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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

       
Autor:
Clément, Frédéric,   
Titel:
Verführungskünstler. Wie Tiere zueinander finden
ISBN:
978-3-95728-078-7  
Übersetzer:
Pasquay, Sarah
Originalsprache:
Französisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
40
Verlag:
Knesebeck, München
Gattung:
Sachliteratur / Sachbilderbuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Das ästhetische ansprechende Sachbilderbuch thematisiert verschiedene Tiere und ihre Strategien, vor der Paarung aufeinander aufmerksam zu machen.
[mr 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
8 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Sexualität / Sexualaufklärung / Tiere
       
Beurteilungstext:
Unweigerlich gehört die Paarung zu den elementaren Bedürfnissen aller tierischen Lebewesen. Gleichzeitig unterscheidet das Paarungsverhalten Menschen und Tiere ganz grundlegend voneinander. Wer nun aber denkt, es ginge da nur um Funktionalität, hat sich gewaltig getäuscht. Die Strategien der Tiere, aufeinander aufmerksam zu machen, sind vielfältig und faszinierend. Davon berichtet das vorliegende Sachbilderbuch.
Vorgestellt werden acht Tiere ganz unterschiedlicher Art, Größe und Lebensräume. Ihnen sind eine oder mehrere Doppelseiten gewidmet, auf denen wie auf einer Bühne erzählt wird, wie sich Männlein und Weiblein aufeinander aufmerksam machen und sich gegenseitig auswählen. Der Paarungsakt selbst ist dann in aller Regel ausgespart, hier wird bestenfalls angedeutet, was danach folgt.
Auffällig ist die besondere Darstellung. Die Texte haben eher erzählenden Charakter und stellen jeweils eine Szene dar, in der eine Verführung stattfindet. Mit viel Phantasie, Humor und direkter Leseransprache werden wir Lesenden hineingeholt in eine Interaktion, die mitunter kurios, faszinierend, erotisch oder anzüglich wirkt, ohne jemals Grenzen der Angemessenheit zu überschreiten. Verstärkt wird der performative Charakter durch die Einleitungen und Übergänge, die von einer Zirkusstimme begleitet werden. So werden alle Tiere wie auf einer Bühne vorgestellt und die Lesenden werden zuerst einmal hineingerufen in das Theater, das sich dann vor Ihnen zeigt. Mitunter werden auch Zitate und Referenzen eingestreut, z.B. beim Pfau ein Auszug aus Ovids Metamorphosen oder ein Haiku beim auch in Japan bekannten Leuchtkäfer.
Die großformatigen Bilder überspannen in der Regel zwei Drittel jeder Doppelseite. Auf ihnen werden die Szenen dann eher naturalistisch ausgearbeitet und auch in Naturszenen kontextualisiert. Die Bilder verbinden malerische Elemente, die zum Teil sehr detailgenau ausgearbeitet wurden, abstraktere Muster und fotografische Realprodukte wie Feder und Kugeln in Collagen und erzeugen einen sehr authentischen Charakter. Gleichwohl bleibt auch hier die Szene eine Bühne. So bilden Texte und Bilder eine Einheit.
Das vorliegende Bilderbuch fasziniert aufgrund seiner innovativen sprachlichen Gestaltung und der ästhetisch ansprechenden Bilder als Gesamtkonzeption und ist nachdrücklich zu empfehlen.

Michael Ritter
[mr 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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