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Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)
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Autor:
Jentgens, Stephanie    
Titel:
Was ist los vor meiner Tür? 20 Geschichten der Besten zum 60. Geburtstag des Deutschen Jugendliteraturpreises
ISBN:
978-3-942787-87-1  
Übersetzer:
Originalsprache:
Illustrator:
Blau, Aljoscha
Seiten / Spielzeit (min):
176
Verlag:
Jacoby & Stuart, Berlin
Gattung:
Anthologie
Reihe:
Jahr:
2016
Preis:
24,00 €   Buch: Hardcover
       
Inhalt:
Zum Jubiläum des DJLP hat Stephanie Jentgens bei Atorinnen und Autoren, die mit dem Preis ausgezeichnet wurden oder auf der Nominierungsliste standen, nachgefragt, ob sie eine Erzählung für einen Jubiläumsband schreiben würden. Herausgekommen ist ein bunter Strauß an Geschichten, der durch Illustrationen von Aljoscha Blau geschmückt noch bunter wird.
[cja 15 Hamburg]
       
Lesealter:
10 - 99 Jahre
Einsatzmöglichkeiten:
Klassenlesestoff Büchereigrundstock
Wolgast Preis:
Nein
Bewertung:
sehr empfehlenswert
Schlagwörter:
Erzählungen
       
Anmerkungen:
       
Beurteilungstext:
Seit 60 Jahren werden AutorInnen mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis (DJLP) ausgezeichnet - vorab gibt es eine Nominierungsliste für den Preis. Es ist der bedeutendste Preis für Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland. Und nun sind die "Besten" in einer Erzählanthologie versammelt? Und das mit neuen, bisher noch nicht veröffentlichten Geschichten? Der Anspruch wird durch den Untertitel sehr hoch gehängt.

Große Namen sind hier vereint: Peter Härtling, Kirsten Boie, Shaun Tan, Bart Moeyeart. Einige Namen sind nicht ganz so geläufig, stehen aber nichtsdestotrotz für gute Kinder- oder Jugendliteratur, etwa Tami Shem-Tov und Inés Garland. Die Beitragenden kommen aus Deutschland, aber auch aus anderen Ländern Europas und vereinzelt aus anderen Kontinenten. Diese Internationalität wird im Geleitwort von Susanne Helene Becker herausgestellt: "Denn der Deutsche Jugendliteraturpreis hatte und hat nicht nur das Ziel, die Lesefreude zu fördern, sondern auch die erklärte Absicht, junge Menschen für das Andere zu sensibilisieren und für das Fremde zu interessieren." (S. 6) So wird der Band zu einem Statement in der Debatte, ob zu wenige deutsche Autorinnen und Autoren mit dem DJLP ausgezeichnet werden.

Viele der Texte nehmen sich des Themas Flucht und Vertreibung an. Dies zeigt die Aktualität des Bandes. Die Erzählung "Land des Zorns" von Robert Paul Weston erzählt von der Flucht aus dem Land des Zorns in ein Land der Freiheit - das ein Land voller Verheißungen ist. Und doch gibt es viele Enttäuschungen, denn die Freiheiten gelten nicht für alle. Und ein Ankommen heißt noch lange nicht, dass nun alles gut wird. So endet die Geschichte auch im Ungewissen: "Doch noch während er seine Familie fest umarmte, zitterte David vor Ungewissheit. In seinem Kopf wiederholte sich immer wieder die gleiche Frage: Was würde als nächstes mit ihnen geschehen?" (S. 85). Und in der Geschichte "Mein Kirschbaum" erzählt Rose Lagercrantz aus der Sicht eines Mädchens vom Leben in der Illegalität in Schweden. Diese Geschichten machen nachdenklich und zeigen den meisten Leserinnen und Lesern, wie viel Glück sie selbst im Leben haben.

Andere Texte entfalten ihre Wirkung über den Humor. Toon Tellegren erzählt in dem Text "Besuch" vier unterschiedliche Darstellungen, wie Figuren innerlich zerrissen sind, einerseits von dem Wunsch, Besuch zu bekommen, andererseits dies aber nicht zu wollen. So werden Strategien entwickeln, damit umzugehen. Jede Darstellung für sich ist lustig zu lesen. Zusammengenommen ergeben sie aber nicht nur eine Potenzierung des Humors, sondern regen auch zum Nachdenken über eigene Handlungsweisen an.

Vielfalt der Erzählstile, Vielfalt der Themen, Vielfalt der Figuren und Orte - das sichert dem Band eine hohe Qualität, auch wenn zu einer solchen Vielfalt dazugerechnet werden muss, dass der ein oder andere Text nicht ganz so hervorragend ist.

Zu einem Jubiläumsband gehört natürlich auch eine besondere Ausstattung. Edel mit einem Leinenrücken kommt das Buch daher, es liegt angenehm schwer in der Hand und die Illustrationen Aljoscha Blaus gliedern und kommentieren das Erzählte in hervorragender Weise.

Man muss allerdings die Frage stellen, wer Käufer und Leser dieses Buches sein wird. Kritiker werden wohl meistens begeistert sein. Auch diejenigen Erwachsenen, die sich mit Kinder- und Jugendliteratur beschäftigen, allen voran die Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer. Und man muss deutlich sagen: Mit vielen der Texte kann man hervorragend im Deutschunterricht arbeiten. Auf diesem Wege werden einige Texte auch zum jugendlichen Publikum kommen. Bei jugendlichen Lesenden selbst haben es Anthologien oft sehr schwer und es darf bezweifelt werden, dass sie massenweise in Bibliotheken und Buchläden zu diesem Buch greifen werden. Das ist schade, denn vielen der Texte wünsche ich ein breites Lesepublikum.

Christoph Jantzen, AJuM Hamburg
[cja 15 Hamburg]
  
       

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