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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

       
Autor:
Woodward, Antonia,   
Titel:
Noah baut ein großes Boot
ISBN:
978-3-522-30555-6  
Übersetzer:
Scheweling, Nina
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Woodward, Antonia
Seitenanzahl:
30
Verlag:
Thienemann, Stuttgart
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2020
Preis:
13,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Noah ist von Gott auserwählt worden, ein großes Boot zu bauen, in dem seine Familie und von jeder Tierart ein Männchen und ein Weibchen Platz haben. Gott wird eine große Flut schicken und danach mit diesen Menschen und Tieren einen neuen Anfang wagen.
[WS 25 Thüringen]
       
Lesealter:
4 - 5 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Frieden / Geschichte / Liebe / Religion / Zukunft
       
Beurteilungstext:
Die Künstlerin hat mit dieser biblischen Geschichte ein wunderbares Bilderbuch geschaffen, das sehr schön anzuschauen, aber auch kinderfreundlich und sehr gut verständlich geschrieben ist. Die meisten Kinder haben schon einmal etwas von dem großen Boot gehört, auf dem viele Tierpaare für lange Zeit auf dem Wasser unterwegs waren und nicht an Land konnten bzw. im Fernseher einen Film davon gesehen. In christlichen Familien ist dieses Evangelium aus dem Alten Testament sowieso vertrautes Wissen. Es gibt auch in der Buchwelt die unterschiedlichsten Versionen und Ausgaben zu dem Thema. Dieses Buch ist für mich aber besonders, weil es nicht zu kindisch und gekürzt, dennoch aussagekräftig, wahrheitsmäßig genug ist, ohne zu verschrecken. Es ist schon eine traurige Tatsache, dass die Ordnung der Welt so aus den Fugen geraten ist, dass der erzürnte Herrscher eine Flut schicken will, um einen Neubeginn zu starten. Noah, als freundlicher, guter und friedfertiger Mann ist von Gott dazu auserwählt und beauftragt, ein großes Boot zu bauen. Und Noah widerspricht nicht und fertigt mit seiner Familie ein riesengroßes Boot an. Kaum ist die Arbeit beendet, stürmen die Tiere in Paaren herbei, von allen Tieren auf der Welt immer zwei. Und dann begann es zu regnen, viele Tage und das Wasser wurde immer mehr, bis schließlich die gesamte Erde nur noch mit Wasser bedeckt war. Während sich die Handlung immer weiter fortsetzt, dürfen wir begleitend dazu uns an den sehenswerten Illustrationen erfreuen. Die erste Doppelseite strahlt sehr viel Harmonie und Friedfertigkeit aus. Viele Tiere fressen und saufen scheinbar gelassen vor sich hin. Der König der Tiere genießt den Ausblick von seinem Felsplateau aus über das Tal und wirkt sichtlich zufrieden mit der Einträchtigkeit seiner Untertanen. Viel Grün- Zeichen für Hoffnung und verschiedenfarbige Blüten verstärken diesen Ausdruck. Teils wirkt die Landschaft wie aquarelliert. Es gibt keine harten Konturen. Licht und Schatten, die Haltung der Tiere sind gut in Szene gesetzt. Ein aussagekräftiger Satz und dann dieses wirkungsvolle Stimmungsbild dazu, sehr lobenswert und auf den Punkt gebracht. So setzt sich die Symbiose zwischen Text und Bild weiterhin fort. Beispielsweise auf der nächsten Doppelseite können wir bestens durch die gekonnte Darstellung von Mimik und Gestik das Gezänk, Geheule und Gestreite förmlich spüren. Trister und grauer Hintergrund dazu unterstreicht die Missstimmung zwischen den Menschen. Dem möchte Gott ein Ende setzen. Der gute, freundliche und friedfertige Noah ist von Gott auserwählt dazu, eine Veränderung mitzubewirken. Noah steht wie in einem Lichtkreis, liebevoll ein Zebra fütternd. Als das große Boot fertiggestellt ist, kommen die Tierpaare in ihrer Vielfalt angerannt. Die Szene ist auch wieder so deutlich vorstellbar: Die Tiere rasen, als ginge es um Leben und Tod und tatsächlich ist es auch so – die Zeit drängt und sie wollen auf dem Boot noch einen Platz erwischen und mit dem Leben davon kommen, bevor die Flut einsetzt. Man kann das Gewirr aus Tierlauten, Hufgetrappel, Hetzen und Hechten, Flügelschlagen und Rasen der Heranstürmenden förmlich spüren. Die Kinder bekommen eine überschaubare Tierauswahl zu bestaunen. Es bereitet ihnen Freude, die Tiere zu benennen und es bietet sich auch an mit ihnen zu überlegen, welche Tiere denn noch fehlen / welche Tiere auch gerettet wurden, aber hier nicht sichtbar sind. Die Künstlerin hat den Anstieg des Wassers mit dem schwimmenden Boot in vier rechteckigen Folgebildern sehr deutlich und ansprechend gemalt. Dazu verdunkelt sich der Himmel von Bild eins bis Bild vier zusehends. Das Getier im schwimmenden Gewässer wird größer und größer, weil die Wassertiefe zunehmend ist. So lassen sich diese Bilder sehr gut vergleichen und beschreiben. Mit dem Betreten der neuen Erde von den Tieren und Noahs Familie, nach der Flut, bietet sich dem Leser wieder ein harmonisches und friedliches Stimmungsbild dar. Ähnlich der Ansicht von der anfänglichen Doppelseite, verweilen die Tiere wieder in völliger Eintracht. Saftige grüne Weiden, Wasserstellen, Baum- und Blütenpracht, Wasserfall, Berg und Tal – es scheint alles vollkommen für eine neue Zukunft. Und Gott verspricht, dass er nie wieder die Erde mit so viel Wasser bedecken wird. Zum Zeichen dafür hat er den Regenbogen gesetzt. „Und das Leben begann von vorn.“. Dazu ist eine Pusteblume gemalt. Das finde ich so schön aussagekräftig: Die kleinen Schirmchen des Löwenzahns fliegen fort, verteilen sich in der Ferne und wo sie landen kann neuer Löwenzahn wachsen. Ein immer wiederkehrender Kreislauf. Ebenso sehr symbolischen Charakter hat der Regenbogen: Er steht für Hoffnung, für Verbindung, für eine Vielfalt. Mit seinem Erscheinen, das nur kurzfristig ist, lässt er uns immer wieder staunen und dankbar erkennen, das „nach jedem Regen auch Sonnenschein“ folgt, „nach jedem Dunkel auch ein Licht kommt“. Und gerade jetzt, in der Corona-Zeit, war er als Fensterbild etc. weltweit ein hoffnungsvoller Anblick und eine spürbare Verbindung zwischen den Menschen, ohne Worte. Das Bilderbuch gefällt den Kindern sehr und hat in seiner Aktualität und Aussagekraft weiterhin einen hohen Stellenwert. Danke
[WS 25 Thüringen]
  
       

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