Der LesePeter
des Monats
September 2011

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Doris Wirth

 
      für das Kinderbuch  
      Der Kelch des Königs  
         
         
         
         
     

Doris Wirth & Marc Robitzky:
Der Kelch des Königs
Benny Blu und die Geheimnisse Arkaniens, Bd. 2
Regensburg: Kinderleicht Wissen 2011
384 S * geb * 14,90 € * ab 10 J
 

 
 

 

Wieder einmal brauchen die Bewohner Arkaniens die Hilfe der drei Freunde Lena, Finn und Benny Blu, dem Jungen mit dem blauen Haar.
Nachdem das Abenteuer mit den Piraten in der Karibik gerade noch einmal gut ausgegangen ist, wartet nun eine Zeitreise ins mittelalterliche Regensburg auf die drei Jugendlichen – und wieder wird es richtig gefährlich…
Mehr darf man fast schon nicht verraten. Nur so viel: sechs Mal werden im Laufe des Buches auf jeweils mehreren Seiten interessante Sachinformationen angeboten, die das Alltagsleben im Mittelalter veranschaulichen. Es sind stets kurze Abschnitte, die zum Lesen verlocken. Ein mehrseitiges Glossar erklärt am Ende des Buches noch weitere im Text gekennzeichnete Begriffe. Fantasy-Schmöker und integriertes Sachbuch – dieses Konzept geht auf und macht Lust auf mehr!
Die Reise geht weiter – genauer gesagt: die Zeitreise. Um eventuell noch unentschlossene Leser/innen zu beruhigen: Man versteht diesen zweiten Band der Arkanien-Reihe durchaus auch, ohne den ersten über die Piraten gelesen zu haben. Es schadet allerdings nichts…

Von der Anlage sind die Bände natürlich ähnlich. Die Welt Arkaniens bildet sozusagen den Fantasy-Rahmen, in den Lena, Finn und Benny Blu mit ihrem Hund erneut als Retter vor großem Ungemach agieren. Dazu müssen sie eine Zeitreise antreten, die sie diesmal nach Regensburg führt. Der dort abgehaltene Reichstag Kaiser Friedrichs III im Jahre 1471 bildet den Schauplatz der Geschichte. Die Kinder sollen den „Kelch des Königs“ der Welt finden und nach Arkanien bringen. Bettler sind in der Stadt, manche verkaufen (überwiegend angebliche) Reliquien. Einer bietet den Abendmahlskelch Jesu, den Heiligen Gral, an – aber die Kinder ahnen nicht, dass sie damit den gesuchten Gegenstand schon vor sich haben. Sie sind der Meinung, dem Kaiser, dem mächtigsten Herrn der damaligen Welt, seinen Trinkbecher entwenden zu müssen. Dass daraus nichts Gutes werden kann, lässt sich rasch erahnen. So kommt es, dass Benny als Dieb gefangen wird und hingerichtet werden soll.
Mit Hilfe einiger Freunde und ein wenig Zaubertrank geht aber noch alles gut aus…

 

Natürlich geht es in dieser Geschichte sehr fantasievoll zu. Die Fabelwesen Arkaniens sind in ihrer Fülle schon beeindruckend. Merken muss man sich allerdings nur einige davon, wie z. B. den Olch Poldi, der mit seinem lustigen Kauderwelsch für allerhand Komik sorgt, andererseits aber diesmal auch „richtig“ dabei sein darf. Dennoch sind die historischen Elemente schon wichtiger, wobei man der Recherche und dem Lektorat dieses Buches Respekt zollen muss. Das Leben im ausgehenden Mittelalter – durchaus keine „guten alten Zeiten“ – wird sehr anschaulich entwickelt. Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Die durchaus vorhandenen kleinen logischen Fehler sind tolerierbar; so fällt z.B. offenbar niemandem Bennys Brille auf.

Wirklich beeindruckend sind aber die historischen Einschübe, die Sachbuch-Charakter haben, dort isoliert möglicherweise aber kaum dieselben Leser finden würden. In diesem „Schmöker“ steht an der richtigen Stelle genau das, was man wissen muss, um das Geschilderte besser verstehen zu können. Es ist nicht überladen oder zu breit, Bilder gibt es in diesen Abschnitten auch keine, so dass man auswählen oder am Stück lesen kann. Die Geschichte lässt sich natürlich auch ohne die Einschübe lesen und verstehen. Genau so hilfreich sind übrigens die im anhängenden Glossar zusätzlich erklärten Begriffe von „Arkade“ bis „Zeitungsente“.

Ein Wort noch zu den ganzseitigen Illustrationen: Es sind nicht sehr viele – neun – und sie sind in Schwarz-Weiß. Dennoch helfen sie kräftig mit, die Geschichte und ihre Stimmungen glaubwürdiger und plastischer zu machen.

  

 

Doris Wirth

Doris Wirth wurde 1982 in Kelheim geboren. Sie studierte in Regensburg Germanistik, Politikwissenschaft und Soziologie und arbeitet seit Abschluss ihres Studiums in Regensburg als Lektorin und Autorin. Doris Wirth schrieb bereits mehrere Sachbücher und Kurzgeschichten. „Die Bucht des Vergessens“, der Auftaktband ihrer ersten Romanreihe „Benny Blu und die Geheimnisse Arkaniens“, schaffte es auf Anhieb auf die Auswahlliste zum Nachwuchspreis 2010 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V.

 

 

Marc Robitzky

Marc Robitzky, geboren 1973, studierte an der Hamburger Technischen Kunstschule sowie an der Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design. Seit 1999 ist er als freiberuflicher Illustrator und Kommunikationsdesigner tätig und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Aschaffenburg. Marc Robitzky hat schon viele Kinder- und Jugendbücher illustriert. Seine Leidenschaft ist es, Ideen zu visualisieren und Geschichten zu bebildern.

 

 

(c) der Bilder und Fotos mit frdl. Genehmigung des Verlags

(bj & lr für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

  (bj&lr)
Jugendbuch     (02/06/10)   (cjh&tk)
Sachbuch     (03/07/11)   (nn)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
 
         
     

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