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"Beiträge Jugendliteratur und Medien".
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Extraband /2014 [Prof. Dr.  Petra Josting und Ricarda Dreier]

Lesefutter für Groß und Kleine
Kinder- und Jugendliteratur zum literarisches Lernen im medienintegrativen Deutschunterricht

Einleitung (PDF siehe ===> hier)

 

 

I. Jg. 1-4 (Primarstufe)
Alexandra Ritter:
Wörterfabrikanten. Medienintegratives Lernen mit dem Buch Die große Wörterfabrik von Lestrade/Docampo

 Ricarda Freudenberg:
„Gespenster sind unhygienisch“. Didaktische Überlegungen zu Boardstories im Literaturunterricht

Ulrike Preußer:
Literarisches Lernen am Bösen. Das Bilderbuch Das Gold des Hasen als irritierende Erfahrung von Raffgier, Angst und Täuschung 

Gudrun Stenzel:
Von Freundschaft, Einsamkeit und Eifersucht. Fuchs von Margaret Wild und Ron Brooks im Unterricht 

Ulrike Siebauer:
Tollkühne Leseerfahrungen mit JanBenMax von Zoran Drvenkar

  

II. Jg. 5-6 (Erprobungsstufe)
Kristina Schubert/Barbara Schubert-Felmy:
Rico, Oscar und die Tieferschatten von Andreas Steinhöfel 

Karin Vach:
Schule ohne Mobbing? Das Hörbuch Wunder von Raquel J. Palacio im Deutschunterricht 5/6 

Franz-Josef Payrhuber:
Komm jetzt geh. Ein Theaterstück von Ingeborg von Zadow für ältere Kinder

 

III. Jg. 7-9 (Mittelstufe)

Markus Raith:
Gregs Tagebuch. Vom Comic-Roman zum Film 

Bettina Heck:
Wer war Wagner? – Graphic Novel, Film und App im Deutschunterricht der Klassenstufen 7-9 

Holger Zimmermann:
Das Exil der kleinen Leute – Anne C. Voorhoeves Roman Nanking Road als Grundlage zur Erstellung eines Wiki

Dieter Wrobel:
Hinter der Maske des Helden. Stephen Emond: Happyface – eine Graphic Novel zu (mehr als) den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens 

Steffen Gailberger:
Nur noch kurz die Welt retten? Über ironische Symbole und die Förderung ihres Verstehens mithilfe von Tim Bendzkos gleichnamigem Videoclip 

Elisabeth Hollenweger/Anna Stemmann:
Wenn möglich, bitte wenden. Klimawandel als Makrothema einer Bildung für nachhaltige Entwicklung im medienintegrativen Deutschunterricht am Beispiel des Comics Die große Transformation

  

IV. Jg. 10-12 (Einführungs- und Qualifikationsphase)

Lilli Gebhard:
Aminas Restaurant (Lüders 2012) und Soul-Kitchen (Akin 2009) – Kulinarisches und die Möglichkeit, sich Heimat zu schaffen
 

Thorsten Strübe:
Arbeitswelt im Adoleszenzroman – Christian Frascella: Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe (2009/2012) 

Gina Weinkauff:
Aktuelle Jugendromane im Deutschunterricht: Wer hat Angst vor Jasper Jones von Craig Silvey und Pampa Blues von Rolf Lappert
 

Petra Anders:
Fact oder Fiction? Authentisierungsstrategien im Poetry Slam

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

 

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4/2014  [Ricarda Dreier] Rückschläge - Gewalt gegen sich selbst und andere in aktueller Kinder- und Jugendliteratur

