Der LesePeter
des Monats
Februar 2015

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Brigitte van Aken

 
      für das Jugendbuch  
      Alles Liebe, deine Lise  
         
         
         
         
     

Brigitte van Aken:
Alle Liebe, deine Lise

aus dem Niederländischen von Birgit Erdmann
München: Mixtvision 2014
978-3-944572-13-0
247 S * geb * 16,90 € * ab 16 J

 

 
 

 

Lise musste ihr Kind abtreiben, direkt danach kommt sie ins Internat. Das macht die 15-Jährige unfreiwillig. Sie will mit jemandem darüber reden und schreibt einen langen Brief an ihre Großmutter. Die antwortet ebenso ausführlich in langen eMails. Auch sie hat vor sechzig Jahren eine ähnliche Geschichte durchgemacht. Sie kam als kleines Kind in ein Kloster und war hilflos der lustverneinenden Welt der Nonnen ausgeliefert. Mit 16 lernt sie einen Bäckerjungen kennen und lieben, wird von ihm schwanger und flieht nach mehreren dramatischen Fehlschlägen aus der Klosterwelt. Der Junge verschwindet aus ihrem Leben. Aber er bleibt ihre große, unerfüllte Liebe bis zu ihrem Tode. Sie hat nie darüber gesprochen, erst der Versuch ihrer Enkelin, sie um Rat und Hilfe zu bitten, verleiht ihr die Kraft dazu.
Lise dagegen kann selbst wählen, sie kann mit allen, fast allen, darüber reden, für die Oma war das noch nicht möglich.
Anders als die Oma ist die Enkelin durchaus in der Lage, den Kindsvater herauszufordern. Nur muss sie erkennen, dass nicht er der Verweigerer ist, sondern dessen Mutter, die sowohl die Abtreibung für eine Todsünde hält als auch Lisa für verkommen und eine Gefahr für ihren Sohn darstellend. Der zwei Jahre ältere Nishan ist zu ängstlich, um sich gegen die Mutter zu stellen. Erst das gemeinsame Vorgehen von Oma und Enkelin bringt ihn zu der Erkenntnis: „Meine Mutter ist meine Mutter. Aber sie bestimmt nicht mein Leben.“ Eine solche Einsicht zu erreichen, war für die Oma vor sechzig Jahren noch nicht möglich. Aber auch sie hatte Glück und konnte außerhalb der Klostermauern ein anderes, ein glückliches Leben führen. Was innerhalb der Mauern mit ihr angestellt wurde, wie ihr ein schlechtes Gewissen eingeimpft wurde gehört zu den Erziehungsmethoden der fundamentalistischen Christen, die zornig machen. Was wurde (und wird gelegentlich auch heute noch!) da an jungen Menschen verbogen; nur wenige haben das Glück, aus dieser verkniesterten, moralinsauren Welt ausbrechen zu können. 

Der Wechsel der sehr langen Briefe dominiert, aber auch Mutter und Tochter tauschen kurze SMS aus, die Mutter hat wenig Zeit in ihrem Managerleben, findet aber endlich einen auch Lisa sympathischen jungen Galeristen, der sogar Lisas Fotos ausstellen will.
Noch kürzere SMS tauscht das Mädchen in großen Zeitabständen mit Nishan aus – der ist einfach zu unsicher, zu ängstlich und versteht nicht so ganz, was die Abtreibung wirklich für Lisa bedeutet.
Am Ende des Büchleins stirbt die Großmutter, bezeichnenderweise stürzt sie in dem Augenblick, in dem sie glaubt, ihre nie vergessene Jugendliebe stünde vor der Haustür. Sie hat aber das Glück noch in die Hände ihrer Enkelin geben können. Die wird ihren Weg machen können.  

Zwei ausgesprochen sympathische Frauen erzählen in ihren eMails, die noch richtige Briefe sind, wie sie in ein Leben gerieten, in dem sie nichts selbst bestimmen durften. Die ältere beschreibt ihren Weg in die Freiheit und die jüngere wird durch dieses Beispiel ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen. Dieser moderne Großmutter-Enkelin-"Brief"roman berührt. Er macht zornig auf die Fundamentalisten jeder Couleur und zeigt, wie viel man erreichen kann, wenn man in der Lage ist, das auch zur Sprache zu bringen.

Die Geschichte hat das Zeug dazu, auch diejenigen zu ermutigen, die nicht so recht wissen, wie sie aus der Ecke der Verdammnis heraus kommen könnten. Da sind dann auch Tricks und Verführungen erlaubt, wie sie die beiden Frauen hier zeigen.

Dem Buch liegt ein Lesezeichen mit einem Code bei, mit dem dieses Buch auch als eBook heruntergeladen werden kann.
 
(cjh 2014 für die AJuM der GEW)

 

 zur Autorin

Brigitte van Aken, geboren 1962 in Belgien, studierte Niederländisch, Geschichte und Religion auf Lehramt. Sie unterrichtet an einer Schule in Turnhout und schreibt Bücher für Jugendliche und Erwachsene. Daneben ist sie als Regisseurin und Schauspielerin für Theater und Musicals tätig.

Quelle: http://www.mixtvision-verlag.de/main_detail.php?bereich=programm_autoren&id=1142
Foto: (c) privat

 

 

 

 

 

 

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

  (bj&lr)
Jugendbuch     (02/06/10)   (cjh&tk)
Sachbuch     (03/07/11)   (ika)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
 
         
     

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