Der LesePeter des Monats Februar 2019
geht an Christoph Jehlicka für das Jugendbuch
Das Lied vom Ende
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Aus wechselnder Perspektive einzelner Familienmitglieder werden die Grenzerfahrungen der Familie Schult erzählt, die Folgen des erweiterten Suizids durch den Vater in der Nachbarsfamilie sind. In einer Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte und Familiendrama gibt der Roman Einblick in eine komplexe Figurenpsychologie im Moment existenzieller Krisen.


Der Roman beginnt an einem unbeschwerten Sommertag und endet Heiligabend. In der Zeit dazwischen droht ein Auseinanderbrechen der Familie Schult. Anlass der Verwerfungen ist der erweiterte Suizid des verzweifelten Familienvaters Jendrisek. Er tötete erst seine Familie und dann sich selbst. Danach schnüren sich die in präziser Sprache dargebotenen Erzählstränge um die Familie Schult immer enger zusammen. Der Vater, Frank Schult, bangt um seinen Job in einer Spedition, die von der Globalisierung heimgesucht wird. Auch sein Privatleben liegt in Scherben, als die Mutter vom Verhältnis ihres Gatten mit der ermordeten Frau Jendrisek erfährt. Sohn Ben trauert seiner ihm kaum bekannten getöteten großen Liebe hinterher. Sie war die Tochter der Familie Jendrisek. Der große Bruder Bens, Nico Schult, vergeudet entweder im Getränkehandel oder kiffend seine Zeit, obwohl er doch als bestenfalls mittelmäßiger Schüler kurz vor dem Abitur ganz andere Aufgaben zu bewältigen hätte. Der Anlass jener Zuspitzungen wird dabei zu keiner Zeit sensationslustig thematisiert. Der Fokus liegt stattdessen ganz auf der brillant entwickelten und glaubhaften Figurenpsychologie.

Die Perspektiven der Figuren auf eine aus den Fugen gebrachte Kleinstadtidylle werden abwechselnd in direkter und klarer Sprache dargeboten. Dieser schnörkellose Schreibstil erfüllt zwei Funktionen. Zum einen erscheint die Sprache -- auch die Jugendsprache -- als überaus realistisch. Zum anderen ist man beim Lesen auf diese Weise ganz nah an den Figuren.

Während der ein- oder andere Dorf- oder Kleinstadtroman nicht ganz von sich weisen kann, von oben herab auf die Provinz zu schauen, erleben wir hier Freud und Leid der Figuren auf Augenhöhe mit. Ohne verklärt zu werden, behalten sie auch bei fragwürdigen oder unglücklichen Entscheidungen, wie zum Beispiel dem Agieren des Vaters im ihn überfordernden Job oder der zugedröhnten Autofahrt Nicos, ihre Würde. Das gilt auch für die angemessen detailliert ausgestalteten Nebenfiguren.

Durch diese Verbindung von Zugänglichkeit und Komplexität gestaltet sich der Roman auch für ältere Jugendliche als äußerst lesenswert. Sie können an die Perspektiven der beiden Söhne unmittelbar anschließen und so erfahren, wie Literatur existenzielle und persönliche Fragen zu verhandeln vermag.

 

 

zum Autor


Christoph Jehlicka
geboren 1983 in Delmenhorst.
Studium der Anglistik und Soziologie an der Universität Hamburg sowie Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim; arbeitet als Literaturübersetzer und Werbetexter und lebt mit seiner Familie in Hamburg.

Quelle: Verlag

Foto (c) Leo Krumbacher mit frdl. Genehmigung des Verlags

 

 
 

 

(MM für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.  

Christoph Jehlicka:
Das Lied vom Ende

Leipzig: Open House 2018
978-3-944122-36-6
256 S * 22,00 € * geb * ab 15 J

 
 

 

 

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch     (01/05/09)   (herA)
Jugendbuch     (02/06/10)   (hjo&sk&ba)
Sachbuch     (03/07/11)   (ika)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
         
     

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel...

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