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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Alexandra Ritter, Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt am Main

       
Autor:
Thomas, Angie,   
Titel:
Concrete Rose
ISBN:
978-3-570-16605-5  
Übersetzer:
Zeltner-Shane, Henriette
Originalsprache:
Amerikanisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
414
Verlag:
cbj, München
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2021
Preis:
20,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Maverick ist 17 Jahre und lebt in einem überwiegend von Schwarzen bewohnten amerikanischen Problemviertel.
Sein Vater ist seit zehn Jahren im Gefängnis und seine Mutter muss zwei Jobs machen, damit sie ihr tägliches Leben sichern können.
Die Struktur des Viertels besteht aus verschiedenen Gangs, die wiederum jeweils in strenge hierarchische Ordnungen unterteilt sind. Ein Überleben ist für Maverick nur möglich, wenn er sich einfügt, denn er erhält im Gegenzug einen gewissen Schutz durch seine Gang. Doch nachdem er unerwartet Vater wird, bricht seine mühsam aufrecht gehaltene Ordnung für ihn zusammen. Er möchte kein Drogendealer, Schulabbrecher, Lügner, „Mamaschmarotzer“ - sprich Looser für sein Kind sein. Doch die Umstände als alleinerziehender Vater, Schüler und Jobber zwingen ihn fast in die Knie. An einem Scheideweg steht er, nachdem er ein zweites Mal Vater wird, sein „Brudervetter“ erschossen wird und er plötzlich weiß, wer der Mörder ist. Seine Entscheidung ist nun: Verantwortung für sich und seine Familie zu übernehmen oder, wie es die Ehre verlangt, Rache zu üben.
[KaCr 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
16 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Außenseiter / Familie / Freundschaft / Gewalt
       
Beurteilungstext:
Bei diesem Jugendroman handelt es sich um ein gebundenes, 414 Seiten umfassendes Buch.
Dieses Buch nimmt den/die Leser/in mit in eine Welt, die völlig eigene Strukturen hat. Sprüche, wie z.B.: „Jeder ist seines Glückes Schmied“, stimmen da nur sehr bedingt. Die Autorin zeigt Zwänge auf, die auch jungen Menschen sofort die Einsicht aufdrängt, dass die Folgen der zum Teil erzwungenen Handlungen zu keinem guten Ende führen können. Das Fatale an der Situation von Maverick ist jedoch, dass es auch zu einem schrecklichen Ende führt, wenn er sich z. B. gegen das Drogendealen oder die „kriminellen Schulungen“, wie Erpressung, Gewalttaten, Diebstahl usw., stellt. Maverick ist auf seine Gruppe angewiesen, die ihm ein Zugehörigkeitsgefühl und Schutz gegenüber konkurrierenden Gruppen gewährt. Gut gefällt mir, dass es der Autorin gelingt, die moralische Gesinnung des gerade 17-jährigen Jungen darzustellen und bestehende eigene Vorurteile in Frage stellt. Einerseits erkennt der/die Leser/in das Dilemma des Jungen, dass es ihm fast unmöglich ist, sich ein Leben mit Chancen in der Gesellschaft außerhalb seiner Schicht aufzubauen, da er dann fast Übermenschliches leisten müsste. So stände es an, seinen Job zu machen, seinen Schulabschluss zu erlangen, sein drei Monate altes Baby alleine zu versorgen und den Forderungen seiner Gang und seiner Familie nachkommen. Weiterhin wären da noch seine völlig normalen Bedürfnisse als Jugendlicher, wie „Party machen“, „abhängen“ und Partnerschaft, die auch noch befriedigt werden wollen.
Das sehr fragile Konstrukt seines Lebens bricht regelrecht zusammen, nachdem sein Vetter und gleichzeitig bester Freund, ermordet wird und er den Mörder entlarvt und gleichzeitig erfährt, dass seine große Liebe schwanger von ihm ist. Zu seinen vielen Problemen kommen also nun noch die große eigene Wut und Verzweiflung, die Erwartung der Gang Rache zu nehmen und die moralische Verpflichtung, sich auch noch um ein zweites Kind zu kümmern, dazu.
Ich fühlte mich an diesem Punkt kaum selbst noch dazu in der Lage, auch nur einen winzigen Hoffnungsschimmer für Maverick zu sehen. Doch der Autorin gelingt es diesen Hoffnungsfunken in realistischer Form zu schüren. Der Junge drückt den Revolver im entscheidenden Moment nicht ab und entscheidet sich für seine Familie. Maverick entscheidet sich für den angebotenen Ganztagsjob und die Abendkurse, damit er den Schulabschluss doch noch schafft. Die Frau seines Chefs ist bereit auf seinen Sohn aufzupassen, seine Freundin und er können bei seiner Mutter wohnen bleiben und sein inhaftierter Vater zollt ihm Respekt für seine Entscheidung. Besonders als Mensch mit Lebenserfahrung, erkennt man die noch zu erwartenden Hürden in Mavericks Zukunft sehr deutlich. Damit die Gang ihn freigibt, muss er neben starker Durchsetzungskraft auch einen großen Geldbetrag leisten, über den er aber nicht verfügt. Weiterhin müssen seine Wünsche ganz weit hinten angestellt werden und die nötige Kraft und Ausdauer seine Ziele zu erreichen muss sehr, sehr groß sein.
Sehr positiv finde ich, dass die Autorin es der Phantasie des Lesers/in überlässt, ob es ein „happy end“ geben kann. Anfänglich empfand ich das Lesen dieses Buches als anstrengend, da die Sprache der Akteure realistisch vermittelt wird und sehr viele umgangssprachliche Begriffe des Milieus verwendet werden. Ganze acht Seiten sind im Anhang mit Begriffserklärungen gefüllt, die auch wirklich gebraucht werden. Doch die Geschichte nimmt einen wirklich mit und hat einen guten Spannungsbogen. Der Einblick in diese doch für die meisten Menschen fremde Welt ist aus meiner Sicht gut gelungen und daher lautet mein Fazit: sehr empfehlenswert.
[KaCr 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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