Der LesePeter
des Monats
Mai 2014

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Barbara Kindermann & Almud Kunert

 
      für das Kinderbuch  
      Leonce und Lena  
         
         
         
         
     

Georg Büchner, Barbara Kindermann & Almud Kunert
Leonce und Lena
Berlin: Kindermann 2013
ISBN 978-3-934029-60-6
36 S * geb. * 15,50*€ * ab 7 J

 

 
 

 
 

 

 

Prinz Leonce aus dem Königreich Popo soll von einem Tag auf den anderen gegen seinen Willen Prinzessin Lena aus dem Königreich Pipi heiraten. Auch Prinzessin Lena hat nicht die Absicht, den unbekannten Prinzen aus dem Königreich Popo zu heiraten. Beide entziehen sich den Plänen ihrer Königshäuser und fliehen, ohne sich abgesprochen zu haben, nach Italien. Unbeabsichtigt begegnen sich die beiden dort und sie finden sich durchaus sympathisch. Kann das der Beginn einer wunderbaren Liebe sein?
Der Kindermann Verlag widmet diesen Band dem 200. Geburtstag von Georg Büchner.
Wie immer bleibt bei den Büchern aus der Reihe Weltliteratur für Kinder die spannende Frage, ob es Barbara Kindermann gelingt, das Lustspiel von Büchner so aufzubereiten, dass es für Kinder zu einer amüsanten Lektüre werden kann.

In dem Lustspiel geht es um das in der Literatur häufig verwendetes Motiv des Verwechslungsspiels. Der phlegmatische, demente Herrscher aus dem Königreich Popo hat genug vom Regieren und will seinen faulen, gleichsam phlegmatischen Sohn Leonce die Macht übertragen. Vorher müsste er allerdings Prinzessin Lena aus dem Königreich Pipi heiraten. Diese ist immer traurig und sehnt sich nach dem Tod. Unabhängig voneinander beschließen beide zu fliehen. Leonce wird von Valerio begleitet, Lena nimmt ihre Gouvernante mit auf die Reise. Wie zu erwarten ist, begegnen sich die beiden und sie werden schnell Freunde. Von dem listenreichen Valerio als Puppen (im Text Automaten) verkleidet, kehren sie ins Königreich Popo zurück. König Peter wartet dort sehnsüchtig auf das Paar, aber es kommt nicht. Stattdessen überredet der verkleidete Valerio den König, er möge die zwei angekleideten und menschlich geformten Puppen anstelle des nicht anwesenden Brautpaares trauen. So geschieht es, und als sich die Puppen bei der Vermählung demaskieren, ist die Freude bei allen groß. Leonce will nun endlich ein geachteter König werden, ganz dem Spruch verpflichtet: Müßiggang ist aller Laster Anfang.

Georg Büchner ist bekannt für seine ironisch-satirische Gestaltungsweise. Das mag auch bei dieser Komödie sein Anliegen gewesen sein. Die Namen der Königreiche Popo und Pipi und die Charakterisierung der Personen am Königshof sind ein Beweis dafür. Aber können sich Kinder ab 7 Jahren schon so kritisch mit der Gestaltungsweise eines literarischen Textes auseinandersetzen? Barbara Kindermann geht bei der Nacherzählung nicht den Weg der oberflächlichen Vereinfachung. Einerseits wählt sie für ihren Text eine sprachkünstlerische Gestaltung, die es den Kindern ermöglicht das Sinnpotenzial der märchenhaften Geschichte zu erschließen, andererseits fügt sie in ihren Text Zitate aus Büchners Werk ein. Das macht den Reiz der Adaptionen von Werken der Weltliteratur durch den Kindermann Verlag aus und es gelingt es der Autorin auch hier, dass der gesamte Text der Nacherzählung als eine Einheit bei der Lektüre wahrgenommen werden kann.

Den Illustrationen kommt ebenfalls eine besondere Bedeutung zu. Sie wurden von Almud Kunert besorgt und sie bilden eine Brücke zwischen der Nacherzählung und den Kindern. Die farbenfrohen Bilder, ganzseitig präsentiert oder großformatig in die einzelnen Seiten eingefügt, passen bestens zu dem witzigen und humorvollen Text. Georg Büchner hat die Komödie ursprünglich für das Theater geschrieben und sie wird bis heute immer wieder auf vielen Bühnen mit Erfolg aufgeführt, da haben die Figuren und die Orte der Handlung in den liebevoll gestalteten Illustrationen von Almud Kunert einen wesentlichen Anteil bei der Sinnerschließung dieser Nacherzählung. So bereitet das Lesen und Betrachten des Buches sicherlich großen und kleinen Rezipienten viel Spaß.

Da Georg Büchner mit seinen Werken in vielen Lehrplänen der Oberstufe präsent ist, könnten bei der Aneignung von „Leonce und Lena“ die Nacherzählung von Barbara Kindermann und die Illustrationen von Almud Kunert als eine besonders interessante Form des Umgangs mit dem Lustspiel von Georg Büchner beigezogen werden.

 

 zur Autorin / Illustratorin

Barbara Kindermann wurde in Zürich geboren. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Sprachen in Genf, Dublin, Florenz und Göttingen. Nach Abschluss ihrer Promotion war sie als Lektorin tätig und gab 1993 den 3. Band der Grimmschen Sagen heraus.

1994 gründete sie den Kindermann Verlag Berlin, den sie auch leitet.

 

 

 

(c) Fotos mit frdl. Genehmigung des Verlags

 

 

Almud Kunert wurde 1964 in Bayreuth geboren. Sie studierte Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München und erhält ein Stipendium der Sommerakademie Salzburg. Als freischaffende Künstlerin wurden ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Seit 1992 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin für verschiedene Verlage.
Almud Kunert lebt in München.

 

   

 

(schl für die AJuM der GEW)

 

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

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Jugendbuch     (02/06/10)   (cjh&tk)
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