Es sind erschütternde Zahlen, die von UNICEF im September 2014 veröffentlicht wurden: Eine Milliarde Kinder auf der ganzen Welt wird regelmäßig Opfer körperlicher Gewalt und zwar verborgen in aller Öffentlichkeit: Hidden in Plain Sight nennt das internationale Hilfswerk deshalb auch die Ergebnisse seiner in 190 Ländern durchgeführten Untersuchung. Und dabei geht es nicht um den sprichwörtlichen Klaps auf den Po, sondern um schwere körperliche Gewaltanwendungen, oftmals in der eigenen Familie, in der Kindern und Jugendlichen eigentlich ein Schutzraum im wahrsten Sinne des Wortes gewiss sein sollte. Nicht selten werden die Opfer selbst zu Tätern und geben eigene Erfahrungen weiter, sei es an Mitschüler(innen) oder später, im Erwachsenenalter, an eigene Kinder. Dieser Teufelskreis kann sich nicht nur in der Konfrontation mit anderen manifestieren (Prügeleien, (Cyber-)Mobbing, Amok, Mord…), sondern auch als Ausdruck tiefster Verzweiflung gegen sich selbst gerichtet werden (Selbstverletzungen, emotionale Isolation, Suizid…).
In der Kinder- und Jugendliteratur ist das Thema Gewalt bereits seit einiger Zeit in verschiedenen Ausprägungen präsent, auch die Forschungslage ist entsprechend umfangreich. Die Beiträge im vorliegenden Band gehen unterschiedliche Wege, was sowohl die Mehrdimensionalität der aktuellen literarischen Texte und Medien unterstreicht, zugleich aber auch das breite Spektrum an Interdependenzen betont, die dem Thema Gewalt inhärent sind.

Den Anfang beschreitet Thorsten Strübe mit einer ausführlichen Untersuchung einiger Romane von Zoran Drvenkar, in denen Gewalt immer wieder – explizit und implizit – eine Rolle spielt. Vor allem in dessen autobiographischen Jugendromanen erleben die Figuren eine alltägliche, fast schon nebensächliche Gewalt, die ihren Prozess der Ich-Findung begleitet und beeinflusst. Ricarda Freudenberg widmet sich einer Autorin, in deren Romanen die Figuren oft keinen anderen (gewaltfreien) Ausweg sehen, um einem Leben zu entkommen, das weit Schlimmeres für sie bereithält. Diese Werke von Antonia Michaelis, die sich oft auf der Grenze zum phantastischen oder surrealen Erzählen bewegen, halten dabei nur selten ein Happy End bereit, statt dessen wird dem Leser/der Leserin das gedankliche Fortschreiben des Romanendes selbst überlassen. Das Thema Selbstmord nimmt Romy Brüggemann in den Blick und überträgt ihre Überlegungen zum Theaterstück norway.today sowie zum autobiographischen Arbeit und Struktur von Wolfgang Herrndorf auf den Literatur-, aber auch den (Praktischen) Philosophieunterricht, indem sie vor allem die Reflexionsebene in den Blick nimmt, auf der man Schülerinnen und Schüler beim Umgang mit diesen emotional aufgeladenen Texten sensibel begleiten sollte. Am Beispiel der Verfilmung des Sendak-Klassikers Wo die wilden Kerle wohnen untersucht Tobias Kurwinkel Mechanismen und Darstellungsformen von Gewalt im Kinder- und Jugendfilm, wobei sich überraschende Parallelen zu Hitchcocks Thrillern offenbaren. Katrin Manz und Tanja Lindauer widmen sich in ihren jeweiligen Beiträgen der aktuellen Jugendliteratur zum Thema Suizid, wobei sie unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Im SPEKTRUM berichtet Steffen Gailberger über ein literarisches Schreibprojekt in der Grundschule, das durch Wendebilderbücher initiiert wurde. Günter Langes Beitrag reflektiert verschiedene autobiographische Texte und Äußerungen von Christine Nöstlinger. Gina Weinkauf berichtet über ihre Tätigkeit als Vorsitzende der Jury der Deutschen Jugendliteraturpreises und zieht eine kritische Bilanz.

