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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Franzobel,     
Titel:
Der kleine Pirat
ISBN:
978-3-85452-183-9  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Loske, Judith
Seiten / Spielzeit (min):
48
Verlag:
Picus, Wien
Gattung:
Erzählung
Reihe:
Jahr:
2015
Preis:
13,90 €   Buch: Hardcover
       
Inhalt:
Mit Kugelschreiber-Tätowierung und Stoppelbart ausgestattet sowie hinreichend bewaffnet, setzt sich der kleine Pirat erfolgreich dagegen zur Wehr, sich von seiner Mutter in den Kindergarten bringen zu lassen: Nachdem er sie mit dem Plastikschwert ordentlich gezwickt hat, lässt seine Mutter ihn zu Hause und macht sich auf den Weg zur Arbeit.
Zeit genug, sich einmal richtig in Piratenmanier durch die Wohnung zu wühlen... doch wer kommt da zur Tür herein?
[hemoko 19 Nordrhein-Westfalen]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
empfehlenswert
Schlagwörter:
Piraten Kindergarten Fantasie
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Für den kleinen Piraten steht außer Frage, dass er ein waschechter Pirat ist. Und das bedeutet vor allem eins: „Ein Pirat ist niemals fad“ - ganz anders als all die „Landratten, Milchtrinker und Schokoladezuzler“, die „Kaugummikauer und Spiegeleibrutzler“.
Und da kann seine Mutter doch nicht ernsthaft erwarten, dass er sich von ihr so mir nichts, dir nichts mal eben in den Kindergarten bringen lässt – an einen Ort also, der nichts anderes ist als ein trauriges Sammelbecken für ganze Horden von Nicht-Piraten.
Kurzerhand versetzt er der Mama einen Stich mit dem Plastiksäbel, worauf diese aus der Wohnung stürzt, um ihrem Sohn eine ordentliche Lektion zu erteilen:
„Das war ein ganz gemeiner Stich! / Wenn das so ist, kleiner Wüterich, / gehe ich. Und du bleibst da. / Ja, ich gehe, / dann wirst du sehen, / was du davon hast!“
Der kleine Pirat sieht tatsächlich schnell, was er davon hat: Eine schier unendliche, wohnungsgroße Piratenwelt, die er sich vogelfrei und piratenmutig einrichtet. Alle Zimmer werden verwüstet, bekämpft und erobert, die Haustür mit einer Falle gegen Einbrecher gesichert.
Als dann irgendwann wirklich die Tür aufgeht und zuerst die Reinigungsfrau, dann die Oma und schließlich doch noch ein echter Einbrecher in die Piratenhöhle stapfen, stellt der kleine Pirat seine seeräuberische Kühnheit unter Beweis.

Der österreichische Schriftsteller Franzobel greift in seiner durchgehend gereimten Geschichte die bekannte Situation auf, in dem es einem Kind schier unmöglich erscheint, heraus aus seinem Spiel zu finden, da es ihm für den Moment zur Realität geworden ist. Und so kann auch der kleine Pirat nicht in den Kindergarten gebracht werden – er ist ein Pirat!
Anders als sonst wohl die Regel, setzen die Erwachsenen dem Spiel kein schnelles Ende, der kleine Pirat bleibt ein Pirat. Verwüstungen und Kämpfe, Fallen und Mutproben sowie ein piratenstarkes, unerwartetes Ende illustriert Judith Loske so, dass die Leserinnen und Leser sich wahlweise diebisch mit dem kleinen Piraten freuen oder sich angesichts des Tohuwabohus auch schon mal mit der Oma die Hände vors Gesicht schlagen.
[hemoko 19 Nordrhein-Westfalen]
  
       

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