kjl&m forschung.schule.bibliothek

ist ein Produkt der AJuM der GEW und hieß bis zum 01.01.2007
"Beiträge Jugendliteratur und Medien".
kjl&m ist im Abonnement käuflich über den kopäd Verlag zu erwerben.

geplante Themen der
folgenden Hefte:

1/18 Gärten
2/18 Philosophieren
3/18
4/18 Mythen
Extra Wolgast

1/19 Revolution
2/19 politische Bildung
3/19
4/19 Erstleseliteratur

... zu den Bezugsbedingungen etc


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Extraband/2017 [Prof. Dr. Caroline Roeder / Prof. Dr. Michael Ritter]

Familienaufstellungen

Aktuelle Fortschreibungen und Formatierungen, Ikonographie(n) und generationelle Perspektiven der Kinder- und Jugendliteratur und Medien Die Zeit der Kindheit und Jugend wird maßgeblich geprägt von der Familie, für die es heute alle nur denkbaren Beziehungskonstellationen und -varianten gibt; darüber hinaus bedeutet Familie den ersten und intensivsten Beziehungsraum der Kindheit. Es verwundert daher nicht, dass Familie eines der zentralen Motive der Kinder- und Jugendliteratur ebenso wie der Literatur über Kindheit und Jugend darstellt. 
Die Familienaufstellungen, die in den 18 Beiträgen dieses Bandes vorgestellt werden, spiegeln gesellschaftliche und historische Konstellationen und erzählen Familien-Geschichte(n). Sie gehen der Frage nach, inwieweit die inhaltlichen und auch formalen Bedingungen der literarischen Thematisierung von Familie im 21. Jahrhundert zu einer Weiterentwicklung des Motivs, Narrativs und der Gattungsfragen beigetragen haben. Es geht insofern um eine Bestandsaufnahme und Neuvermessung des kinderliterarischen und medialen Feldes, wobei auch kultursoziologische und medien- und kommunikationswissenschaftliche Perspektive einbezogen werden.

Einführung: Familienaufstellung

Günter Burkart: Szenarien und Narrative
Soziologische Familienbilder zwischen individualisierter Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft

Michaela Holdenried: Zwischen Ablehnung und Akzeptanz
Familienkonstellationen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

Sebastian Schmideler: Bilder aus dem Familienleben
Familiendarstellungen in der Kinder- und Jugendliteratur im Prozess der Modernisierung (18. bis 20. Jahrhundert)

Sascha Trültzsch-Wijnen: Familienbilder in den Medien
Leitbilder und Stereotype in historischer Perspektive und vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Fernsehen und Internet

Von familialer Kindheit und Jugend: Familienvermessungen

Ricarda Freudenberg:Wenn alles auseinanderbricht, entsteht Raum für Erzählenswertes
Welcher Reiz für die literarische Inszenierung in porösen Familienstrukturen liegt

Iris Schäfer: Jenseits der Komik
Zur Gefährdung der familiären Symbiose durch erkrankte kindliche und jugendliche ProtagonistInnen innerhalb derSick Lit

Kathrin Wexberg: Aneignung und Verlust
Finn-Ole Heinrichs Maulina Schmitt-Trilogie als neuer Akzent im tragikomischen Familienroman

Heidi Lexe: Die Saat des Bösen
Mörder-Familien und ihre spezifische Dynamik in der Jugendliteratur

Ikonographie(n) der Familie

Verena Stürmer: Familienbilder in Erstlesefibeln
Vorstellungen zu Familie in aktuellen deutschen Fibeln

Mareile Oetken: Alles ist Familie
Familienbilder im Bilderbuch

Corinna Norrick-Rühl/Anke Vogel: Familienkonstellationen im Bilderbuch
Eine Inhaltsanalyse der Minibuch-Bestsellerreihe Pixi

Jenny Wozilka: Von Erzählzauber, Kampfeslust und Spielfreude
Großeltern im neuen Bilderbuch


Generationsarchive

Anja Hartung-Griemberg:In Geschichten verstrickt
Familienforschung und kollaborative Erinnerungspraxen als bildungsrelevante Gemeinschaftserfahrungen

Jan Süselbeck: They fuck you up, your mom and dad
Zur Inszenierung transgenerationeller Kontinuitätseffekte in Stephan Wackwitz’ FamilienporträtDie Bilder meiner Mutter

Kaspar H. Spinner: Großväter und Enkelkinder in der Kinder- und Jugendliteratur

Marion Rana:Geheimnisse und Generationen
Veränderte Geheimhaltungsgrenzen als Indikator für veränderte Generationenverhältnisse in der fantastischen Jugendliteratur


Familie vermitteln

Gabriela Scherer: Familienbilder lesen
Didaktische und rezeptionsbezogene Perspektiven auf die Ikonographie von Familie im neuen Bilderbuch

Alexandra Ritter: Was hinter der Familie steckt
Lapbooks als lektürebegleitete Methode zum Umgang mit aktuellen Kinderromanen


Verzeichnis der AutorInnen
 

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4/2017 [Prof. Dr. Michael Ritter]

Luther & Co  

Cover Luther & CoReligion(en) in der Kinder und Jugendliteratur

Der Kinder- und Jugendliteratur ist seit jeher ein pädagogisches Selbstverständnis tief eingeschrieben. Lange dominierte dabei die Vorstellung einer unmittelbaren Erziehungswirkung von Literatur auf Kinder. Das führte in den vergangenen Jahrhunderten, in denen in mitteleuropäischen Gefilden Erziehung immer auch die Vermittlung von christlicher Frömmigkeit selbstverständlich implizierte, dazu, dass religiösen Themen in kinderliterarischen Werken explizit oder implizit ein wichtiger Stellenwert zukam. Die Zeiten haben sich jedoch geändert, die Stellung der Religion(en) in der Gesellschaft und damit auch in der Erziehung von Kindern muss grundsätzlich neu bewertet werden. Dennoch sind christliche Normen und Werte auch heute im Rahmen familialer und gesellschaftlicher Systeme wichtige Orientierungsrahmen.