Ricarda Dreier

Inhaltsverzeichnis

Thorsten Strübe
Gewalt als wiederkehrendes Motiv in Zoran Drvenkars (Jugend-)Romanen

Ricarda Freudenberg
„Und es war alles, alles gut“?  - Gewalt in den Jugendromanen von Antonia Michaelis

Romy Brüggemann
Selbstmord als Thema im Literatur- und (Praktischen) Philosophieunterricht - Probleme und Chancen unterrichtlicher Auseinandersetzung

Tobias Kurwinkel
„You’re out of control“. Gewalt im Kinder und Jugendfilm am Beispiel von Wo die wilden Kerle wohnen

Katrin Manz
„Ich weiß nicht, ob ich sterben will. Ich möchte glücklich sein.“ - Vom Suchen nach dem Sinn des Lebens – Suizid(gedanken) in der aktuellen Jugendliteratur

Tanja Lindauer
„Das Spiel ist aus. Die Maus ist tot. Die Katze hat gewonnen.“ - Mobbizid und (Cyber-)Mobbing in aktuellen Jugendmedien
 

Spektrum

Steffen Gailberger
Zur Förderung der Perspektivenübernahme durch Wendebilderbücher - Bericht über ein literarisches Schreibprojekt für dritte und vierte Klassen

Günter Lange
Erinnerungen - Autobiographische Texte von Christine Nöstlinger

Gina Weinkauff
Literatur- und Leseförderung - Der Deutsche Jugendliteraturpreis und seine Basisfunktionen
 

Fachliteratur

Aktuell

Medien im Unterricht
Impressum
Hinweise, Berichte, Mitteilungen
Aus der AJuM und der GEW
 

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3/2014 [Prof Dr. Caroline Roeder]

Hirbel, Kurt und die Tiefbegabten.
Behinderung in Kinder- und Jugendliteratur und Medien

Die Coverfigur stammt aus einer fernen Welt: Planet Willi ist das Bilderbuch von Birte Müller betitelt, das einen kleinen Kerl in seinen Mittelpunkt stellt, dessen Lebenswahrnehmung für uns ein fremdes Universum bedeutet – denn Willi ist behindert, beeinträchtigt, ein Trisomie21-Kind – ja, wie heißt es denn nun richtig? Und mit dieser Frage ist man inmitten der Thematik der vorliegenden Ausgabe. Sie widmet sich dem Thema Behinderung und wie dies literarisch, bildlich, sprachlich, stofflich in kinder- und jugendliterarischen Texten (und Medien sind hier eingeschlossen) dargestellt wird. In der Kinder- und Jugendliteratur findet man behinderte Protagonistinnen und Protagonisten vereinzelt in historischen Werken (wie Karla in Johanna Spyris Heidi), häufiger vertreten sind diese Figuren allerdings ab den 1970er Jahren in der realistisch und problemorientierten Literatur. Für diese Entwicklung ist Peter Härtlings Das war der Hirbel (1973) programmatisch; Härtling führte mit dieser fein gezeichneten Figur eine neue Perspektive auf benachteiligte Kinder ein. Mit Max von der Grüns Vorstadtkrokodile (1976) eroberte sich das Rollstuhlfahrerkind Kurt einen prominenten Platz in der Schullektüre; Andreas Steinhöfel schließlich verschaffte mit seinem Dreamteam Rico, Oskar (2008ff) der Tiefbegabung Kultstatus. – Das Thema Behinderung scheint angesagt zu sein. Doch was ist hip an der disability? Das Phänomen des verstärkten Auftauchens von behinderten – und oftmals autistischen Figuren – lässt sich im Übrigen auch in Filmproduktionen aufweisen.
Das vorliegende Heft nähert sich dem Phänomen auf vielfältige Weise.
Gabriele von Glasenapp nimmt eine systematisierende Untersuchung vor. Sie zeigt auf ihrem Parcours durch die Kinderliteraturgeschichte behinderter junger ProtagonistInnen, dass die literar-ästhetischen Strategien dieser Simples (vgl. Murail 2007) keinesfalls einfach gestrickt sind. Auch Klaus Maiwald wendet sich einer Simple-Figur zu und unternimmt eine präzise akzentuierte mediale Analyse von Forrest Gump und zeichnet den satirisch-historischen Diskurs nach, der hier entworfen wird. Märchenhaften Karrieren folgt Ute Dettmar und veranschaulicht dies an der Figur der Dummlinge, deren Wegen ins Glück sie folgt. Mareile Oetken spannt einen komplex ausbuchstabierten Bilderbücher- Bogen über die Thematik und zeichnet die bildsprachlichen Räume nach, die die Behinderungen umfassen. Birgit Althans zeigt das performative Potenzial am sogenannten Behinderten-Theater auf und entfaltet die Magie des Imperfekten, während Iris Schäfer zwei aktuelle und preisgekrönte Jugendromane auswählt und an diesen Beispielen Narrative der Krankheit der Jugend aufzeigt. Schließlich steht Finn-Ole Heinrich im Interview mit Ina Nefzer Frage und Antwort zu seiner ungewöhnlichen Protagonistin Maulina, die mit einer schwer erkrankten Mutter lebt. Der Kurator Thomas Kramer stellt im Spektrum ein Ausstellungsprojekt vor, das deutsche Geschichte am Beispiel der „sozialistischen Bilderzeitschriften“ ATZE und MOSAIK erinnerungskulturell aufbereitet. Von dem Symposium „Sick [sic!?]. Krankheit in kinder- und jugendliterarischen Medien“ berichten die Frankfurter Nachwuchswissenschaftlerinnen Agnes Blümer, Iris Schäfer und Anika Ullmann. Ute Wolters erzählt eine kleine Geschichte über Ziganismus am Beispiel der schwedischen Autorin und Roma-Angehörigen Katarina Taikon.
Im Spektrum laden Rezensionen zur Fachliteratur, Schulpraktisches und aktuelle Berichte zu vertiefender Lektüre ein. – Ach ja, und Willi trommelt übrigens wie einst Oskar M., aber das hat man ja schon beim ersten Blick auf das schöne Cover gehört.
Caroline Roeder

