Rezension verwenden? DRUCKANSICHT



Autor:
Goldberg Sloan, Holly und Wolitzer, Meg,     
Titel:
An Nachteule von Sternhai
ISBN:
978-3-446-26432-8  
Übersetzer:
Zeitz, Sophie
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
285
Verlag:
Carl Hanser, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
17,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Zwei zwölfjährige Mädchen, die sich bisher nicht gekannt haben, sollen nach dem Wunsch ihrer Väter zu geschwisterlichen Freundinnen werden. Denn die beiden Väter sind homosexuell und wollen heiraten. Da sich die beiden Mädchen in ihrem Wesen gewaltig unterscheiden, ergeben sich gereizte, aber auch reizende Konstellationen. Der „Briefroman“ schildert ihre allmähliche Annäherung, ihre zeitweiligen Entfremdung und das harmonische Ende aller Beziehungen.
[rem 10 Baden-Württemberg]
       
Lesealter:
12 - 17 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Freundschaft / Mädchen / Minderheiten / Emanzipation
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Zwei alleinerziehende homosexuelle Väter haben sich gefunden und wollen heiraten. Jeder hat eine 12jährige Tochter. Diese sollen sich nach dem Wunsch der beiden Männer anfreunden und als Schwestern in der künftigen vierköpfigen Familie aufgehen. Damit sich die beiden Kinder kennenlernen, sollen sie nach dem Willen ihrer Väter die Sommerferien gemeinsam in einem Feriencamp verbringen. So der schöne Plan! Doch die beiden Mädchen legen absolut keinen Wert darauf, sich anzufreunden, zumal, wie sich herausstellt, beide grundverschieden sind. Bett lebt in Kalifornien, ist sportlich, lebensklug, spontan, mutig und unternehmungsfreudig. Sie nennt sich in manchen Mails „Sternhai“. Avery wohnt in New York, ist vorsichtig, hat Angst vor Krankheiten und Hunden, ist etwas besserwisserisch und altklug. Sie ist die Intellektuelle der beiden. Ihr Lieblingstier ist die Nachteule. „Wir sind Nachteule und Sternhai. Die eine ist klug wie eine Eule und wacht bis spät in die Nacht. Die andere ist furchtlos wie ein Hai und funkelt wie ein Stern.“ So sagen die beiden liebenswerten Mädchen einmal von sich. Die Väter unternehmen inzwischen ihre geplante Motoradtour durch China, streiten sich aber und trennen sich. Die Töchter kommen sich im Feriencamp immer näher und fühlen sich schon wie Geschwister, bis sie vom Zerwürfnis der Väter aus ihren Träumen gerissen werden. Zu allem taucht dann noch Kristina auf, Theaterautorin und die leibliche Mutter Averys. Die Großmutter Bettys, Gaga genannt, wird eine Rolle als Schauspielerin in einem Stück von Kristina einnehmen. Am Ende vereint eine nicht vorhersehbare Hochzeitsfeier alle in Harmonie. Ethnische Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung spielen in keiner der vielfältigen Beziehungen eine störende Rolle. Soweit in knappen Worten der Inhalt des „Briefromans“. Aber das Besondere der Geschichte ist, dass nichts im klassischen Sinn erzählt wird, sondern dass alle Ereignisse, alle Gefühle, alle Gedanken als E-Mails oder in wirklichen Briefen wiedergegeben werden. In unbeschreiblich mitreißender Art werden die Lesenden so an die Personen herangeführt oder besser gesagt, in sie hineinversetzt. Das beginnt schon auf der ersten Seite des Buches, als Bett an die ihr bis dahin völlig unbekannte Avery schreibt und ihr die Pläne der Väter mitteilt. Sie hat, wie sie sagt, keinerlei Interesse, Avery kennenzulernen, ihre nähere Bekanntschaft zu machen oder sich gar mit ihr zu befreunden. So geht der E-Mail-Wechsel hin und her und trotz der Äußerung Betts, „Aber eigentlich will ich dir überhaupt nichts Persönliches erzählen, weil ich dich nicht kenne.“, kommen sich die Mädchen immer näher, sehr zur Freude der Lesenden. Die Informationen werden immer ausführlicher, die Bekenntnisse immer intimer. Die beiden frotzeln sich, öffnen sich und werden im Feriencamp schließlich zu ganz engen Freundinnen, ja zu Geistesschwestern, trotz aller Unterschiede in Wesen und Weltzugewandtheit. Die Lesenden haben Freude an der Sprache der beiden, an ihrem Witz, an ihren Einfällen und an ihrem glücklichen Zusammenkommen nach einer zwischenzeitlichen Entfremdung. Zudem liest sich der ganze Roman ungemein flüssig, obwohl er nur aus einer Aneinanderreihung von Mails, Briefen und Protokollen ohne jeglichen verbindenden Text besteht. Das Buch ist eine Bereicherung für alle Lesenden, und diese werden es (vielleicht übertreibt der Rezensent jetzt etwas) mit dem beglückenden Gefühl, etwas Schönes und Berührendes gelesen zu haben, zuklappen.
[rem 10 Baden-Württemberg]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.