Der LesePeter
des Monats
Mai 2009

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Watt Key

 
      für das Kinderbuch  
      Alabama Moon  
         
         
         
         
     

Watt Key: Alabama Moon
Aus dem Amerikanischen von Jacqueline Csuss
Hamburg: Dressler Verlag 2008
347 Seiten * geb * 15,90 € * ab 10 J

 

 
 

 

Frei leben, frei von allen Konventionen, wer wünscht sich das nicht irgendwann einmal. Moon, zehn Jahre alt, lebt so. Er kennt nichts anderes, er weiß auch nicht um den Preis, den er dafür zahlt. Er weiß nur: So ist das Leben richtig, denn so haben seine Eltern es für ihn bestimmt.
Als der kleine Moon zwei Jahre alt war, zog das Ehepaar Blake in die Wildnis Alabamas. Warum, bleibt dem Leser fast völlig verborgen. Die Mutter starb so früh, dass der kleine Moon sich kaum noch an sie erinnern kann. Außerhalb der Zivilisation wächst der Junge auf und kennt  nur die wenigen Nachteile, die er körperlich spüren kann. Seine Wohnhöhle ist nicht immer warm, der Vater ständig auf der Hut oder auf der Flucht vor den Gefahren der menschlichen Gesellschaft.
Aber all das kennt Moon auch aus der Natur, es sind deren Gesetze. Und es fällt ihm nicht schwer, sie zu beachten. Dafür versorgt sie ihn mit allem, was er braucht: Kleidung, Nahrung, Gesellschaft und Tätigkeit zum Lebenserhalt. Als der Vater stirbt, nimmt er dem zehnjährigen Jungen das Versprechen ab, nach anderen zu suchen, die so leben wie sie. Dazu solle er nach Alaska aufbrechen und sich immer nur vor der Regierung hüten.
Moon begräbt seinen Vater und macht sich auf den Weg. Ein Ladenbesitzer ist der einzige Mensch, zu dem jemals Kontakt bestand. Ihn sucht Moon auf, um einige Sachen zu Geld zu machen und vielleicht Informationen über Alaska zu bekommen.
Von nun an hat das Pech den Jungen fest im Griff. Die Polizei in Gestalt eines machtbesessenen und brutalen Provinz-Constables ist ihm auf den Fersen. Moon kommt ins Heim, bricht aus, wird erneut festgenommen, landet schließlich sogar vor Gericht. Er gewinnt Freunde und verliert sie wieder.
Sein Weg durch staatliche Behörden und Kinderheime zeigt ihm genau die Welt, vor der sein Vater ihn gewarnt hat. Und obwohl viele Beteiligte nur helfen wollen oder ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen ausführen, erlebt Moon den Alptraum seines Lebens.
Trotzdem gibt er sein Ziel nie auf und seine Suche hat letztendlich ein Ziel, unerwartet aber sehr willkommen.

Der Autor zeichnet hier auf eindrucksvolle und manchmal schmerzvolle Weise, welche Auswirkungen kleine Handlungen eines einzelnen „Verantwortlichen“ im Leben eines Schutzbefohlenen anrichten können.
Der Protagonist ist fast ein kleiner Held in all seinem Leiden, er kämpft hart um seine Freiheit, bleibt dabei aber immer fair, großmütig und selbstlos. Für einen Zehnjährigen eine beeindruckende Mischung.
Er selbst erzählt uns seine Geschichte und schränkt damit unsere Sichtweise ein. Dennoch folgt man als Leser bereitwillig der einfachen, oft naiven aber dennoch tiefgründigen Weisheit des Jungen, die völlig ohne Selbsterhebung vorgetragen wird.
Eine altersgerechte Sprache, viele kurze und prägnante Dialoge, bildgebende Formulierungen sowie eine Fülle interessanter Informationen ergeben ein klares und erstaunlich vorurteilsfreies Bild, das auf weitere Ausschmückungen verzichten kann.

 

Was sich hier vielleicht wie eine kaum glaubwürdige Wildwest-Geschichte anhört, ist in Wirklichkeit weitaus mehr: Es ist das Abenteuer eines zehnjährigen Kaspar Hausers in einer wahnwitzigen Welt, ein Ich-Erzähler, der uns mitnimmt auf eine Reise durch Tiefen und Höhen der menschlichen Existenz, die den Leser nicht mehr loslassen wird, bevor er auf der letzten Seite angelangt ist.
Das Buch ist zum Brüllen komisch und zum Weinen traurig, dramatischer und gefährlicher als etwa Tom Sawyers und Huck Finns Erlebnisse.

Es tut gut, dass neben Fantasy und viel Belanglosem noch solche Bücher auf den Markt kommen.

 

 

 

Watt Key, geboren 1970, wuchs in Alabama auf;  "Alabama Moon" ist sein erstes Buch, erschien 2006 in den USA und wird zurzeit verfilmt. Watt Key wohnt mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Süden von Alabama.

(c) für das Foto bei Ward Faulk


weitere Auszeichnungen
04/2009 | hr2-Hörbuch-Bestenliste
03/2009 | Deutscher Jugendliteraturpreis, Nominierung
11/2008 | Eule des Monats (Bulletin Jugend & Literatur)
11/2008 | Die besten 7 Bücher für junge Leser (DeutschlandRadio / Focus)
10/2008 | Lilipuz-Tipp (WDR 5)
03/2008 | Parent's Choice Award (USA)
 

(bj&lr  für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

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