Inhalt 

Gabriele von Glasenapp
Simple Stories? Die Darstellung von Behinderung in der Kinder- und Jugendliteratur

Klaus Maiwald
Don't wanna be an American idiot ...
Behinderung als ambivalente Gabe in Robert Zemeckis' Forrest Gump

Iris Schäfer
Körperliche Behinderung im aktuellen (deutschsprachigen) Jugendroman

Mareile Oetken
b-b-b-barrierefrei? Inszenierungen von Behinderung im Bilderbuch

Ute Dettmar
Von Hans Dumm zu Hans im Glück. Märchen-Karrieren mit Behinderung

Birgit Althans
No Body is perfect. Das Theater der Behinderten und die Magie des Imperfekten

Iris Schäfer, Anika Ullmann, Agnes Blümer
Aktuelle Tendenzen zu Krankheit und Behinderung in Kinder- und Jugendliteratur und –medien

Spektrum

Thomas Kramer
ATZE und MOSAIK. Geschichte und Politik zwischen 1914 und 1989 in DDR-Comics

Ute Wolters
Nur eine kleine Geschichte, ein Brief und eine übersehene Autorin. Eine „Zigeunergeschichte“ von Astrid Lindgren und die Katitzi-Bücher von Katarina Taikon

Finn-Ole Heinrich/Interview mit Ina Nefzer
„Maulina findet immer irgendwo Sterne, die für sie leuchten". Der Kinderbuchautor Finn-Ole Heinrich im Gespräch über seine außergewöhnliche Mädchenfigur

Fachliteratur

Aktuell

Medien im Unterricht

Hinweise - Berichte - Mitteilungen

Aus der AJuM und der GEW

 

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2/2014 [Prof Dr. Petra Josting]

