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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

       
Autor:
Lewis, Gill,   
Titel:
Der Klang der Freiheit
ISBN:
978-3-8458-2601-1  
Übersetzer:
Mumot, André
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Weaver, Jo
Seitenanzahl:
96
Verlag:
arsEdition, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
10,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Ein Boot mitten auf dem Meer, mitten in der Nacht. Und ein Junge mit einer Geige.
[anfe 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
8 - 15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Flucht / Musik / Freundschaft / Fremde Kulturen
       
Beurteilungstext:
Eine bunte Gruppe an Menschen ist mitten in der Nacht auf einem kleinen Boot auf dem Meer gefangen. Der Motor ist ausgefallen, die Stimmung am Tiefpunkt. Und doch werden aus den Fremden bis zum neuen Morgen Freunde. Alles beginnt mit Rami, der, anstatt Proviant beizusteuern, seine Geige auspackt und anfängt, mit seinen Melodien Geschichten aus der Heimat zu erzählen, die die Menschen hinter sich gelassen haben: Liebesgeschichten, Geschichten vom bunten Markttreiben, aber vor allem die eine große Geschichte vom weißen Hengst, der, als Fohlen fast erfroren, zum Beginn eines neuen Zeitalters beiträgt. Fasziniert von Ramis Erzählungen werden die Flüchtlinge im Boot geeint, denn: Ramis Geschichten sind ihrer aller Geschichten.
Die Autorin Gill Lewis beschreibt in ihrem Buch „Der Klang der Freiheit“ eine Flucht im doppelten Sinn: Rami und die Menschen in dem Boot fliehen aus ihrer Heimat. Und sie fliehen durch Ramis Geschichten aus der bedrückenden Nacht. Beginnt die Geschichte mit einem irritierenden Rückblick und den verworrenen Gedanken des Protagonisten, die durch eine geschwungene Typografie verbildlicht werden, zieht der lyrische Sprachstil die Leser*innen schnell in seinen Bann. So gelingt es Lewis, die intensiven Gefühle der unterschiedlichen Situationen zu beschreiben. Als Leser*in vergisst man, genau wie die Menschen im Boot, die bedrohliche Situation auf dem Meer und verliert sich in der sagenhaften Geschichte des weißen Pferdes, die von der Erzählung der Geschehnisse auf dem Boot gerahmt wird.
Die anfänglich bedrückende Stimmung wird auch durch die monochromen Illustrationen von Jo Weaver getragen. In dunklen Petroltönen wirken die flächig gestalteten Szenen mit dem winzigen Boot auf dem weiten Meer bedrohlich und düster. Durch die Abstufung der Intensität des Farbtons werden die Stimmungen der einzelnen Szenen im gesamten Buch unterstrichen, z.B. die verblassenden Erinnerungen der Menschen im Boot. Dabei wird der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Erzählungen im Buch auch in der Variation des Bild-Text-Verhältnisses deutlich: kreisrunde Ausschnitte für die Erinnerungen, den Text rahmende oder hinterlegende Bildelemente, die detaillierte Darstellung nur eines für die Szene wichtigen Gegenstandes, illustrierte Doppelseiten ohne Text. Weaver schafft es so, mit nur einem Farbton die gesamte Erzählung lebendig und eindrücklich zu illustrieren. Einziger Wermutstropfen ist dabei das Cover: Ein aus Noten geformter Pferdekopf vor dem Sternenhimmel der Nacht wirkt im Vergleich zu den sonst eindringlich tiefsinnigen Illustrationen unpassend sentimental und deplatziert, auch weil das Farbschema durch zusätzliche Blautöne gebrochen wird.
„Der Klang der Freiheit“ hallt dennoch lange nach, vor allem auf Grund des Funkens Hoffnung, den die Menschen zum Ende der Geschichte verspüren. Ein sehr empfehlenswertes Buch!
Anneliese Feilcke
[anfe 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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