Der LesePeter
des Monats
November 2011

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Shary Reeves, Jan Hofer & Dieter Kronzucker (Hg.)

 
      für das Sachbuch  
      500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern  
         
         
         
         
     

Shary Reeves, Jan Hofer, Dieter Kronzucker (Hg.)
500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern

Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2011
304 S * TB * 7,99 € * ab 12 J
 

 
 

 

Auf mehr als 500 Abschnitten sammelten die Herausgeber eine Vielzahl von Anregungen gegen Verschwendung, Ausbeutung und Pessimismus – aber auch gegen das eigene schlechte Gewissen, wenn mann/frau sich mal wieder etwas gegen die Vernunft gönnt. So entstand ein aufmunterndes und vielfältiges Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit im Alltag, das jede/r ohne große Probleme annehmen kann.

 Wer von der Zielgruppe das Buch in die Hand gedrückt bekommt, wird es einerseits mit dem Gefühl der Neugierde öffnen aber andererseits mit Widerstreben reagieren. Der Titel provoziert nämlich beides, da Jugendliche natürlich für eine bessere Welt plädieren aber auch allen Vorschriften aus erwachsenem Mund gegenüber misstrauisch sind.
Gegen Letzteres haben die Herausgeber aber die Aufmachung gesetzt. Es sind in der Regel den Jugendlichen mehr oder minder bekannte Personen, die sich mit machbaren Vorschlägen als Anhänger von kleinen Schritten der Weltverbesserung outen. Die Texte sind dabei in dem Umfang angelegt, der aus den Neuen Medien bekannt ist: schnell aufs Ziel losgehend und aufs Wesentliche beschränkt. Das ist insofern gerechtfertigt, als auf den 302 Seiten nichts Neues steht. Das meisten Ideen hat mann bzw frau schon irgendwo gelesen, gehört oder gesehen. Verdienst des Buches ist daher, alles zu einem beeindruckenden Kompendium vereint zu haben.
Außerdem steht nicht nur im Vorwort, dass es darum geht „kleine Schritte“ zu vermitteln, die jede/r gehen kann, ohne die eigene Lebensqualität zu belasten. Motto der Ideen ist „Wenig hilft viel“ (S. 93) bzw. „Niemand muss die ganze Welt auf einmal retten“ (S. 497). Daher stehen neben recht praktischen Dingen wie beim Drucken tintensparende Schriftarten zu wählen auch Vorschläge zur Verbesserung der mitmenschlichen Kommunikation. Die Kapitel „Schule“, „Ich“ oder „Familie, Freunde, Miteinander“ setzen z. B. auf Ideen zu mehr Offenheit und Miteinander, wenn sie auffordern „nur wer mitmacht, erfährt mehr“ (Marie-Luise Lewicki in Idee 213) oder „Wahrheiten anerkennen“ (Susanne Kronzucker in Idee 133). Konkretes kommt aber auch hier vor, wenn angesprochen wird, wie man/ frau mit „Schulheften indonesische Affen retten“ (Idee 54) kann. Oder: „Wenn es nicht funktioniert, versuch es doch mal anders.“ (Idee 284) Das mag nicht jedermanns Sache sein, weil es schon darauf hindeutet, dass zu kleinen Schritten der Veränderung auch das eigene Verhalten gehört. Deshalb fällt es sicher leichter, den vielen Ideen zur eher technischen Weltverbesserung zu folgen. Davon gibt es in den Kapiteln „Natur & Umwelt“, „Computer & Internet“, „Kaufen & Verkaufen“ sowie „Haushalt & Alltag“ eine ganze Menge. Wer sich dazu stichwortartig orientieren möchte, geht ins Sachregister am Ende des Buches. So findet er am schnellsten praktikable Ideen zu Recycling (z.B. gebrauchte Handys beim Apple-Store abgeben, Idee 39), nachhaltig Drucken (Idee 131), beim Telefonieren Strom sparen (Idee 396) oder umweltfreundlich Autoscheiben enteisen (Idee 418).

Wem das alles zu banal ist, der hat mit den folgenden Ideen genügend Anlass zum Weiterdenken: „Mini-Steuer auf E-Mails (Idee 187) oder „Organspendeausweis ausfüllen“ (Idee 152). Beides ist nicht nur daher gesagt sondern knapp in einen verständlichen Zusammenhang gebracht, so dass die Ideen nicht einfach von der Hand gewischt werden kann. Wer’s eher subversiv mag, kann sich die Idee der „Samenbomben“ zu eigen  machen und viele Blumen blühen lassen (Idee 47).
Und letztlich: Alles ist nur ein Anstoß, selbst weiter zu denken. Wer z.B eklig findet, morgens zum Wasser sparen in die Dusche zu pinkeln (Idee 7), kann das Salatwaschwasser sammeln und damit sein Pipi wegspülen (das ist eine Idee, die noch nicht auf der Liste steht).

Insgesamt sind in 500 Abschnitten vielfältig Ideen zusammengetragen, die ihre Wirkung einerseits aus der Alltäglichkeit und manchmal recht einfachen Umsetzung ziehen. Andererseits liefern die befragten Promis ein beredtes Zeugnis dafür ab, dass viele in die gleiche Richtung denken. Alles wirkt wie 500 Blitzlichter, die Möglichkeiten zur Veränderung beleuchten. Dass der Blitz dabei manchmal an der gleichen Stelle einschlägt, stört nicht. Denn ein Handbuch ist dies nicht sondern eine Sammlung von vielen Merkzetteln, die alle die gleiche Überschrift haben: „Du bist kein Spinner, wenn Du die Welt verbessern willst. Viele andere wollen es auch.“

 

Zum Autor:

Daniel Westland ist Journalist und Jugendbuchautor. Er schreibt Jugendbücher, meist Sachbücher zum Thema Wissen (z. B. »Wissen macht Ah!«). Außerdem veröffentlicht er Jugendbuch-Thriller. 2010 war er für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert (mit Marietta Slomka).

Westland lebt in Hamburg, hat drei Kinder und ist verheiratet. Er liebt den Blick auf das blaue Meer oder wenigstens in den sonnenblauen Himmel. Aktuelle Infos von Daniel Westland gibt es bei Facebook.

 

Bildquellen: http://www.danielwestland.de/

 

(wan für die AJuM der GEW)

 

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

  (bj&lr)
Jugendbuch     (02/06/10)   (cjh&tk)
Sachbuch     (03/07/11)   (gas)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
 
         
     

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