Bewegung, Aufbruch, Wendepunkte! - Deutschsprachige KJL in den 1960er Jahren

Literaturgeschichtsschreibung arbeitet mit dem Epochenbegriff und geht davon aus, dass sich z. B. aufgrund spezifischer geistesgeschichtlicher, weltanschaulicher, sozio-kultureller, politischer oder ökonomischer Entwicklungen Periodisierungen vornehmen lassen. Für die Geschichtsschreibung der Kinder- und Jugendliteratur (KJL) spielen zudem Kindheits- und Jugendkonzepte eine maßgebliche Rolle; Konzepte, die Einzug in das öffentliche Bewusstsein halten, ihren Niederschlag auch in der KJL finden, zumindest in bestimmten, später als repräsentativ geltenden Texten. Die damit einhergehende Veränderung der KJL kann innovativ sein, muss es aber nicht, wenn man von einem positiv konnotierten Begriff der Innovation ausgeht und an die NS-Zeit sowie das damals propagierte Jugendkonzept denkt.
In Überblicksdarstellungen zur KJL der BRD wird gemeinhin der Untersuchungszeitraum 1949 bis 1969 als Epoche betrachtet. Diese Einteilung soll nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden, die Begründungen sind plausibel. Aber vieles spricht auch dafür, den Blick noch einmal neu auszurichten: u. a. der immer größer werdende zeitliche Abstand und damit möglicherweise einhergehende andere Bewertungen, zweitens die Tatsache, dass es vier Jahrzehnte lang zwei deutsche Staaten gab und drittens daneben eine deutschsprachige KJL in Österreich und der Schweiz. Mit dem Heft 3/2013, das unter dem Titel Was gibt’s Neues? Otfried Preußler und die KJL der 1950er-Jahre erschien, nahm die Neuausrichtung des Blicks ihren Anfang, die nun mit dem Focus auf die 1960er-Jahre fortgesetzt wird.

Andrea Weinmann widmet sich mit innovationsgeschichtlicher Perspektive der zeitgeschichtlichen KJL sowie der Kurzgeschichte für Kinder und zeigt auf, wie einiges in Bewegung und die Vorherrschaft des Konzepts vom guten Jugendbuch zunehmend unter Druck geriet. Die Veränderung mädchenliterarischer Genderkonstruktionen im Kontext der Wohlstands- und Wissensgesellschaft der 1960er-Jahre arbeitet Ute Dettmar heraus. Mit Indianergeschichten, die mehrheitlich in Österreich und der DDR entstanden, jedoch auch in der BRD rezipiert wurden, setzt sich Gina Weinkauff auseinander, die abschließend betont, dass dieser Seitenstrang der neueren deutschen KJL-Geschichte einerseits gesamtdeutsche Ähnlichkeiten zu Tage befördere, andererseits aber auch Anlass zum Nachdenken über das Erklärungspotenzial der gängigen Phasenmodelle zur Modernisierungsgeschichte der KJL der BRD biete. Agnes Blümer gewährt einen Einblick in das weite Feld der kinderliterarischen Übersetzungen der BRD und kann Vorgriffe auf heute übliche Übersetzungsstrategien festmachen. Und natürlich darf der Illustrator Franz Josef Tripp nicht fehlen, den Mirijam Steinhauser vorstellt und der vielen Kinderbüchern der 1960er-Jahre ihr noch heute bekanntes Gesicht verlieh.
Karin Richter gibt des Weiteren einen Überblick über die KJL der DDR des Untersuchungszeitraums und macht in einem zweiten Artikel mit dem Erzählwerk von Benno Pludra vertraut, insbesondere mit der Reise nach Sundevit.
Kontinuitäten und Brüche in der kinderliterarischen Darstellungskonzeption von Franz Fühmann zeigt Michael Ritter exemplarisch an den märchenhaften Erzählungen auf. Abgerundet wird der Thementeil mit einem Beitrag von Ernst Seibert zur österreichischen KJL und von Verena Rutschmann zur deutschsprachigen Kinderliteratur der Schweiz.

Editorial von Petra Josting

Inhalt 

Andrea Weinmann
Die westdeutsche Kinder- und Jugendliteratur in den 1960er-Jahren. Ein innovationsgeschichtlicher Rückblick

Ute Dettmar
Barbie, Bildung und Beruf. Mädchenliterarische Genderkonstruktionen im Kontext der Wohlstands- und Wissensgesellschaft der 1960er-Jahre 

Gina Weinkauff
„Der große Geist möge alle Menschen Brüder sein lassen“. Indianergeschichten in der deutschsprachigen KJL der 1960er-Jahre 

Agnes Blümer
Die kinderliterarische Übersetzung in der Bundesrepublik in den 1960er-Jahren 

Mirijam Steinhauser
„Der Illustrator als unauffälliger Partner des Autors[?]“– Franz Josef Tripp und die Kinderliteratur der 60er-Jahre

Karin Richter
Die Kinder- und Jugendliteratur der DDR in den 1960er-Jahren 

Michael Ritter
Das Wunderbare von nebenan (Teil 1). Franz Fühmanns märchenhafte Kindererzählungen im Spiegel sich verändernder poetischer Konzeptionen

