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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

       
Autor:
Dreis, Stella,   
Titel:
Der Bärenvogelschatz
ISBN:
978-3-7074-5216-7  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Dreis, Stella
Seitenanzahl:
40
Verlag:
G&G, Wien
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
18,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Der kleine Bär ist ein Schatzfinder, doch kaum jemand hat Zeit für seine wunderbaren Entdeckungen. Zum Glück findet er nun seinen besten Schatz...
[mr 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
6 - 9 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Freundschaft / Komik / Humor / Abenteuer
       
Beurteilungstext:
Voller Begeisterung berichtet der kleine Bär den Tieren des Waldes von seinen tollen Schatzfünden: eine Feder, eine Wolke, ein Zauberstock, eine Wäscheklammer... Das begeistert den Bären über alle Maßen. Doch die anderen Tiere sind eher genervt und lassen den Bären stehen. Traurig verstummt der, bis er selbst gefunden wird: von einem frechen kleinen Vogel, der mit ihm auf Schatzsuche gehen möchte. Nun sind sie zu zweit unterwegs und finden unendlich viele Sachen. Schließlich muss der Bär aber feststellen, dass der beste Fund dann doch der Vogel selbst ist; ein Freund fürs Leben, wie die Abschlussbilder anschaulich vorführen.
Stella Dreis erzählt hier eine heiter-federleichte Freundschaftsgeschichte mit poetischem Grundton. In der Figur des Bären wird die kindliche Ausgelassenheit greifbar, aber auch die so oft erlebbare Diskrepanz zwischen unmittelbarer eigener Begeisterung und den Alltagsvollzüge der Anderen. Dass die Begeisterung für die Dinge des Alltags dann kein Selbstzweck ist, sondern Medium einer beginnenden Freundschaft zwischen dem Bär und dem Vogel wird eindrücklich in den gemeinsamen Szenen und dem Abschluss des Buches vor Augen geführt.
Stella Dreis setzt diese zentrale Botschaft in Bildern und Texten um, wobei der Erzählbericht nicht nur durch wörtliche Rede szenisch durchbrochen ist, sondern auch immer an der Grenze zur erlebten Rede changiert. Das wird auch typografisch hervorgehoben, indem der in klassischer Garamond gedruckte Text bei besonders emotional oder ideell betonten Worten in eine Handschrift übergeht, die phasenweise das gesamte Schriftbild übernimmt. Dabei wechseln sich Bilder und Texte auch ab, die Handlung darzustellen – bis dahin dass der Text oder die Bilder doppelseitenweise (fast) ganz entfallen. Die Bilder sind feingliedrige Stiftzeichnungen mit flächiger Grundierung, die in Sepiafarben gehalten sind und weich ihre Flächen und fließend Übergänge zeigen, punktuell aber auch detailgenau die Figuren und Gegenstände ausarbeiten. Sie geben der Geschichte eine phantastisch-traumartigen Grundton, der durch literarische Referenzen – zum Beispiel zu Alice im Wunderland – betont wird.
Das vorliegende Bilderbuch stellt sich als aufwendig und sensibel-poetisch erzählte Freundschaftsgeschichte dar. Dabei schafft es Stella Dreis, trotz der einfühlsamen Darstellung die Grenzen zum Kitsch immer zu wahren. Das überzeugt und sei daher an dieser Stelle mit Nachdruck empfohlen.

Michael Ritter
[mr 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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