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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, c/o Ulrich H. Baselau, Osterstr. 30, 26409 Wittmund

       
Autor:
Gnehm, Matthias,   
Titel:
Salzhunger
ISBN:
978-3-03731-186-8  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Gnehm, Matthias
Seitenanzahl:
224
Verlag:
Edition Moderne, Zürich
Gattung:
Thriller
Reihe:
Jahr:
2019
Preis:
32,00 €   Broschur
       
Inhalt:
Umweltaktivisten kämpfen in der Graphic Novel gegen einen Ölmulti und geraten in ein Netz aus Korruption, Folter und Verschwörungen.
[kh 11 Bayern]
       
Lesealter:
14 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Rohstoffhandel, Korruption, Lagos, Umwelt, Ausbeutung
       
Beurteilungstext:
In Zeiten, in denen junge Menschen für „Fridays for Future“ auf die Straßen gehen, Millionen Menschen ihre afrikanische Heimat aufgrund des Klimawandels verlassen und die Ausbeutung der Rohstoffe einen dramatischen Höhepunkt erreicht, ist Mathias Gnehms Graphic Novel „Salzhunger“ ein besonders wichtiges Buch.
Arno Beder, ein lethargisch wirkender Student, der kurz zuvor von seiner Freundin verlassen wurde, schließt sich der Umweltaktivistin Paula Hofer und dem nigerianischen Blogger Anthony Nwoko an, um gegen den Rohstoffriesen Boromodo im nigerianischen Lago anzukämpfen.
Schnell zeigt sich, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse nicht klar voneinander trennbar sind. Sowohl bei Boromedo als auch bei den Aktivisten scheint es perfide Machenschaften zu geben, die die Drahtzieher nicht vor Korruption, Folter und Verrat zurückschrecken lässt.


Gnehm begab sich für seine Recherche selbst auf Reisen in die Megacity Lagos. Dort erfuhr er von einer Aktivistin, dass die Community für die sie arbeitete, aus ihren Häusern vertrieben wurde. Im Slum Otodo Gbame nutze er die Gelegenheit mit Menschen, die dort bereits seit vielen Generationen in Pfahlbauten wohnen, zu sprechen. Seine düsteren Erfahrungen verarbeitete er in der Graphic Novel, indem er den Rohstoffgiganten Boromodo ein Slum gewaltsam räumen lässt, um dort Neubauten zu errichten. Sowohl in der Realität, als auch in der Fiktion führten die kriegsähnlichen Zustände zum Tod eines Jugendlichen.
Aus dieser Räumungsszene rührt übrigens der Titel des Buches „Salzhunger“. So sagt Anthony zu dem sprachlosen und lethargisch wirkenden Arno im Auto: „Weißt du, was ich denke? Dir ist das Salz ausgegangen. Alles ist fade geworden. Du hast keinen Appetit mehr auf dein Leben. Du hast keinen Salzhunger mehr“ (S. 148 f.). Laut einem Interview mit Bernd Lechner vom Deutschlandfunk ist „Salzhunger“ als eine Metapher für die Frage nach dem „inneren Rohstoff“ zu betrachten. Setzt man sich mit den Ellenbogen für seine Karriere ein oder nimmt man irgendwann alles eher gleichgültig hin?
„Salzhunger“ ist für die Leser*innen nicht nur inhaltlich anspruchsvoll und düster. Der Buchschnitt in Pechschwarz, die Zeichnungen allesamt in einem verwaschenen Graublau mit kleinen gelben Akzenten, betonen die Dramatik. Es ist kein bequemes Buch. Man muss häufig hin und her blättern, um Personen noch einmal genauer zu betrachten und die äußerst spärlichen Texte in Sprechblasen noch einmal lesen, weil man unter Umständen ein wichtiges Detail übersehen hat.
Aber gerade dieser Aspekt macht es zum Beispiel für die Arbeit im Unterricht so interessant. Schüler*innen sollen motiviert werden, selbst zu recherchieren, sich eine eigene Meinung zu bilden und vielleicht probehalber einmal die Perspektive zu wechseln.
[kh 11 Bayern]
  
       

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