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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

       
Autor:
Scott, Ceylan,   
Titel:
Auf einer Skala von 1 bis 10
ISBN:
978-3-551-52111-8  
Übersetzer:
Schäfer, Beate
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Seitenanzahl:
256
Verlag:
Carlsen, Hamburg
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Die 16-jährige Tamar gibt sich die Schuld am Tod ihrer Freundin. Diese Schuld reißt sie wie ein Strudel in den Abgrund des Selbsthasses und der Selbstmordgedanken. Ihre Zeit in Lime Grove, einer geschlossenen Jugendpsychiatrie, verstärkt die innere Dunkelheit, bis sie über den letzten Tag mit Iris reden kann.
[Han 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Psychische Krankheit, Freundschaft, Suizid
       
Beurteilungstext:
„Auf einer Skala von 1 bis 10” ist der Debütroman der britischen Autorin Ceylan Scott, die als Jugendliche selbst in einer Klinik war.
Dr. Flores stellt beharrlich die immer gleiche Frage: Wie fühlst du dich, auf einer Skala von 1 bis 10?
Tamar antwortet mit Wut, Ablehnung oder Sarkasmus und will nicht über Iris reden, nicht erzählen, was an dem letzten Abend passiert ist. Sie ist davon überzeugt ein böser Mensch, eine Mörderin zu sein. Ihr inneres Monster lässt keine Entschuldigung zu, nur Selbsthass und den eigenen Tod als Sühne. Ihre Arme sind von roten Narben durchkreuzt, die Schmerzen der Schnitte sind das Einzige, was sie spüren kann.
In der psychiatrischen Klinik wird sie eins zu eins überwacht und niemand dringt zu ihr durch. Nicht mal die jugendlichen Mitinsassen wissen, welche Schuld sie trägt. Dennoch entstehen zwischen den jugendlichen Patienten innige Beziehungen, die die Umgebung vergessen lässt. Selbstverletzungen, manische Depressionen, Borderline, Suizid, Magersucht, das sind Etiketten, die sich Tamar wünscht, um das innere Monster zu vernichten.
Die Autorin wählt eine Sprache ohne Pathos und mit viel Sympathie für ihre Heldin. Sie schildert ihre selbstzerstörerische Kraft in bildhafter Sprache und beschreibt den Klinikalltag gleichermaßen fesselnd und erschütternd.
Aus der Ich-Perspektive erzählt, hat der Lesende direkten Einblick in das kaputte Selbstbild und sieht ihr quasi beim Zusammenbruch zu.
Die Gliederung in VORHER und JETZT macht ein wesentliches Spannungsmoment des Romans aus. Denn erst zum Schluss wird der Tod von Iris aufgeklärt.
Im Anhang werden Adressen und Kontakte zu Hilfsangeboten für Jugendliche in Notsituationen aufgeführt.
Ein feinfühliger Roman aus der Jugendpsychatrie sensibilisiert für die kaputten Seelen psychischer Krankheiten.
Empfehlenswert ab 14 Jahre und für alle, die mit Menschen in psychischen Notlagen zu tun haben.
[Han 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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