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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

       
Autor:
Angel, Frauke,   
Titel:
Geht ab wie Schmitz´Katze
ISBN:
978-3-943833-21-8  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Brittnacher, Stephanie
Seitenanzahl:
70
Verlag:
Edition Pastorenplatz, Aachen
Gattung:
Erstlesebuch
Reihe:
Jahr:
2018
Preis:
16,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
„Alles fing damit an, dass Schmitz´ Katze zum Frühstück in die Küche gekotzt hat.“
[jodi 23 Sachsen-Anhalt]
       
Lesealter:
4 - 11 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Hausarbeit / Streik / Mutter / Vater
       
Beurteilungstext:
Das Erstlesebuch „Geht ab wie Schmitz´ Katze“ ist unterteilt in neun Kapitel, die jeweils mit ausgeschriebenen Zahlen in gelber Farbe beschriftet sind. Auslöser der turbulenten Erzählung rund um die Ereignisse mit Familie Schmitz ist deren Katze, die auf den Boden würgt. Ein ganz normaler Morgen eigentlich. Der Vater trinkt seinen Kaffee, die Zwillinge heulen, der Junge schlurft mit seinen Pantoffeln in die Küche und Mama wischt die Sauerei auf. Eine falsche Bemerkung des Vaters und plötzlich dreht die Mutter durch. Sie „geht ab wie Schmitz´ Katze“. Mama schreit, wirft Geschirr um sich und verschwindet schließlich aus dem Haus. Dieses sonderbare Verhalten schockiert alle Familienmitglieder, sind sie dies von der Mutter doch sonst nicht gewohnt. Mit einem Liegestuhl setzt sich Mama ins Hortensien-Beet, stellt ein Schild mit den Worten „Mutter im Streik!“ auf und überreicht einen Brief mit Forderungen an ihre Familie. Ab sofort zeltet sie im Vorgarten - solange bis Mann und Kinder bereit sind, ihr Verhalten zu ändern, selbstständiger und hilfsbereiter zu werden und ihre Versprechungen schriftlich festzuhalten. Der Streik der Mutter weckt nicht nur die Aufmerksamkeit der Nachbarn, sondern auch der Presse. Bald gesellen sich Nachahmer hinzu. Marie-Helenes Papa ist alleinerziehend und sieht sich mit seinen Arbeiten ebenfalls überfordert. Genau wie Frau Grawunder, einer Witwe, die mit der Teilnahme eine gelungene Abwechslung findet.
Ohne Mama gestaltet sich der Alltag nun viel schwieriger. Das Chaos herrscht im Haus. Am eigenen Leib müssen alle erfahren, wie anspruchsvoll und mühsam Mamas Job bisher war. Gelingt es den Schmitz´, ihre Mutter zum Zurückkehren zu bewegen?
Der Protagonist ist ein Junge im Schulalter, der als Ich-Erzähler die Begebenheiten schildert. Der Text hat dabei besonders prägnante Form. Mit kurzen, einfachen Sätzen und Ellipsen wird der Gedankenstrom des Kindes abgebildet. Dieses beschreibt ganz reduziert die Geschehnisse, ergänzt diese durch seine Erklärungen und Deutungen und reagiert auf das merkwürdige Verhalten seiner Mutter meist mit einem ungläubigen „Wow“. Durch den Sprachstil entsteht die herausragende Komik, die das durchaus ernste Thema mit einem Augenzwinkern verarbeitet, wie das Beispiel am Frühstückstisch zeigt: „Widersprechen hat keinen Sinn. Jedenfalls nicht morgens. Da hat Papa noch keine Nerven. Auch nicht abends. Da hat Papa keine Nerven mehr. Manchmal versuche ich es sonntagnachmittags. Aber meistens schläft Papa dann. Denn das ist gut für die Nerven." (S. 4) Mit Sprachspielen wie „Aber Mama kocht trotzdem. Vor Wut." (S. 9) und Wortneuschöpfungen wie „Ich rechne und schreibe und ethike wie verrückt." (S.11) gibt es viele Gelegenheiten zum Lachen.
Die Illustrationen wurden mit schwarzem Buntstift auf grauem, strukturiertem Papier gezeichnet und collagenartig auf helleren Untergrund eingefügt. Einzelne farbliche Akzente werden nur gesetzt, indem Gegenstände gelb koloriert sind. Auf nahezu jedem Bild wird Schmitz´ Katze gezeigt oder verschiedene Bezüge zu ihr abgebildet. Die tatsächlich handelnden Figuren der Geschichte werden nur angedeutet. Die Katze zeigt sich insgesamt von den Geschehnissen unbeeindruckt, was in diesem Text-Bild-Verhältnis kontrapunktisch zur rasanten Erzählung steht.
Das Buch ist eine Hommage an alle Mütter und Väter, die den Haushalt bisher alleine stemmen. Mit der plötzlichen Emanzipation – denn manchmal bringt ein Ereignis das Fass zum Überlaufen – schafft die Geschichte ein Bewusstsein für die Arbeit im Haushalt und die Wertschätzung, die sie verdient. Vermittelt wird auf humorvolle Art, dass jeder in seinem Rahmen bei den häuslichen Pflichten anpacken sollte, damit der Haussegen nicht mehr schief hängt.
[jodi 23 Sachsen-Anhalt]
  
       

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