Der LesePeter
des Monats
Oktober 2003

 
     

geht an Bjarne Reuter

 
      für das Jugendbuch  
      Operation Mikado  
         
         
         
         
     

Bjarne REUTER: Operation Mikado
Aus dem Dänischen von Gabriele Haefs
Düsseldorf: Sauerländer bei Patmos 2003
255 Seiten, geb., 12,90 €
 

 
 

 

„Ach, Monse, du bist wirklich ein verrückter Kerl. Was soll denn bloß aus dir werden? - Ich habe ziemlich geschickte Hände. - Du denkst an eine Karriere in der Diebesbranche? - Ich habe bereits mit dem Gedanken gespielt. Meine Mutter strickt mir jetzt eine Maske...“
Tom und Monse sind Freunde seit der Kindergartenzeit, ein eingespieltes Team. Monse spielt den Doofkopf, der kein Fremdwort richtig nutzt, ständig Nutella frisst und das Zimmer seines Freundes im ersten Stock immer durch die große Birke erreicht. Beide verbindet die Liebe zu ein paar alten Heldenfilmen, die sie fast auswendig kennen und ständig zitieren. Über Mädchen reden sie, kommen ihnen aber nicht wirklich nahe. Also, zwei ganz normale pubertierende Jungen.
Als sie für ein Schulprojekt mit Freja und Lau  zusammenkommen, ändert sich ihr gemütliches Leben. Die vier wollen einen Film drehen, finden im Kopierer ein Notenblatt, dass Freja als kompletten Plan für einen Überfall erkennt. Sie beschließen, am möglichen Tatort zu sein, zu filmen und zu fotografieren. Und der Überfall passiert.
Von da an entwickelt sich ein verwirrendes Geschehen. Die schöne, kluge und traurige Freja  Rode wird immer rätselhafter. Ob sie nun die Knaben – besonders Tom – für geheime Ziele benutzt oder bei ihnen Hilfe sucht, so ganz klar wird das auch dem Leser lange nicht. Wer ist hier der Mikado, die Figur, die die anderen bewegt, das fragen sich nicht nur Tom und Monse. Es gibt einen wunderbaren Schluss, bei dem Frejas Familie wieder vereint ist. Nur die Jungen sind jetzt Mitwisser eines Raubes und haben einen missglückten Erpressungsversuch hinter sich: Für einen guten Zweck, den Freikauf von Vater Rode aus einem fernöstlichem Gefängnis. Aber sie sind nun andere, die unbeschwerte Blödelzeit ist vorbei.

Der Leser erlebt den Wirrwarr aus Toms Blickwinkel. Er weiß nur, was Tom selbst hört oder sieht oder was ihm berichtet wird. Reuter lässt einzelne Szenen lebendig werden. Sie folgen schnell aufeinander, der Wechsel ist oft abrupt. Der Leser muss aufmerksam sein und sich die Übergänge selbst erfinden. Die Dialoge sind skurril, witzig und anrührend – viele Erscheinungsformen jugendlicher Denk- und Lebensart tauchen auf.
Wirkliches Leben – verzerrt und gespiegelt – ist hier zu erkennen. Eine fesselnde Geschichte, die Leser in ihren Bann zieht.

Wenn im Unterricht ab Klasse 9 das Thema Kriminalroman bearbeitet wird, sollte ‚Operation Mikado’ bei der zu bearbeitenden Auswahl als ein Krimi sein, der sich keines genretypischen Klischees bedient und Leser sehr raffiniert durch die spannende Handlung führt. Man könnte den Titel aber auch zum Thema Adoleszenz anbieten. Es ist (auch) die Geschichte eines Übergangs aus der Kindheit in die Erwachsenenwelt.
Man sollte den Roman Jugendlichen aber auch einfach zu ihrem ganz privaten Lesevergnügen anbieten.
 Vielen könnte Bjarne Reuter schon lange bekannt sein, vielleicht durch seine Kinderbücher: Anna Havanna. Mit Käpt’n Klaps durch die Nacht. Ein Fakir für alle Fälle. So einen wie mich kann man nicht von den Bäumen pflücken, sagt Buster. Nur eine kleine Auswahl.
Wer mit Operation Mikado Reuter kennen lernt, kann weitere Jugendbücher von ihm finden, z.B. Lola und Freiheit ist einen Kampf wert.
Auf den Erwachsenen warten dann unter anderen: Der Museumswärter oder Das Zimthaus oder Am Ende des Tages.

Der 1950 in Dänemark geborene Reuter ist ein sehr produktiver und vielseitiger Autor. Er erreicht mit seinen Geschichten alle Altersgruppen und fesselt seine Leser mit Witz  und / oder Humor. Er schafft Menschen, die vielschichtig sind und zeigen, wie Leben sein kann.

 
(pfn für die AJuM der GEW)

 

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

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