Der LesePeter des Monats Mai 2020
geht an Maria Farrer & Daniel Rieley für das Kinderbuch
„Hallo, Herr Eisbär!“
.

 
 

 

     
         
     

 

 
 

 

Liam ist ein besonderes Kind. Schon mit kleinen Veränderungen der täglichen Routine kommt er nur schlecht zurecht und die ganze Familie muss Rücksicht auf ihn nehmen. Darunter leidet vor allem sein Bruder Arthur, der quasi in letzter Sekunde Hilfe von einem Eisbären erhält. Ein ebenso ernsthaftes wie humorvolles Kinderbuch, in dem die Empfindungen des Geschwisterkindes von einem Autisten feinfühlig zum Ausdruck kommen.

Hallo, Herr Eisbär!

Es gibt einen Fachbegriff für sie, die Geschwister von besonderen Kindern: Schattenkinder. Aufgrund der speziellen Bedürfnisse und Herausforderungen, die Kinder mit Auffälligkeiten mit sich bringen, kann es allzu schnell passieren, dass ihre Geschwister sich zurücknehmen, ihre Anliegen selten zum Ausdruck bringen und damit leiser sind, als es eigentlich gut für sie wäre. So ein Kind ist Arthur, der sich in seiner Familie oft einsam, unverstanden und ungerecht behandelt fühlt. Sein Bruder Liam reagiert auf äußere Reize wie Geräusche sehr empfindlich und bereits kleine Veränderungen lösen bei ihm heftige Reaktionen aus. Das erfordert ein hohes Maß an Rücksichtnahme, zu der Arthur nach einer Schlüsselsituation nicht mehr bereit ist. Er will nur noch eines: So schnell wie möglich raus aus dieser Familie, weg von seinem schrecklichen Bruder! Ganz unerwartet steht in diesem Moment ein Eisbär in der Haustür und wirbelt die festgefahrenen Familienstrukturen ordentlich durcheinander. Bei den Kindern und Erwachsenen in Arthurs Umfeld löst das Tier die unterschiedlichsten Reaktionen aus. Während Herr Eisbär für die einen ganz selbstverständlich dazugehört, reagieren andere verunsichert oder abwehrend. So zeigen sich Parallelen zwischen dem riesigen, bedrohlichen Eisbären und Liam. Beide fallen mit ihrer Einzigartigkeit auf und erfahren dabei nicht immer einen toleranten Umgang seitens ihrer Umwelt. Am Schluss des Buches sind die Rahmenbedingungen ganz ähnlich wie zuvor, doch etwas ganz Entscheidendes hat sich verändert. Arthur hat mithilfe des Eisbären gelernt, seinen Bruder mit dessen Besonderheiten anzunehmen und wertzuschätzen. Sowohl in Arthurs Fußballverein als auch in der Familie ist der Zusammenhalt spürbar besser. Und Herr Eisbär macht sich auf den Weg zur nächsten Familie, die ihn braucht. Neben der Erzählung, in die Tagebucheinträge von Arthur eingeflochten sind, und der Entwicklung des Protagonisten überzeugt das Layout des Kinderbuches. Sätze schwingen sich um das Bild oder steigen treppenförmig bergab, während starken Emotionen, wie Wut, an entscheidender Stelle mit großen Buchstaben Ausdruck verliehen wird. Text und Schwarzweißillustrationen bilden eine gelungene Einheit. Ganz im Sinne von Inklusion und damit im Einklang mit dem Buchinhalt ermöglicht die große Schrift und verhältnismäßig einfache Sprache vielen Kindern, auch Leseanfängerinnen und Leseanfängern, einen Zugang zum Buch. Die Erzählung ist unter gleichlautendem Titel bei Hörcompany als Hörbuch erschienen.


 

 

zur Autorin und zum Illustrator



 

Maria Farrer Maria Farrer lebt in einem Haus, das mitten in einem Feld in Somerset, einer Gegend in Südwestengland, liegt. Sie wohnt mit ihrem Mann und einem sehr verwöhnten Hund zusammen. Maria machte eine Ausbildung zur Logopädin und später noch einen Master in Schreiben für Kinder und Jugendliche. Sie liebt Sprache und das Lesen und Schreiben von Büchern für Kinder jeden Alters.

Foto: Verlagsgruppe Beltz, Weinheim. Kein (c) honorarfrei 




 

Daniel Rieley Daniel Rieley ist ein freiberuflich arbeitender britischer Illustrator, der in Lissabon lebt. Nachdem er am Arts Institute Bournemouth studiert hat, eine riesige Rucksacktour durch Australien gemacht und drei Jahre lang in London gearbeitet hat, entschloss er sich, ins sonnige Portugal zu ziehen. In den letzten Jahren hat Daniel an verschiedenen Illustrationsprojekten gearbeitet, von Werbeaufträgen, über Druck und Kartendesign bis hin zu Kinderbüchern.

Foto: Verlagsgruppe Beltz, Weinheim. Kein (c) honorarfrei 


(herA für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.  

Maria Farrer & Daniel Rieley
Hallo, Herr Eisbär!

Weinheim: Beltz & Gelberg 2019
978-3-407-81232-2
 220 S * 12,95  € * ab 7 J

 
 
 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch     (01/05/09)   (herA)
Jugendbuch     (02/06/10)   (hjo&sk&ba&sd)
Sachbuch     (03/07/11)   (ika)
Bilderbuch     (04/08/12)   (JD&NN&MR)

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel
...

Impressum: AJuM der GEW  *  c/o    Alexandra Ritter  * Reifenberger Straße 21  * 60489 Frankfurt am Main * kontakt [ad] ajum.de *
Zur Datenschutzerklärung