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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

       
Autor:
Temple, Kate & Jol / Baynton, Terri Rose,   
Titel:
(K)ein Platz für uns
ISBN:
978-3-219-11793-6  
Übersetzer:
Stratthaus, Bernd
Originalsprache:
Englisch
Illustrator:
Baynton, Terri Rose
Seitenanzahl:
40
Verlag:
Betz Annette, Berlin
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
14,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Das wirklich Neue und Besondere des Buches macht sich erst am Ende deutlich. Man kann die Geschichte nämlich auch von hinten nach vorn blättern und erhält eine ebenfalls stimmige und doch ganz andere Sichtweise der Situation. Klasse gemacht!
[uhb 18 Niedersachsen]
       
Lesealter:
8 - 13 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
       
Beurteilungstext:
Nein, dieser Inselfelsen ist leider schon besetzt. Ihr könnt hier nicht anlanden, bleiben schon gar nicht! Das ist unser Platz! - So verdrängen die drei Robben alles andere Getier, angefangen von Seestern über Krabben und Möwen bis zu den Artgenossen. Verbeißen in heißt das wohl. Eine ziemlich traurige Geschichte für alle Ausgeschlossenen.
Der Text auf den quer-formatigen Bildern ist jeweils ziemlich kurz und wirkt ein bisschen gestelzt. Den Grund dafür finden wir am Ende des Buches, denn da werden wir tatsächlich aufgefordert, das Buch doch noch einmal anzuschauen und (vor-) zu lesen. Diesmal jedoch hinten zu beginnen und die Seiten von links nach rechts umzublättern. Wir haben es nicht gesehen, nicht vermutet, nicht verstanden: Es entsteht eine vollkommen stimmige Geschichte durch den Text wie durch die Bilder. Und es ist eine völlig andere.

Wir kennen es vielleicht durch Doppel- oder Umkehrbilder (man schaue einmal bei Dalí nach), die Entsprechendes zur Überraschung anbieten. Von vorn gelesen, ist das K nicht in Klammern gesetzt: Kein Platz für uns - sagen die Abgewiesenen. Von hinten nach vorn gelesen heißt das: Ein Platz für uns. Mit wir, das muss man noch ergänzen, sind die gemeint, die vor einer Katastrophe im Meer fliehen.
Klimaveränderungen kann man leugnen, wenn man genug Ignoranz mitbringt. Mitmenschlichkeit muss man aber bringen - und wenn es die Robben sind, die es vormachen.

Die Bilder sind möglichst einfach gehalten und bieten nicht viele Einzelheiten. Damit wird (auch) das Lese- / Schaualter heruntergesetzt. Im Meer ist immer viel Bewegung, Krümmung von Welle oder Robbenkörper, an Land wird Vieles mit horizontalen Linien bestimmt. Felsplatten könnte man meinen, aber es symbolisiert auch eine Art von Beharrlichkeit oder Konservatismus, der Bewegungen nicht mag. Das ist auf vielen der Bilder zu beobachten, wenn man erst einmal seinen Blick darauf gelenkt hat. Die Robben nehmen sogar eine Delfin-Haltung ein, also einen doppelten Bogen, oder sie sind in der Not nur noch schemenhafte Abbildungen, zeigen mit einer Art von krampfhaften und gegenläufig suchenden Körpern, dass sie fliehen müssen vor einer Katastrophe. Aber wie? Aber wohin?

Man muss nicht über-interpretieren. Immerhin deutet sich mehr an als eine geradlinige Geschichte, die schon durch die Gegenläufigkeit überraschend genug ist.

[uhb 18 Niedersachsen]
  
       

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