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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Heinrich, Finn-Ole/Zipfel, Dita,     
Titel:
Trecker kommt mit
ISBN:
978-3-938539-48-4  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Kirschner, Halina
Seiten / Spielzeit (min):
32
Verlag:
Mairisch, Hamburg
Gattung:
Bilderbuch
Reihe:
Jahr:
2017
Preis:
15,00 €   Buch (Print, gebunden)
       
Inhalt:
Eine Ode an den Trecker - herrlich sprachlich formuliert, wunderbar bildlich umgesetzt.
[cja 15 Hamburg]
       
Lesealter:
4 - 7 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Familie / Technik
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Trecker sind etwas Faszinierendes, etwas Besonderes. Entweder man versteht das oder eben auch nicht. Gerade als Stadtmenschen fällt es uns oft schwer, diese Faszination von Treckern bei Kindern nachzuvollziehen, auch wenn wir uns beeindrucken lassen von Treckerparaden auf Volksfesten oder Umweltdemonstrationen. So weiß ich nicht, ob das vorliegende Buch tatsächlich für jedeN ErwachseneN in seinem Humor und seiner Eindringlichkeit als hervorragend erkannt wird - treckerbegeisterte Kinder und Erwachsene hingegen werden jubeln.

Worum geht es? Offensichtlich steht ein Umzug vom Land in die Stadt bevor. Der Ich-Erzähler (oder die Ich-Erzählerin?), über den (die?) wir nur indirekt etwas erfahren, soll offensichtlich die Sachen packen, aber er will nur eine Sache mitnehmen: den Trecker. Der Text des Buches ist ein Monolog, ein Plädoyer des Erzählers oder der Erzählerin, argumentativ, rhetorisch, logisch und unlogisch. Eben auch so, wie sprachlich versierte Kinder trotzig eine Sache verfolgen. "Packen-kacken, sage ich, ich hab längst gepackt. Genau eine Sache: Trecker." Und was fällt einem nicht alles ein, warum ein Trecker mitkommen muss: "Außerdem hat der Trecker immer zu was zu tun! ... Als Windschutz. Als mobiles Dach. Oder einfach nur zum Angucken, weil Trecker eine Schönheit ist." Vielleicht wenig authentisch, aber wirkungsvoll werden Gegenargumente antizipiert: "'Aber in der Stadt gibt's keinen Platz für Trecker', sagst du." Und sie werden natürlich ausführlich entkräftet. Und so erfahren wir, was ein Trecker alles kann oder was man ihm zumindest zuschreibt.
Sie werden es in den Zitaten schon gemerkt haben: Trecker steht ohne Artikel im Singular, er wird personifiziert. Aber das wird im Text auch angesprochen und damit reflexionsfähig. "... er braucht nur das Gefühl, gebraucht zu werden. Ein Trecker ist ein Rudeltier. Also eine Rudelmaschine, wie ein Hund ungefähr...".

Halina Kirschners Illustrationen setzen das Erzählte eigenständig und eigenwillig um. Die Zeichnungen sind flächig koloriert, es gibt nur fünf Farbtöne: Weiß, Schwarz, Rot, ein helles und ein dunkles Türkis. Mit kräftigen Konturen werden Gegenstände und Szenerien gezeichnet, vor allem aber: Trecker, Trecker, Trecker. Im Text wird viel beschrieben, was Trecker können. Dies wird bildlich umgesetzt, aber auch eigenständig ergänzt, so z. B. durch einen Trecker, der Kopfstand macht oder mit einem Lasso eine Kuh einfängt. Begleitet werden die Trecker meist von Bauernhoftieren - Schwein, Kuh, zwei Gänsen und einer Maus - die im Text nicht vorkommen. Ähnlich wie im Text, ist der Erzähler oder die Erzählerin auf den Bildern "versteckt". So sehen wir zwar auf dem Titelbild, dass auf dem Fahrersitz des Treckers ein Kind sitzt - viel mehr als die roten Haare und zwei lange Arme können wir allerdings nicht sehen. In den Bildern sieht man oft nur Teile: Einen Fuß, einen Haarschopf, einmal auch den ganzen Körper, aber über dem Kopf ist ein Pappkarton. So bauen die Bilder hervorragend die Leerstelle des Textes aus und lassen uns Lesenden und Betrachtenden Freiräume der Imagination.

Insgesamt ist Heinrich, Zipfel und Kirschner in der Zusammenarbeit ein hervorragendes Bilderbuch gelungen, das erzählerisch und bildlich anspruchsvoll und trotzdem ein großes Vergnügen ist. Dabei werden unterschiedliche Rezipierende (jüngere Kinder, ältere Kinder, Stadtkinder, Landkinder, Väter, Mütter, Erzieherinnen, LehrerInnen...) durchaus unterschiedliche Rezeptionsschwerpunkte setzen. Um das Buch genießen zu können, braucht es also nur eines: man muss ich auf Trecker einlassen...

Christoph Jantzen, AJuM Hamburg
[cja 15 Hamburg]
  
       

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