Karin Richter
Benno Pludras Reise nach Sundevit als Kinderroman und als Film. Pludras Erzählwerk für Kinder und Jugendliche

Ernst Seibert
Österreichische Kinder- und Jugendliteratur in den 1960er-Jahren – Abkehr vom Jugendschrifttum

Verena Rutschmann
Die deutschsprachige Kinderliteratur der Schweiz

 

Spektrum

Harald Pilzer
Medien für kleine und junge Leute: E-Books und E-Book-Reader eher nicht, aber Internet, Smartphones und Tablets?

  

Publikationen

Fachliteratur

 

Aktuell

Medien im Deutschunterricht
Hinweise, Berichte, Mitteilungen
Aus der AJuM …

 

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1/2014 [Ricarda Dreier]

Achtung Spoiler! - Rezeption und Ästhetik aktueller Fernsehserien

"Multithreading is the most celebrated structural feature of the modern television drama […].“ Glaubt man dem Wissenschaftsjournalisten Steven Johnson (2005, 72), so macht uns das Fernsehen klüger. In seinem Buch Everything bad is good for you (2005) weist er nach, dass selbst der größte TV-Trash in den letzten Jahrzehnten an struktureller Komplexität gewonnen hat.
Dass aktuelle Fernsehserien inzwischen nicht nur formal, sondern auch inhaltlich zu den interessantesten narrativen Strukturen zählen, die sich in der modernen Medienlandschaft finden lassen, belegen zahlreiche Beispiele, auf die in den folgenden Beiträgen ausführlich eingegangen wird. Aber nicht nur das von Johnson ausführlich belegte Multithreading, also die Vielzahl an parallel laufenden Handlungssträngen innerhalb einer Folge, bietet Anlass dazu, diese Serien als Teil eines sich neu etablierenden Quality TV einzuordnen.

Einen Überblick über die historische Entwicklung der Fernsehserie mit Blick auf aktuelle Tendenzen bietet Lothar Mikos in seinem einleitenden Beitrag. Dabei betrachtet er auch die bislang eher selten in den Blick genommenen Produktionsbedingungen der (vor allem US-amerikanischer) Serien. Michael Staiger zeigt, dass sich die erfolgreiche Fantasy-Serie Game of Thrones, besonders mit Blick auf ihre mehrfach preisgekrönte Titelsequenz, für eine genaue Analyse der Erzählanfänge bei Serien eignet, die sich deutlich von denen im Film unterscheiden. Das Verhalten der Rezipienten und die Selbstreferentialität aktueller Fernsehserien untersucht Christina Ulm, wobei sie vor allem die Beispiele House of Cards und Supernatural miteinbezieht. Katharina Portugal widmet ihre Ausführungen einer ganz besonderen Gruppe innerhalb des Serienuniversums: den Außenseitern oder den Figuren, die als Nerds, Freaks oder Geeks bezeichnet werden und die Protagonisten vieler, besonders bei Jugendlichen beliebten Serien wie z.B. The Big Bang Theory sind. Bodo Lecke fragt in seinem Beitrag nach dem Potential von Serienhelden als kindlichen Identifikationsfiguren und stützt sich dabei – wie einst Piaget – vor allem auf Beobachtungen im engsten Familienkreis. Eine Heldin im Wandel der Zeit stellt Silke Günther vor, die zwei Serienfassungen über die Auftragskillerin Nikita miteinander vergleicht. Ob Schauspieler im Kindesalter durch ihre Arbeit vor der Kamera ihre Medienkompetenz erweitern, hat Eva Fritsch im Rahmen einiger Interviews untersucht, die sie mit verschiedenen Beteiligten der Kinderserie Die Pfefferkörner durchgeführt hat.
Im Spektrum dieser Ausgabe ruft zunächst Ricarda Freudenberg dazu auf, die Irritationsbereitschaft bei Schülerinnen und Schüler zu fördern: Sich über einen literarischen Text zu wundern, Fragen an ihn zu stellen und den Auslösern der Irritation nachzuspüren, sieht sie als einen wichtigen Weg zur Literarischen Bildung. Anschließend folgt Jan Boelmanns Beitrag über narrative Computerspiele und ihr bislang kaum ausgeschöpftes Potenzial für den Literaturunterricht. Als kurze Replik auf einen Beitrag von Carsten Gansel in kjl&m 13.3. formuliert Jörg Schlewitt abschließend einige Anmerkungen zu Erwin Strittmatters Tinko.

