Der LesePeter
des Monats
August 2012

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Edward van de Vendel & Alain Verster

 
      für das Bilderbuch  
      Die Taube, die sich nicht traute  
         
         
         
         
     

Edward van de Vendel & Alain Verster:
Die Taube, die sich nicht traute

Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
Hildesheim: Gerstenberg 2012
ISBN 978-3-8369-5419-8
32 S * 12,95 € * ab 04 J

 

 
 

 

Ausgerechnet «Telemark» heißt die Taube, die bei der Jungtaubenprüfung eine perfekte Landung neben den Menschen hinlegen soll, denn der Name steht für eine perfekte Landung der Skispringer bei den Menschen. Telemark aber ist ein Verlierer, er weiß, dass er die Landung in die Brotkrumen bei den Menschen niemals schaffen wird. Er ist der achte Prüfling. Sieben sind vor ihm.

Ein großformatiges Buch mit sepiafarbigen Bildern, die seltsam undeutlich bleiben und ein Text, der aus der Taube Telemark spricht, unterbrochen von deutlich größer gedrucktem Text der Jury: Wir sind bei der Prüfung für junge Tauben, die den Sprung aus der Jugend in das Erwachsensein feststellen soll. Es gibt nur diesen Test: Du musst dich von der Dachrinne des hohen Hauses herunterstürzen direkt vor die Menschengruppe am Tisch, dir eine Brotkrume schnappen oder wenigstens einen Krümel und zurückkehren. Savoyen, Bottrop, Robotaube, Stormarn, DickerTex, Jari L und Taube Deutsch-Preußen sind vor ihm, vor Telemark. Er weiß, dass er seinen Vater, den mehrfachen Träger der Sturzflugmeistermedaille, enttäuschen wird, seine Mutter, sogar seine heimliche Freundin Schnäbelchen. Ein sehr spannender Countdown beginnt, bei dem seine Vorgänger alle bestehen, zwei zwar nur mit der Note 6 Komma «irgendwas», aber immerhin bestanden. Dann Telemark.

Sehr neue Bilder begleiten den inneren Kampf der Taube. Sepia deutet auf «alt, ausgeblasst» hin, aber der Widerspruch liegt in den Begriffen «detailreich» und zugleich «unscharf». Das Einzige, was immer sehr deutlich zu sehen ist, ist sehr klein die Zahl «8», die mehrfach an sehr verschiedenen Orten platziert ist (zur Erinnerung: Telemark ist Achter). Wenn man die Bilder mit einem Wort charakterisieren soll, dann mit «schmutzig», womit ein positives Werten gemeint ist. Es ist der gleiche Gegensatz wie der oben genannte. Daneben bringt Verster Gegenstände in seine Bilder, die nichts mit der Geschichte, wohl aber mit der Situation zu tun haben: Spielkarten, alte Gegenstände wie Grammophon (Trichter am Fernseher!) oder Kaffeemühle. Dann wieder ein Bild mit fast 50 Vogelkäfigen um eine Frau, nämlich das Taubenmütterchen, die letzte Rettung einer Taube, sich auf die Fütterin einzulassen – peinlich für die Taubeneltern, Erniedrigung des eigenen Anspruches.

Bestimmt kommen viele Menschen früher oder später einmal in die Situation von Telemark. Schwimmabzeichen Silber = vom Dreimetersprungbrett springen. Die Leiter zurück nach unten? Undenkbar! Achter in der Reihe. Vielleicht auch noch drei hinter dir. Nein, umkehren geht gar nicht.
Einem guten Thema, das natürlich von Tauben und Menschen handelt, vielleicht auch von Menschen und Menschen, werden sehr ungewöhnliche Bilder zur Seite gestellt, die sich gegenseitig genug Platz lassen, zumeist auf je einer Seite getrennt, sich aber dennoch gegenseitig wahrnehmen, ergänzen, mehr erzählen, Aufmerksamkeit verlangen. Ein tolles Bilderbuch, das den LesePeter August 2012 verdient hat.

 

 

 

Edward van de Vendel wurde 1964 in Leerdam, Niederlande, geboren. Er studierte zunächst Lehramt und war Mitbegründer einer Grundschule in der Nähe von Amsterdam. Nachdem er mit seiner Literatur für Kinder erfolgreich war, gab er den Lehrerberuf auf. Im Mai 2008 erhielt er den LesePeter Kinderbuch für «Twice oder Cooler als Eis», für «Was ich vergessen habe» war er 2005 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

 

 

Alain Verster, 1984 in Belgien geboren, studierte in Antwerpen und Gent Grafikdesign und Illustration. Mit seiner als Diplomarbeit entstandenen Taube, die sich nicht traute legt der junge talentierte Künstler ein grandioses Debüt vor. (Quelle: Gerstenberg-Verlag)

 

 

 

 

(c) der Fotos beim Gerstenberg-Verlag

 

(uhb für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

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