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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Schmidt, Susanne    
Titel:
Merjem
ISBN:
978-3-946593-05-8  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Wilharm Sabine
Seiten / Spielzeit (min):
207
Verlag:
Jacoby & Stuart, Berlin
Gattung:
Erzählung / Roman
Reihe:
Jahr:
2016
Preis:
14,95 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Eine albanische Familie lebt in Deutschland und wird eines Morgens abgeschoben. Merjem, elf Jahre jung, versteckt sich im Umkleideraum ihrer Schule. Sie will hier leben, zur Schule gehen und Ärztin werden. Linus, ein Klassenkumpel, findet sie und versorgt sie mit dem Nötigsten. Er tut sich mit einer Mitschülerin zusammen. Und gemeinsam übernehmen sie Verantwortung für Merjem, leiten Schritte ein, die es ihr ermöglichen, dauerhaft und sicher in Deutschland zu bleiben.
[G-KH 24 Schleswig-Holstein]
       
Lesealter:
10 - 15 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock für Arbeitsbücherei
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Flucht, Asyl, Bleiberecht, unbegleitete Minderjährige / Fremde Kulturen
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Merjem ist ein Buch mit viel Tempo. Susanne Schmidt gelingt es meisterhaft, Spannung zu erzeugen und zu halten, bis zum Schluss. Bei ihr sind selbst Rückblenden spannend und unterbrechen den Lesefluss nicht!
In ihrem Buch führt sie Zehn-bis Zwölfjährigen vor Augen, wie es sein könnte, wenn eine Mitschülerin dieses Land verlassen muss. Egal, was gerade ist und welches Leben sie sich gewünscht hatte. Die Figuren der Autorin wirken lebendig und zeigen was passiert, vor allem aber, wie etwas passiert. Durch Körpersprache und zwischen den Zeilen ablesbar.
Bunt malt sie aus, was sie in und von ihrem Versteck aus erlebt, mit vielen Details, so dass Lesende immer tiefer in die Geschichte einsteigen. Der Hausmeister, der immerzu in der Nähe des Verstecks von Merjem zu tun hat. Der Waschsalon, in dem Merjem sich aufwärmt, die Frau, die sich aus dem Abfall ernährt und ihr Überlebens-Revier mit dem Mädchen nicht teilen will. Die Friseurin, die Klinik, altbekannte Orte, die neu werden durch den Blickwinkel eines illegalen Kindes.
Im Schulbereich wird deutlich, wie sehr die Autorin weiß, was in Schulen los ist. Nichts wirkt aufgesetzt oder fremd. Und die Kinder als Insider erkennen Bekanntes wieder.
Ob Hausmeister, Lehrerin, Schülerin, die Figuren wirken plastisch und glaubwürdig.
Das Thema Flucht führt in den Schulen zu Sach-Erörterungen über Herkunftsländer und Werte-Fragen. Diese Informationen sind wichtig, eine literarische Ergänzung aber dringend wünschenswert.
Dafür wäre dieses Buch geeignet: Die Geschichte von Merjem geht unter die Haut, sie könnte die Mitschülerin sein, die plötzlich aus ihrer Klasse verschwindet. Merjem als eine von ihnen, Protagonistin dieses Buches.
Die Autorin schreibt ohne Appell an Mitmenschlichkeit und verzichtet auf Pathos. Beides braucht sie nicht. Sie hat Humor, ihre Figuren wirken echt und zeigen einfühlsam Nähe.
Ein realistisches Kinderbuch, spannend wie ein Krimi, aber hier geht es nicht um Aktion, auch geht die Autorin nicht auf Tätersuche.
Ein warmes Buch, das Lesende dazu bringt, sich zu fragen, wieso es Gleichaltrige gibt, die abtauchen, weil sie in ihrem Land nicht leben können. Ein wesentliches Buch, das nicht erschlägt durch Faktenwissen.
Lieblingstext:
Merjem zieht die Tür des Restaurants auf. Sie will nicht mehr im Umkleideraum sitzen und Angst vor Herrn Karle, vor dem Typ aus dem Waschsalon oder vor der Polizei haben. Das hat keinen Sinn, genauso wenig wie heulen. Ein kalter Windstoß fegt herbstliche Blätter mit ihr herein. Der Wirt kreuzt mit dem Vorspeisenteller, bellt sie böse an. Merjem macht einen Bogen um ihn. S. 179
[G-KH 24 Schleswig-Holstein]
  
       

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