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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

       
Autor:
Baltscheit, Martin,   
Titel:
Der kleine Esel Liebernicht
ISBN:
978-3-7432-0731-8  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Weikert, Claudia
Seitenanzahl:
40
Verlag:
Loewe, Bindlach
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Der kleine Esel Liebernicht
Jahr:
2021
Preis:
14,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Die junge Claire kommt aus der Stadt und übernimmt den malerischen Bauernhof. Dabei hat sie keinen Schimmer, wie man einen Hof führt und das bereitet den Tieren große Sorgen. Doch dann kommt ein kleiner blauer Esel auf die Welt, der Claires Herz im Sturm erobert. Liebernicht nennt sie ihn, denn den Hof will sie nun lieber nicht mehr aufgeben. Diese ist der erste Band zu einer neuen Bilderbuchreihe. Viel Freude damit.
[WS 25 Thüringen]
       
Lesealter:
4 - 5 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Freundschaft / Tiere / Zukunft
       
Beurteilungstext:
Mit diesem warmherzigen Bilderbuch zum Vorlesen über Freundschaft und das unverhoffte Glück, ist tatsächlich ein wunderbarer Anfang geschaffen worden für eine neue Bilderbuchreihe, die dem ersten Band folgen soll. Das himmelblaue Cover mit dem blauen Esel im Zentrum, umgeben von allerlei Bauernhofgetier, strahlt uns an und weckt das Interesse auf mehr. Das leuchtende Blau ruft in uns die Assoziation zu einem Himmel oder auch Wasser auf; alles scheint leicht und unbeschwert. Wir sind neugierig und möchten erfahren, warum der kleine Esel „Liebernicht“ heißt? Will er bestimmte Dinge lieber nicht und das hat zu seinem Namen geführt, oder was hat es damit auf sich? Gleich zu Beginn ist ein Lageplan auf blauem Untergrund von Kathies Hof aufgezeichnet; der Apfelbaum, die Suhle des Schweines, das Hühnerhaus, der Garten, die Scheune, der Karpfenteich und auch das Wohnhaus mit Stall und Scheune sind ersichtlich. Warum auf Blau? Vielleicht weil Claire blauäugig, als Städterin, sich an die Hofübernahme gewagt hat; fernab der Stadt und auch vom Dorf entlegen? Doch zunächst dürfen wir gemeinsam mit den Hoftieren, zu denen ein belesenes Schwein, ein weitgereister Erpel, eine gutmütige Kuh, ein blökendes schwarzes Schaf, ein springendes Zicklein, drei streitende Hühner und eine tragende Eselin gehören, voller Bangen der alten Kathie beim Äpfel pflücken zuschauen und hoffen, dass sie bloß nicht vom Apfelbaum, von der Leiter plumpst. „Menschen werden wackelig, wenn sie alt werden.“, das wissen auch die Tiere. Aber voller Vorfreude sehnen alle den leckeren Apfelkuchen herbei, den Kathie backen wird. Und die „Noch-Hofbesitzerin“ freut sich auf die staunenden Augen der Tiere, wenn sie ihnen den Apfelkuchen servieren wird. Was für ein herrlicher Tag. Was für ein glückliches Leben. Mit viel Feingefühl beschreibt uns dann der Autor, wie Kathie ihr Ende nahen spürt, aber auch dankbar Rückschau hält, was sie mit ihren Händen alles geschafft hat auf diesem wunderbaren Hof, wo sie schon so lange leben durfte. Wir spüren die Wertschätzung gegenüber dem Leben und eine große und dankbare Zufriedenheit. Das ist sehr beispielgebend und zukunftsweisend. Etwas Altes muss enden, damit etwas Neues beginnen kann. Das Alter annehmen, und auch auf das Ende vorbereitet sein und dankbar für das, was man alles hatte. Sehr gekonnt beschrieben. Danke Herr Martin Baltscheit. Und nach einem leckeren Essen, dem Umarmen ihrer geliebten Tiere mit gutgemeinten Ratschlägen, einem letzten Tee und letztem Brief, tritt sie eine letzte Bootsfahrt mit einem alten Freund an. Die Tiere ahnen, dass Kathie nicht mehr zurückkommen wird. Das Schwein ist sich aber sicher, dass immer einer kommt. Und tatsächlich taucht schon bald die Städterin Claire auf, mit einem Cabrio. Wir müssen wiederholt schmunzeln über die Aussagen der Tiere, denn sie beobachten genau, wie sich die junge Frau gibt. „Wer so viel telefoniert, ist bestimmt auch eine gute Bäuerin.