Editorial von Ricarda Dreier

Inhalt 

Ricarda Dreier: Editorial

Lothar Mikos: Fernsehserien im Wandel      

Michael Staiger: Anfang und Fortsetzung: Zur Funktion der Erzählanfänge in der Fernsehserie Game of Thrones

Christina Ulm: „I wish this were a TV show“. Selbstreferentialität als Symptom der Wechselwirkungen zwischen Produktion, Distribution und Rezeption aktueller Fernsehserien

Katharina Portugal: Nerdsein in Serie: Die Darstellung von Freaks, Geeks & Outcasts 

Bodo Lecke: Rund oder flach? Serienhelden als kindliche Identifikationsfiguren 

Silke Günther: La Femme Nikita 1997-2001 und Nikita 2010. Eine Serienheldin im Wandel der Zeit?

Eva Fritsch: Medienkompetenzerwerb beim Acting vor der Kamera. Neues von den Pfefferkörnern.

 

Spektrum

Ricarda Freudenberg: „Arme, arme Schlange!“ Ein Aufruf zur Ausbildung von Irritationsbereitschaft

Jan M. Boelmann: Literarisches Lernen spielend realisieren

Jörg Schlewitt: Anmerkungen zu: Carsten Gansel: Erwin Strittmatters Tinko (1954) oder Die große Hoffnung auf das Neue (In: kjl&m 13.3, S. 33 ff.)

 

Fachliteratur

Bräuer, Christoph/ Wangerin, Wolfgang (Hgg.): Unter dem roten Wunderschirm. Lesarten klassischer Kinder- und Jugendliteratur. Göttingen: Wallstein, 2013. 384 S., € 29,90.

 Prestel, Marco: Actioninszenierungen in der modernen Kinder- und Jugendliteratur. Die Artemis Fowl-Romane von Eoin Colfer. Frankfurt/ M. [u. a.]: Peter Lang, 2011. (Europäische Hochschulschriften Bd./Vol. 2012, Reihe I: Deutsche Sprache und Literatur). 276 S. Zugl.: Frankfurt/ M., Univ., Magisterarbeit, 2008, € 49,80.

 Gansel, Carsten/ Zimniak, Paweł (Hgg.): Zwischenzeit, Grenzüberschreitung, Aufstörung. Bildervon Adoleszenz in der deutschsprachigen Literatur. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2011. (Beiträge zur neueren Literaturgeschichte; 280). 631 S., € 68,00.

 Abraham, Ulf/ Knopf, Julia (Hgg.): Deutsch – Didaktik für die Grundschule. Berlin: Cornelsen Scriptor, 2013. 256 S., € 23,95.

Bartholomäus Figatowski: Wo nie ein Kind zuvor gewesen ist … Kindheits - und Jugendbilder in der Science Fiction für junge Leser. 2. Aufl. Bonn: Kid Verlag. 2012. 441 S. Zugl.: Köln, Univ. Diss., 2010, € 20,80.

Naujok, Natascha: Zu zweit am Computer. Interaktive und kommunikative Dimensionen der gemeinsamen Rezeption von Spielgeschichten im Deutschunterricht der Grundschule. München: kopaed, 2012. (Medien im Deutschunterricht – Beiträge zur Forschung; 9). 309 S., € 22,80.

  

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Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW
Redaktion: Prof. Dr. Petra Josting, eMail: petra.josting  (ad) ajum.de
Prof. Dr. Caroline Roeder, eMail: caroline.roeder (ad) ajum.de
Ricarda Dreier, eMail: ricarda.dreier (ad) ajum.de

(Dr. Jörg Knobloch, eMail: joerg.knobloch (ad) ajum.d
(Dr. Gudrun Stenzel, eMail: gudrun.stenzel (ad) ajum.de)