Der LesePeter des Monats September 2020
geht an Ulf Stark & Regina Kehn für das Kinderbuch
„Als ich die Pflaumen des Riesen klaute“
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Ulf und sein bester Freund Bernt sind sich ganz sicher, der alte Oskarsson muss ein gefährlicher Riese sein. Kurz darauf zeigt sich der grimmige Eigenbrötler von einer unerwarteten Seite. Mal spannend, dann komisch, ernst und emotional - dieses Kinderbuch über Freundschaft und Verschiedenheit hat viele Facetten, die eine wunderbare Gesamtkomposition ergeben.

Als ich die Pflaumen des Riesen klaute

Riesengroß, laut und lebensgefährlich - mit diesen Worten beschriebt Ulf den Riesen Oskarsson, der nicht weit entfernt von seinem Haus wohnt. Oskarsson ist ein grimmiger Eigenbrötler und ungewöhnlich groß, es ist daher nicht verwunderlich, wenn sein Erscheinungsbild die Phantasie der Kinder beflügelt. Die Kinder, das sind namentlich Ulf als Ich-Erzähler und sein Freund Bernt, der nach Ulfs Auffassung irgendwie alles weiß. Das weckt bei Ulf einerseits Bewunderung, andererseits fühlt er sich neben Bernt unangenehm klein und dumm, was in manchen Momenten eine Abneigung gegen diesen Aufschneider auslöst. Einzig Ulf kennt die Achillessehne von Bernt, dessen kleine, verwundbare Stelle, die ihn doch nicht so unantastbar macht, wie Ulf ihn wahrnimmt. Durch eine Verkettung ungünstiger Umstände wird den beiden genau dieses geteilte Wissen zum Verhängnis und stellt ihre Freundschaft auf die Probe. Der Wendepunkt in der bis dahin etwas abenteuerlichen, aber erfüllenden Kindheit wird mit einem heftigen Sturm eingeleitet. Die wunderbare Unbeschwertheit aus Kindertagen ist nach dessen Abklingen wie weggeblasen. Nicht nur Ulf, auch seine Mutter durchläuft fortan ein emotionales Tal. Der weitere Verlauf der Erzählung erscheint zunächst eher besorgniserregend und ein guter Ausgang nicht in Sichtweite. Umso überraschender ist am Ende die Lösung, mit der gleich mehrere Probleme beseitigt werden. Ein Happy End, das überzeugt, weil es kein bisschen kitschig und dennoch berührend ist. Die Illustrationen von Regina Kehn passen sich wunderbar dem Text an, stellen einzelne Situationen pointiert dar und wirken trotz reduzierter Farbgebung (zweifarbig) ausgesprochen lebendig. Die Erzählung enthält autobiographische Elemente des Autors Ulf Stark, der bereits 2017 im Alter von 72 Jahren verstorben ist und bleibt dennoch zeitlos aktuell. Die vorhandenen Widersprüche irritieren zunächst und lösen sich letztlich wohltuend auf, wobei die Kombination aus Spannung, Komik und Emotionalität hervorragend gelungen ist. Eine sehr kluge und weise Geschichte über Glück, Freundschaft und übers Verschiedensein. Letztlich ist vieles eine Frage der Perspektive und der eigenen Wahrnehmung.


 

 

zum Autor und zur Illustratorin



 

Ulf Stark

Foto: Caroline Andersson 




 

Regina Kehn

Foto: Susanna Wengeler, BuchMarkt 


(herA für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.  

Ulf Stark & Regina Kehn
Als ich die Pflaumen des Riesen klaute

Stuttgart: Urachhaus 2020
978-3-8251-5222-2
 96 S * 16,00  € * ab 6 J

 
 
 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch     (01/05/09)   (herA)
Jugendbuch     (02/06/10)   (hjo&sk&ba&sd)
Sachbuch     (03/07/11)   (ika)
Bilderbuch     (04/08/12)   (JD&NN&MR)

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel
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