“, „Praktisch sind die Schuhe aber nicht. Ohne Gummistiefel wird das nichts und wo sind überhaupt ihre Klamotten?“, und noch viel mehr Überlegungen kommen den besorgten Tieren. Als tatsächlich ein LKW auf den Hof fährt, vermuten die Tiere erst, dass endlich ein Hahn auf den Hof kommt, dann hoffen sie auf Malerarbeiten am Haus. Sie erlauschen, dass alles wegkommen soll und denken, dass vielleicht nur ein Gästezimmer oder Hühnerkloo oder ein neuer Stall für einen Hasen gebaut wird. Der Eselin ist das alles ganz egal, denn sie hat mit eigenen Veränderungen zu tun und dafür braucht sie ihre ganze Kraft. Zum Glück gibt es die gute Linh und die sorgt sich um die Eselin, streichelt, wärmt und füttert sie, lässt den Doktor holen und redet ihr gut zu. Auch diese Szene ist wieder mit viel Warmherzigkeit und Feingespür aufs Papier gebracht. Leider dämmert den Tieren dann bald, dass nicht die Eselin, sondern alle Tiere abgeholt werden sollen und der Hof ein Hotel werden soll. Zum Glück schreitet Linh ein und versperrt kampfbereit dem muskulösen, tätowierten Wolli den Zugang zum Stall. Frau gegen Mann. Wie eine Sumuringerin steht Linh da, während Claire völlig perplex, sichtlich ratlos und überfordert mit ihren spitzen Schuhen eckige Kreise in den Staub läuft. Da ist guter Rat teuer. Der herbeigeeilte Tierarzt unterbricht das ganze Prozetere, denn er braucht bei der Eselin die Hilfe von Claire, im Stall. Sehr einfühlsam redet der Doktor auf den noch Bauchbewohner ein und verheißt ihm eine gute Gesellschaft mit besonders guter Freundesluft, die der zukünftige Vierbeiner sicherlich lieben wird. Die Liebe zum Tier wird deutlich spürbar und Claire lässt sich von dieser Willkommenserwartung anstecken. Entgegen ihrer anfänglichen Einstellung, dass sie eine Stadtmaus ist und sich ein Leben auf dem Land nicht vorstellen kann, wechseln ihre Gefühle nach dem sonderbaren Traum und dann auch noch der eindrucksvollen Geburt des kleinen Esels kolossal. Claire blickt auf das Eselchen und das Eselchen auf Claire. Dabei stellt sie fest, wie wunderschön der kleine Esel ist und der Doktor bemerkt: “Ich glaube, Sie sind gerade Mutter geworden.“. Anstatt Abtransport der Tiere wird Geburtstag gefeiert, und alle Tiere dürfen sich an der Namenswahl beteiligen. Schließlich gibt Pfarrer Mischke ihm den gewählten Namen von Claire. „Willkommen kleiner Esel Liebernicht“, spricht er, denn auch wie der kleine Esel wollte Claire erst nicht kommen und nun ist sie doppelt so gerne hier. Auf das freudige Taufereignis folgt der vereinte Widerstand gegen den fordernden Wolli. Er muss feststellen, wann er verloren hat und legt sich „lieber nicht“ weiter mit den Tieren an. Das Abschlussbild zeigt uns die hoffnungsvollen Tiere, inclusive Claire, Linh und Doktor, die dem Sonnenuntergang unter einem regenbogenfarbigen Himmel für einem Sommer voller Arbeit und Abenteuer entgegen schauen. Das Bild vermittelt sehr viel Optimismus und stellt eine lohnenswerte Zukunft in Aussicht. Man spürt die Verbundenheit, Zufriedenheit, die Tatkraft und auch den Zusammenhalt. Alle gemeinsam wollen und können etwas Besseres für ALLE bewirken. Und wir sind gespannt, was Claire, der kleine Esel Liebernicht, Linh und der Doktor noch für Abenteuer auf dem Hof erleben werden. Bitte, lasst uns nicht zu lange warten. Die Illustrationen bereichern den aussagekräftigen Text und verschmelzen mit den einfühlsamen und warmherzigen Worten. Mimik und Gestik sind deutlich erkennbar. Witz und Komik der Figuren und Situationen sind ersichtlich und tragen beim Betrachten zur Erheiterung bei. Aber auch die Wohlfühl- und Glücksmomente strahlen uns von den bildlichen Szenen entgegen. Bahnt sich da auch eine engere Verbindung zwischen Claire und dem Doktor an? Die Tiere sind realistisch dargestellt, lediglich das belesene Schwein trägt eine Brille auf der Schnauze und ein Buch unter ihrem Vorderbein. Danke für dieses wunderbare Bilderbuch und für hoffentlich viel Bände, die folgen werden.
[WS 25 Thüringen]
  
       

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