Der LesePeter
des Monats
September 2010

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Alexa Plass-Schmidt

 
      für das Kinderbuch  
      Bloß keine Ferien  
         
         
         
         
     

Alexa Plass-Schmidt: Bloß keine Ferien
Illustrationen von Margret Bernard
Lippstadt: Kontakte Musikverlag  2009
82 S * TB. * 7,80 € * ab 9 J
 

 
 

 

Sina, ein neunjähriges Mädchen aus einer netten Familie von nebenan, steht im Mittelpunkt der Erzählung, in der die vielen Ungerechtigkeiten des Alltags zu kaum bemerkten, aber ausgewachsenen Verstößen gegen die Kinderrechte werden. Obwohl das Buch bereits 2009 erschien, ist uns das Thema so wichtig, dass es den LesePeter 2010 verdient. 

„Bloß keine Ferien“, ein ungewöhnlicher Wunsch, da sowohl Schüler als auch Lehrer die unterrichtsfreie Zeit genießen. Doch es geht hier keineswegs um geplagte Eltern, sondern um die Rechte der Kinder.
Vor zwanzig Jahren wurden sie von der UN festgelegt. Kennen wir diese Rechte? Beachten wir sie?
Viele Länder glauben, sie seien bereits gültig und in Kraft. Es gibt Gesetze und Verbote, auch in unserem Land. Und es gibt Menschen, die sich nicht daran halten: Eltern, Pädagogen, Politiker, ... auch in unserem Land. Um Kinderrechtsverletzungen zu finden, müssen wir nicht unbedingt nach Afrika, Indien, Südamerika, USA, Osteuropa, Arabien schauen, manch einer liefert sie leider frei Haus.
Eines ist wichtig, man muss kennenlernen, was man beachten soll.  

Wer nichts tut, tut nichts Falsches, oder? Aber so einfach macht es sich Alexa Plass-Schmidt nicht. Sehr deutlich und eindringlich zeigt sie, dass gerade das Unterlassen bestimmter Dinge ein schlimmeres Fehlverhalten sein kann als eine fehlerhafte Ausführung. So wird sehr deutlich, wohin elterlicher Egoismus und Gleichgültigkeit bei einem Kind führen können: wenn ständig in seiner Gegenwart geraucht wird, wenn es wegen Kleinigkeiten geschimpft wird, wenn das Selbstwertgefühl wieder und wieder klein gemacht wird und man es stundenlang, wie Luft behandelt.
Das Mädchen in der Geschichte wird zur Stubenhockerin, leidet unter Bettnässen und denkt ans Weglaufen.
Aber auch hier gilt der Grundsatz: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. In diesem Fall erwartet niemanden eine Strafe, jedenfalls nicht sofort. Viele übersehen aber schlichtweg, dass Fehler beim Erziehen junger Menschen auf lange Sicht oftmals verheerend zurückschlagen. Eltern wundern sich, wie ihr Kind so auf die schiefe Bahn geraten kann, Politiker wundern sich, dass viele Jugendliche immer unmotiviert, gewaltbereiter, desorientierter, „gesellschaftsunwilliger“ werden.
Es ist seit Jahrtausenden eine Sisyphosarbeit, gegen Ignoranz und Gleichgültigkeit anzukämpfen. Dennoch sollten wir nie damit aufhören, sondern immer wieder neu damit beginnen.
In der Geschichte liegt die Lösung fast wörtlich auf der Straße: Sina findet Hilfe bei der neu zugezogenen Nachbarsfamilie Schröder. Für deren kleine Tochter wird sie zur guten Freundin, zur Lehrerin gar, die wunderbare Spielideen hat und sie vermitteln kann.
Und auch die Klassenlehrerin wird zu Sinas Verbündeter.
So setzt schließlich ein langsamer Umdenkungsprozess bei den Eltern ein, der Hoffnung macht.

 Das ist die Botschaft: Du findest Hilfe, wenn du dir welche suchst. Ganz konkret werden Kinderrechte benannt, konkret wird auf die „Nummer gegen Kummer“ des Kinder- und Jugendtelefons verwiesen oder auf eventuelle Ansprechpersonen hingewiesen, die für eine Hilfe infrage kommen könnten: Lehrerin, Polizist, Oma oder Freunde usw. Denke darüber nach! Verkrieche dich nicht! Friss es nicht in dich hinein! 

Alexa Plass-Schmidt erarbeitete unter Benutzung von Materialien des Kinderschutzbundes und bereits erschienener Publikationen des Musikverlages zum Thema Kinderrechte auch ein Hörbuch und ein sehr mannigfaltiges Lehrerhandbuch zu ihrer Erzählung.
Man weiß, dass die genannten Partner, vor allem der Kinderschutzbund Karlsruhe, an einer Zusammenarbeit interessiert sind und bereitwillig und sehr positiv auf Anfragen reagieren. Alles in allem liefert uns die Autorin hier ein umfassendes und kindgerecht aufgearbeitetes Material an die Hand, das im Unterricht der Grund- und Sekundarstufe vielfältigen Einsatz finden kann. 

Die Erzählung von Alexa Plass-Schmidt ist kein literarisches Schmankerl, kein tiefenpsychologisch und sprachlich hochgradig ausgefeiltes Werk. Es ist eine ganz einfach und sehr geradlinig geschriebene kurze Geschichte – 80 Seiten im Taschenbuch, mit einigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen versehen. Vielleicht gerade deshalb berührt sie, auch wenn ein wissender Erzähler sie vermittelt. Die Eltern kommen nicht gut weg im Handlungsverlauf; das wirkt schon etwas holzschnittartig. Für 8- bis 10-Jährige, an die sich das Buch wendet, ist das aber sicher keine verkehrte Entscheidung. So sind die einfachen Satzstrukturen, die ungeschminkte und doch lebendige Sprache sowie die klare Schilderung schlichter Tatsachen eine solide Arbeit.

Für Kinder einfach perfekt, für Erwachsene perfekt einfach.

 

Die Autorin:

 Alexa Plass-Schmidt wurde 1970 im Sauerland geboren und studierte in Münster. Sie arbeitet als Grundschullehrerin in Bonn, ist verheiratet und hat zwei Kinder. „Bloß keine Ferien“ ist ihre erste Veröffentlichung. „Das Bekanntmachen, Umsetzen und Einhalten der Kinderrechte sind mir ein Herzensanliegen geworden. Mittlerweile habe ich ein zweites Kinderbuch zum Thema Kinderarmut geschrieben. Allerdings mit offenem Ende. Das Ende soll von den Kindern gefunden werden. Auch gebe ich mit meinen beiden Jahrgansstufenkolleginnen einmal im Quartal eine Kinderzeitung für Bonner Grundschulkinder heraus. Diese Zeitung enthält auch Informationen zu den Kinderrechten und stellt in Bonn Stellen vor, die für Kinder interessant sind.

(c) Das Copyright der Fotos ist bei der Autorin / Illustratorin.

Margret Bernard
Schon als Kind konnte sie Stiften, Pinseln und Farben nicht aus dem Weg gehen.
Nach einem Studium der Visuellen Kommunikation in Trier und Münster lebt und arbeitet sie als freie Grafikerin und Illustratorin für zahlreiche Verlage und Institutionen in Hamburg.
 

 

 

(bj & lr für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

  (bj&lr)
Jugendbuch     (02/06/10)   (cjh&tk)
Sachbuch     (03/07/11)   (gas)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
 
         
     

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