Der LesePeter
des Monats
März 2005

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Rudolf Herfurtner

 
      für das Sachbuch  
      Tims wundersame Sternenreise  
         
         
         
         
     

Rudolf Herfurtner: Tims wundersame Sternenreise
Illustrationen von Julian Jusim
München: Hanser  2004
103 Seiten, geb., 14,90 €
 

 
 

 

Der nächtliche Himmel hat die Menschen schon seit jeher fasziniert. Um das Geheimnis der Sterne zu begreifen, haben sie den Sternbildern Namen gegeben und sich spannende Geschichten darüber erzählt, die voller Fantasie und Mystik sind. Dieses Buch erzählt diese alten Geschichten umrahmt von einer rührenden Geschichte um einen Esel und einem kleinen Jungen und mit zauberhaften farbigen Bildern illustriert.
 „Während die anderen Wesen gebeugt zur Erde hin blicken, gab er dem Menschen den aufrechten Gang und ließ ihn zum Himmel schauen und staunend hoch sein Gesicht zu den Sternen erheben.“ Diesen Satz aus Ovids Metamorphosen setzt der Autor Rudolf Herfurtner vor das erste Kapitel seiner Geschichte um den etwas klein geratenen Jungen Tim, der als Träumer gilt und nächtelang auf dem Scheunendach sitzt und die Sterne bewundert.

In dieser Geschichte voller Träume nimmt es nicht wunder, dass plötzlich auf der Wiese hinter der Scheune das Sternbild „der große Wagen“ landet. Schuld an dem Unglück ist der Maulesel Mizar, der zwischen zwei prächtigen Pferden den himmlischen Wagen zieht und den Wagen aus dem Weg gebracht hat. Zu Strafe wird Mizar hinten an den Wagen angebunden. Tim tut dieser Esel Leid und er will ihn trösten. Als er seine Hand unter den Bauchriemen des Esels schiebt, zieht der Wagen an und hebt Tim mit in den nächtlichen Himmel. Mizar und Tim freunden sich an und nun kann Mizar alle Sternenfragen des kleinen Jungen beantworten.
Soweit die Rahmenhandlung - hier beginnt das eigentliche Sachbuch.

Bereits das Vorwort erklärt, dass in diesem Buch von den 88 bekannten Sternbildern vor allem die des Zodiakus, des seit ungefähr 3000 Jahren so genannten Tierkreises erwähnt werden. Während Tim auf dem Esel über den Himmel reitet , lässt er sich bei jedem Sternbild die großen Geschichten der griechischen Helden und Götter erzählen.
So erfährt er von Phaëton, der vergeblich den Wagen des Sonnengottes Helios lenken will und vom Himmel in den Fluss Eridanus stürzt. Er hört die traurige Geschichte von Pollux, der nicht mehr leben wollte, weil sein geliebter Zwillingsbruder Kastor getötet wurde. Der Göttervater hatte Mitleid mit den beiden und setzte sie als Sternbild an den nächtlichen Himmel. Auch Herakles, der unerschrockene Held, und der von ihm besiegte schreckliche Löwe erhalten ein Sternbild.

Mizars Geschichten werden in Hexametern erzählt, in dem sechshebigen Versmaß, in dem die Griechen gern ihre alten Mythen erzählt haben. Der Text ist zwar im Blocksatz gedruckt, aber die Zäsur jeweils durch einen Schrägstrich gekennzeichnet. Das ist zunächst etwas ungewohnt, aber man liest sich schnell ein. Die Geschichten erhalten durch den Rhythmus eine besondere Spannung und man liest sie bewusster.
Auf diese Weise erfährt Tim und der interessierte Leser oder Zuhörer eine Fülle von abenteuerlichen Geschehnissen in alten Zeiten und wie sie sich in den Sternzeichen widerspiegeln. Jede Geschichte beginnt mit einem Bild des Sternzeichens und darauf die einzelnen Sterne, die zu ihm gehören.

Ganzseitige, zauberhaft schöne, farbig kolorierte Zeichnungen von Julian Jusim, die vor den tiefblauen Sternenhimmel gestellt sind, zeigen Szenen des Geschehens und helfen die Geschichten besser zu verstehen. Die Figuren zeigen ausdrucksstarke Mimik und Gestik.
Im Einzelnen werden Geschichten zu folgenden Sternbildern erzählt: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Fische, Steinbock und Wassermann. Darüber hinaus erfährt Tim zwischen den Geschichten noch eine Menge an interessanten Einzelheiten zur Sternkunde, wie sie in vielen Kulturen betrieben wird. Er weiß jetzt auch, warum die Griechen den Menschen „anthropos“ nannten, was so viel heißt wie „der, der hinaufschaut“. 

Im Anhang werden noch einmal alle vorkommenden Namen mit einer kurzen Erklärung und Bedeutung aufgelistet.
Lesern, die tiefer in die Materie einsteigen möchten, helfen die angegebenen Literaturhinweise.
Das ausgezeichnete Buch kann sowohl als amüsante Lektüre als auch im Schulunterricht als Einstieg in das Thema Sternkunde oder als Einführung in die griechische Mythologie und Sagenwelt dienen.     

 (gas für die AJuM der GEW)

 

 Rudolf Herfurtner ist Jahrgang 1947 (Wasserburg am Inn) Er studierte 1968 bis 1975 Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaften in München (Volontariat beim BR/TV), wo er auch heute als freier Schriftsteller lebt. Für seine Bücher, Theaterstücke und Hörspiele wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

 

Julian Jusim ist 1946 in Kujbyschew an der Wolga geboren. Von 1964 bis 1970 studierte er in Moskau Kunst und Architektur. Er beginnt eine künstlerische Karriere, die jedoch bald von der Arbeit als Architekt verdrängt wird (u.a. Planung und Bau eines Krebsforschungszentrums / Pressezentrums für die Olympischen Spiele in Moskau). 1983 siedelt er nach Deutschland über und besinnt sich seiner künstlerischen Wurzeln. Seit 1989 ist Jusim ausschließlich als Illustrator freiberuflich tätig.

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

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Jugendbuch     (02/06/10)   (pfn)
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