Der LesePeter
des Monats
Februar 2012

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Robin Brande

 
      für das Jugendbuch  
      Fat Cat  
         
         
         
         
     

Robin Brande
Fat Cat

A
us dem Englischen von Friederike Zeininger
München: dtv 2011
ISBN 978-3-423-78256-2
366 S * TB * 7,95 € * ab 12
 

 
 

 

Catherine ist 13, als sie von ihrem Kindheitsfreund maßlos enttäuscht wird. Vier Jahre lang trägt sie das mit sich herum, bis sie durch ein Schulprojekt, das sie ganz als kreative Forscherin fordert, sich und ihr Leben von Grund auf ändert. Sie verzichtet auf Junk Food, Zucker, Koffein, Medien, Technik und erfährt, dass sich nicht nur ihr Körper verändert: Aus der fetten wird die schlanke und attraktive Cat. Ohne die unermüdliche Energie ihrer Freundin hätte sie das nicht durchgestanden.

Was als Bericht über einen Schulwettbewerb beginnt, endet als Großprojekt über das Innenleben einer zerrissenen Persönlichkeit, die ungeheuer viel über sich selbst und das Leben allgemein gelernt hat. Der Autorin ist eine glänzende, lebendig geschriebene (fantastisch übersetzte) und mitreißende Show gelungen. Cat ist intelligent, witzig, kreativ, kann hervorragend kochen - das muss schon eine imposante Person sein und so sieht sie auch aus: ausladend. Ihr zweites Ich ist die Freundin Amanda, die sie unermüdlich unterstützt, ermutigt, ihr zuredet und mit allen möglichen modischen Utensilien ausstattet. Alleine das Zusammensein der beiden Freundinnen führt vor Augen, wie wichtig es im Leben eines Menschen ist, sich absolut auf eine Freundschaft verlassen zu können. Eigentlich wäre alles prima, wären nicht die Männer. Amanda ist glücklich mit einem Freud zusammen, Cat meint seit dem Desaster mit ihrem Matt nichts weniger zu brauchen als einen Freund. Dann kommt das Schulprojekt dazwischen.

Die Autorin beschreibt amüsant den Werdegang eines siebenmonatigen Projekts, von der Ideenfindung über deren Entwicklung, der Durchsetzung und der Veränderung des Projektes durch die Veränderung der äußeren Bedingungen aufgrund des Projekts: Cat untersucht die Auswirkungen steinzeitlicher Ernährung (die man so nicht allzu wörtlich nehmen darf) an sich selbst. Sie durchlebt reale Entzugserscheinungen, nimmt unverzüglich ab, verändert ihre Lebensgewohnheiten und mit diesen auch die ihrer Familie, entdeckt sich selbst neu und damit alle Menschen um sich herum. Ihre Freundin unterstützt sie dabei lebhaft, kreativ und modisch up-to-date; beide zusammen retten ein Bistro vor der Pleite, Cat als Küchenchefin, Amanda als Managerin - Nebenjobs sind für sie ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Cats vegetarische Küche macht Furore, immer mehr suchen das Bistro auf. Und sie wird attraktiv, findet einen unangenehmen Freund, den sie schnell wieder abserviert und einen netten, mit dem sie ein Sympathie-Level entwickelt, das nur von Selbstbewussten einzuhalten ist - und findet so wieder zu ihrem alten Freund Matt zurück, auf einem rauen Weg, den beide erst mühsam durchschreiten müssen.

Temperamentvoll, wie die Protagonisten sind, erzählt die Autorin und zieht den Leser in den Bann des Menschen, der sich selbst verändern will und das schafft, weil er an seine Aufgabe glaubt. Und weil er Freunde hat, die bedingungslos alle Sperenzchen mitmachen, auch wenn sie sich gegenseitig dort, wo es notwendig ist, heftig die Köpfe waschen. Die Auswirkungen einer plötzlichen Diät, die alles Junkfoodartige ausschließt, sind mir in dieser Drastigkeit noch nicht untergekommen und werden junge Leser mindestens nachdenklich machen. Da alle Protagonisten mehr oder weniger humorvoll und sympathisch beschrieben werden, sind viele Identifikationsfiguren vertreten, da dürfte jeder etwas für sich finden. Vor allem aber ist es die Ich-Erzählerin Cat mit all ihren Selbstzweifeln, Fragen, Entschlüssen, Überlegungen, die das Zeug hat für eine Kultfigur derjenigen, denen Cola&Co Teufelszeug wird. Und gleichzeitig wird ein sympathisches Mädchen vorgeführt, das zwar seine Schwierigkeiten hat, sieben Monate lang auf alle Zuckersorten zu verzichten, das aber eisern durchhält und am Ende gelassen eine Schokolade isst - das reicht ihr dann. Jedenfalls solange die Erzählung geht.

 

Robin Brande wollte schon als Kind Schriftstellerin werden, aber ihre Eltern hielten nicht viel davon. Deshalb wurde sie zunächst Rechtsanwältin, bevor sie das Schreiben zu ihrem Beruf machte. Robin Brande lebt in Tucson, Arizona und unternimmt in ihrer Freizeit am liebsten Rucksacktouren mit ihrem Mann und ihrem Hund. „Fat Cat“ ist der erste Roman, der ins Deutsche übertragen wurde.

 

 

(cjh&tk für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

  (bj&lr)
Jugendbuch     (02/06/10)   (cjh&tk)
Sachbuch     (03/07/11)   (gas)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
 
         
     

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