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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

       
Autor:
Nielsen, Susin,   
Titel:
Adresse unbekannt
ISBN:
978-3-8251-5226-0  
Übersetzer:
Herre, Anja
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Mechanic, Leslie
Seitenanzahl:
284
Verlag:
Urachhaus, Stuttgart
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
18,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Felix und seine Mutter Astrid leben schon seit Monaten in einem alten VW-Bus. „Das wird schon wieder“, sagt die Mutter. „Nur kurz, bis ich wieder auf die Beine komme und einen neuen Job finde.“ Doch was wie ein Sommerabenteuer beginnt, wird zur Dauernotlösung und Felix fängt an, sich zu fragen, ob sie nicht tatsächlich obdachlos sind.
[Alexandra Ritter 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
8 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Arbeitswelt / Beruf / Arbeitslosigkeit / Außenseiter / Familie
       
Beurteilungstext:
Felix und seine Mutter, die etwas exzentrische Astrid, kamen eigentlich immer gut zurecht. Doch dann beginnt ihre Pechsträhne mit den Wohnungen. Ihre Eigentumswohnung, in der sie so glücklich waren, muss saniert werden und ist nicht mehr zu halten. So ziehen sie in eine kleinere Wohnung. Als sie auch dort die Miete nicht mehr zahlen können, in eine Kellerwohnung und schließlich, als Astrid ihren Job verliert, in den alten VW-Bus des Ex-Freundes. Am Anfang fühlt es sich wie ein Abenteuer an, aber zunehmend wird das Geld knapper, die Freunde wenden sich von Astrid ab und keiner ist da, der ihnen helfen könnte. Die Mutter ist zu stolz, um sich an ein Amt zu wenden und so versucht sie, sich und ihren Sohn irgendwie durchzubringen. Doch als Felix auf eine neue Schule mit Französisch-Intensivkurs geht und auch seinen alten Freund Dylan wiederfindet, merkt er, dass bei ihnen doch etwas nicht stimmt. Sind sie vielleicht obdachlos?
Susin Nielsen lässt Felix seine Geschichte in Form einer Rückblende erzählen und baut so geschickt Spannung auf. Detailliert berichtet der 12-Jährige von seiner Situation und von der schleichenden Erkenntnis, dass seine Mutter sie beide wohl doch nicht mehr aus dieser Lage befreien kann. Er wird selbst initiativ und bewirbt sich bei einer Quizshow, weil er hofft, mit dem Preisgeld ihre Situation verbessern zu können. Soviel sei verraten: Es kommt am Ende doch anders als gedacht.
Die Hauptfigur selbst wirkt sehr authentisch und unheimlich reflektiert. Aus seinen Schilderungen wird klar, mit wie viel Scham und Schuld die Situation im Bus einhergeht. Immer wieder sind verschiedene Arten von Lügen nötig, die er kategorisiert, denn es gibt einen Unterschied zwischen Tut-keinem-weh-Lügen und Gib-deinen-Frieden-Lügen. Doch irgendwann hat Felix auch die Nase voll vom Lügen und weiht seine Freunde ein. So nimmt die Geschichte ihren Lauf. Sie zeigt, wie schnell Menschen in Abwärtsspiralen und schwierige Situationen geraten können und wie schwer es ist, wieder herauszufinden. Das liegt nicht immer allein an den Menschen selbst. Das macht die Autorin in diesem Kinderroman auch klar.
Das Buch ist fesselnd in kurzen Kapiteln geschrieben. Jedes Kapitel zeigt an der Vignette an, wo sich die Figuren gerade befinden, im Bus oder auf der Polizeistation. Das Buch wurde bereits mit dem LUCHS der Zeit und Radio Bremen ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Sehr zu empfehlen.
[Alexandra Ritter 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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