AJUM Datenbank
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

       
Autor:
Wignall, Kevin,   
Titel:
When we were lost
ISBN:
978-3-570-31329-9  
Übersetzer:
Wagner, Alexander
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
348
Verlag:
cbj, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
13,00 €   Taschenbuch / Heft / Broschur
       
Inhalt:
Eine ganz normale High School-Klasse besteigt ein Flugzeug nach Costa Rica, um dort an einem Umweltcamp teilzunehmen. Das Football-Team sitzt zuerst, in einem lautstarken Pulk hocken sie zusammen; in den nächsten Reihen tuscheln die beliebtesten Mädels. Hinten sitzen die Unwichtigen in der Klassenrangordnung, die Stillen, die Streber und die Nerds. Alles ist wie immer. Dann stürzt das Flugzeug ab, und die Karten werden neu gemischt.
[SJ 25 Thüringen]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Abenteuer / Spannung / Außenseiter
       
Beurteilungstext:
„19 Teenager und ein Flugzeugabsturz. Wer überlebt? Wer stirbt? Wer wird zum Mörder?“ Diese Fragen auf dem Cover machen schon neugierig auf Kevin Wignalls neuen Roman „When we were lost“, bevor man das Buch überhaupt aufgeschlagen hat. Wignall, bekannter Autor vieler Thriller für Erwachsene, legt hier mit diesem „Young Adult Survival Thriller“ sein erstes Jugendbuch vor. Und schnell merken wir, dass er auch in dem Genre sein Handwerk versteht.
Im Mittelpunkt von „When we were lost“ steht der 17-jährige Tom, der in der Schule schon immer ein Außenseiter war und sich in seiner Rolle fest eingerichtet hat. Die anderen interessieren sich nicht für ihn, umgekehrt ist es genauso. Auch als nach dem Absturz die Jugendlichen verängstigt überlegen, wie sie weiter vorgehen sollen, hat er nicht vor, daran etwas zu ändern. »„Ich glaube, wir sollten besser alle zusammenbleiben, bis die Rettungsmannschaften eintreffen.“ „Du weißt schon, wie in Herr der Fliegen“, fügte Chris hinzu. „Wir sollten alle zusammenbleiben.“ „Genau“, sagte Joel. „Wir müssen uns organisieren.“ Tom nickte und lächelte über Chris´ nicht sonderlich passenden Vergleich. „Organisiert euch nur. Sobald ich jemanden bei euch eintreffen sehe, bin ich wieder zurück.“« (S. 30) Die Anspielung auf Herr der Fliegen ist nun keine Nebensächlichkeit, denn ähnlich wie in dem Klassiker von William Golding bilden sich zwei Anführer heraus, die die Gruppe in zwei Lager spalten. Joel, Sohn eines Politikers und Vorstand des Debattierclubs, reißt schnell das Wort an sich. Die Gruppe wird warten, bis Rettung kommt, bestimmt er. Tom jedoch würde lieber aufbrechen und versuchen, sich in Richtung von Zivilisation durchzuschlagen. Und obwohl er es eigentlich gar nicht vorhat, schließen sich dieser Idee immer mehr Schüler an. Jetzt wird er selbst zu einer Art Anführer, ob er will oder nicht. Nach einer Abstimmung steht fest: Alle brechen in den Dschungel auf.
Wir sind mit dabei und starten in ein Abenteuer, in dem Wignall gekonnt Spannung aufbaut, dabei aber den Handlungsverlauf nie aus den Augen verliert. Es ist nicht so, dass ein Nervenkitzel den nächsten jagt, sondern es ist eher ein Wechselspiel zwischen der Entwicklung der Protagonisten und der fast unwirklichen Herausforderung, im Amazonas-Dschungel zu überleben: Tom erkennt im Verlauf der Geschichte, wie gut es tut, sich für andere einzusetzen und im Gegenzug auch andere an sich ran zu lassen, Ängste und Sorgen zu teilen. Er baut Freundschaften auf zu den anderen und es entwickelt sich sogar eine Beziehung zu seiner Mitschülerin Alice, die aber angenehm und realistisch im Hintergrund bleibt: Überleben ist jetzt die Hauptaufgabe.
Zum Überleben tragen auch entscheidend gerade die Schüler bei, die eigentlich in der Klassenhierarchie unten stehen. Da ist beispielsweise Barney, der unverbesserliche Nerd, er wird schnell zum Berater, „Bastler“ von Wasserfiltern und wichtigen Entwickler anderer Überlebensstrategien. Shen, schüchterner Chirurgensohn, will selbst Arzt werden und hat nun genug Gelegenheit, sein Wissen anzuwenden. Mit den einstigen Außenseitern, die plötzlich wichtig sind (und endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen), nutzt Wignall eine beliebte Grundidee vieler Jugendbücher, die auch hier die Leser*innen sicher freuen wird.
Die Weiterentwicklung der Charaktere ist dabei immer bedingend für den Verlauf der Handlung, das Überleben und Fortkommen der Gruppe. Dass Joel Tom ständig Kontra gibt und in seiner gegensätzlichen Meinung die falschen Entscheidungen trifft, ist ein wichtiger Punkt im Handlungsverlauf. Doch ansonsten gibt es keine Psychospielchen, niemand wird verrückt. Überhaupt taucht Wignall nicht tief in die Gefühlswelt seiner Protagonisten ein, nicht einmal bei Tom, der doch die Erzählperspektive bildet.
Und es besteht auch keine Notwenigkeit dazu in diesem Jugendbuch, das vor allem bei den Jugendlichen und Erwachsenen vielfältigen Anklang finden wird, die auf Spannung, Abenteuer und Survival-Romane stehen. Das Cover, auf dem eine dunkle Rauchsäule aus einem bis zum Horizont reichenden Dschungel aufsteigt und wohl die Absturzstelle des Flugzeugs darstellt, ist in der Hinsicht ebenfalls gelungen.
„When we were lost“ hat eine Altersempfehlung ab 14 Jahren und das ist auch durchaus angemessen. Leichen der Absturzopfer (das Football-Team ist übrigens darunter) werden zwar gesichtet, aber nicht beschrieben. Wie das Cover schon ankündigt, fordert auch der Dschungel Opfer, aber es sind nicht die Hauptprotagonisten, zu denen wir schon eine tiefere Bindung aufgebaut haben könnten. Der Tod ist für die Jugendlichen der Gruppe nunmehr eine schmerzhafte Konsequenz der gefährlichen Umgebung. Wichtig ist jetzt, daraus zu lernen und weitere Gefahren zu erkennen:
„Er ist tot.“ Dann wandte er sich an Barney. „Könnte es eine Viper gewesen sein? Es sieht ganz so aus, als hätte er eine Art Schockzustand erlitten.“ (S. 62)
„Wie können wir hier herumstehen und ruhig miteinander reden, obwohl Naomi tot ist?“ „Wir haben keine andere Wahl, Kate. Wir müssen ruhig bleiben, auszuticken ist keine Option.“ (S. 99)
[SJ 25 Thüringen]
  
       

Für namentlich oder mit Namenskürzel gekennzeichnete Beiträge und Beurteilungen liegt die presserechtliche Verantwortung beim jeweiligen Autor bzw. bei der jeweiligen Autorin.