Der LesePeter
des Monats
Oktober 2012

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Gill Lewis

 
      für das Jugendbuch  
      Der Ruf des Kulanjango  
         
         
         
         
     

Gill Lewis: Der Ruf des Kulanjango
Aus dem Englischen von Siggi Seuß
München: dtv  2012
232 S * TB * 12,95 € * ab 12 J
 

 
 

 

Schottland: Die Natur begeisterte Iona kommt neu in Callums Klasse. Sie freunden sich an, und Iona zeigt Callum den Horst der Fischadler, den sie gefunden hat. Keiner darf es wissen, denn die Eier der Fischadler sind auf dem Schwarzmarkt sehr begehrt. Dann erkrankt Iona, und das Adlerweibchen verletzt sich schwer. Der Adler kann gerettet werden, Iona nicht. Im Herbst zieht der Vogel in den Süden und wird elektronisch verfolgt. In Afrika droht wieder Gefahr: Die alte Wunde hat sich entzündet. Das Internet macht´s möglich: Eine kleine Afrikanerin rettet die Adlerin, dafür wird sie von Callums Dorf gerettet.

Der Ruf des Kulanjango ist das ein furios geschriebenes Buch: Es fängt ganz harmlos an und zeigt ein alltägliches Kinderdrama: Callum traut sich nicht, vor seinen Freunden zuzugeben, dass er gerne mit der Außenseiterin Iona zusammen ist. Dabei hat sie wirklich was zu bieten. Sie kennt sich in der Landschaft besser aus als jeder andere, fängt Forellen mit der bloßen Hand, weiß vom Leben der Fischadler, hat ihre Schlupfwinkel, die keiner findet.
Die Steigerung: Das Adlerweibchen hängt an einer Angelschnur gefesselt unter dem Horst, da können nur noch Profis helfen - gleichzeitig darf niemand davon erfahren; zu selten sind die Adler, zu hoch ist der Schwarzmarktpreis für Adlereier. Der Naturschutzwart leistet professionelle Hilfe und stattet den Adler Iris mit einem Sender aus. Sie können mit Googles Hilfe jetzt jeden Weg des Adlers am PC verfolgen (und im Anhang ist die Route eines realen Adlers vom September 2011 im Internet beschrieben). Die Wunde wird versorgt - leider nicht nachhaltig genug.
Der Absturz: Iona stirbt an Meningitis. Sie stirbt einen Tod, der eventuell vermeidbar gewesen wäre, hätte die Dorfbevölkerung ihren Großvater nicht so abseits gestellt. Callums Mutter hat deswegen ein schlechtes Gewissen, sieht aber auch, dass nicht sie alleine etwas hätte ändern können.
Die zweite Steigerung: Callum und seine Freunde verfolgen den Flug des Vogels nach Afrika, und plötzlich setzt der Sender aus. Verzweifelt versucht Callum im Internet Verbündete in Gambia zu finden.
Und er findet sie in der 11-jährigen Jeneba, die Himmel und Hölle in Bewegung setzt und mit echt afrikanischen Mitteln den Vogel ausfindig macht, ihn rettet und in Behandlung gibt: Seine Wunde hatte sich entzündet.
Der Höhepunkt: Zufällig entdeckt Callum auf einem Foto, das bei der Rettungsaktion entstanden ist, dass Jeneba mit zwei eingegipsten Beinen auf einem Hospitalbett sitzt: Sie ist unter einen LKW geraten, die Beine verheilen schlecht - nur so kam sie überhaupt an einen Computer.
Und jetzt dreht sich die immer schneller werdende Handlungsspirale. In einer atemberaubend schnellen Entwicklung wird ein Hilfsprogramm für Jenebas medizinische Behandlung in London in Gang gesetzt, und der furiose Schluss ist das Dorffest, als Jeneba Callum besuchen kommt.

Auch wenn Iona von kaum einem noch genannt wird, ist deutlich, dass ihr Tod das Leben im Dorf verändert hat: Jeder hilft (der verachtete Großvater am meisten), als es um Jeneba geht. Keiner macht den anderen lächerlich, weil er sich um ein Mädchen kümmert. Der ärgste Gegner von Callums Freundschaft zu Iona spendet für sie sein Heiligtum: das neue Fahrrad (und bekommt es prompt zurück), der Großvater kehrt in die Dorfgemeinschaft zurück und alle gemeinsam sorgen dafür, dass die massenhaft einfallende Presse nicht den realen Adlerhorst findet.

Man muss nicht Naturfreak sein, um diese Geschichte uneingeschränkt gut zu finden. Es geht um das uralte Problem der präpubertären Liebe, um Jungenfreundschaften, die so etwas ausschließen, um liebevolle und verantwortungsbewusste Eltern, die genau unterscheiden können, wo kindlicher Übermut gebremst, wo er unterstützt werden muss. Es geht um das Leben mit Vorurteilen, es zeigt, wie fatal das Nichtbeachten von kleinen Unbilden sein kann. Und es zeigt, dass es noch ein Leben außerhalb unserer kleinen Welt gibt, wo ganz andere Probleme herrschen. Aber auch da kann man helfen. Und es muss nicht gleich die große politische Einordnung sein, die manches Größeres erlaubt, aber Vieles unmöglich macht.
Und geschrieben (und übersetzt) ist dieser Roman lebendig, dialogreich, spannend und lebensnah.

 

 

Gill Lewis:

Schon als Kind betrieb Gill Lewis im elterlichen Gartenschuppen ein Tierkrankenhaus, in dem sie Mäuse, Vögel und andere Kleintiere verarztete. Später studierte sie Tiermedizin und war als Tierärztin tätig. Heute ist Gill Lewis freischaffende Autorin und lebt mit ihrer Familie in Somerset, UK. Ihr erster Roman, ›Der Ruf des Kulanjango‹, erschien auf Anhieb in 20 Sprachen. Mehr über Gill Lewis auf www.gilllewis.com

 

 

 

(tk für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

  (bj&lr)
Jugendbuch     (02/06/10)   (cjh&tk)
Sachbuch     (03/07/11)   (ika)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
 
         
     

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