Der Umgang mit Religion in der Kinder- und Jugendliteratur hat sich in den letzten Jahrzehnten allerdings mehrfach stark verändert. Nach ihrem weitgehenden Verschwinden aus dem Bereich einer auch ästhetisch ernstzunehmenden Literatur seit den 1960er Jahren wird Religion in der letzten Zeit wieder stärker als Gegenstand literarischer Verhandlungen aufgegriffen und nicht mehr nur in einem katechetischen Sektor verortet. Dieser seit ca. 20 Jahren anhaltende religious turn (vgl. Langenhorst in diesem Band) trifft im Jahr 2017 mit dem kulturhistorisch ausgesprochen bedeutsamen fünfhundertsten Reformationsjubiläum zusammen, was mehr als genug Anlass sein sollte, die aktuellen Entwicklungen in einem Themenschwerpunkt zu verhandeln.
Nach einer ersten Einordnung und Orientierung des Themas in literaturgeschichtlicher und thematischer Perspektive durch Georg Langenhorst spürt Jana Mikota in Beispielanalysen den aktuellen kinderliterarischen Erscheinungsformen des zentralen Reformationsprotagonisten Martin Luther nach, während Karin Yesilada in ihrem Beitrag das bislang weitgehend von der Forschung unbeachtete Phänomen der Thematisierung des Islams in der KJL und der damit verbundenen Verschränkung religiöser, politischer und soziologischer Fragestellungen in den Blick nimmt. Alexandra Ritter und Ulrike Witten betrachten, wie das tradierte Format der Kinderbibel in einem Spannungsfeld akkommodierender Vereinfachung und literarästhetischer Exploration ausgestaltet wird. Margarete Hopp thematisiert, wie Motive wie Tod und Sterben in aktuellen Bilderbüchern verarbeitet werden, religiösen Referenzen im Comic forschen Frank Thomas Brinkmann und Anna Lena Veit nach. Jochen Heins schließlich stellt die strukturprägende Wirkung der christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung in aktuellen Jugendromanen heraus, bevor Karin Richter und Siglinde Spuller in ihren Beiträgen auf didaktische Perspektiven der Verbindung kulturellen, religiösen und literarischen Lernens eingehen. Im Spektrumsbeitrag eröffnet Brigitte Klosterberg noch einmal in historischer Perspektive einen Blick auf die, in der pietistischen Schulstadt der Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale gesammelten, religiösen Lektüreangebote für Kinder und Jugendliche und deren Stellung in der Pädagogik August Herrmann Franckes und seiner Nachfolger.       Michael Ritter

Luther & Co. Religion(en) in der Kinder- und Jugendliteratur

Georg Langenhorst
„Was, wenn Gott einer, keiner oder viele ist?“ Religion in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur

Jana Mikota
Martin Luther und die Reformation in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur

Karin Yesilada
Islam in der (interkulturelle/in) Kinder- und Jugendliteratur

Alexandra Ritter/ Ulrike Witten
Neue Perspektiven auf biblische Texte. Aktuelle Kinderbibeln im Vergleich

Margarete Hopp
Religiöse Motive in Bilderbüchern zum Thema Tod

Frank Thomas Brinkmann/ Anna Lena Veit
Es war einmal... in FABLES. Wie eine erfolgreiche Comicserie allerlei religiöse Spuren in eine(r) postmoderne(n) Märchenwelt verlegte

Jochen Heins
Das Leben ist „zärtlich und abgefuckt im selben Moment“. Liebe – Glaube – Hoffnung in aktuellen Adoleszenzromanen

Karin Richter
Das Musical Anatevka als Zugang zu jüdischer Kultur, Geschichte und Religion in einem fächerübergreifenden Projekt für Grundschule und Sekundarstufe I

Siglinde Spuller
„Komm wir bauen einen Turm!“ Ambivalenzen der Grenzüberschreitung am Beispiel einer Unterrichtssequenz zum Bilderbuch Der Wurm am Turm (Brussig/ Kahane 2011)

Spektrum

Brigitte Klosterberg
Religiöse Kinder- und Jugendliteratur der Frühen Neuzeit in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen Halle/Saale

Publikationen

Fachliteratur

Aktuell

Hinweise, Berichte, Mitteilungen
Aus der AJuM und der GEW
Veränderungen in der Redaktion
Impressum

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3/2017[Prof. Dr. Caroline Roeder]

Auf Bleistiftwegen

Außerschulische literarische (Lern)Orte 

Auf Bleistiftwegen lässt sich das literarische Werk des Schweizer Autors Robert Walser erkunden. Folgt man diesen Pfaden, so gelangt man zu seinen Gedanken-Gängen, flaniert durch literarische (Seelen)Landschaften oder bewegt sich durch (s)eine literarische Welt. Robert Walser setzte der spazierenden Bewegungsform ein Denkmal; nicht nur darum eignet sich sein Werk trefflich als Ausgangspunkt, will man sich auf Spurensuche nach außerschulischen literarischen Lernorten begeben. Die vorliegende Ausgabe 3/17 nähert sich diesen mit unterschiedlichem theoretischen Gepäck und in verschiedenen Exkursionsformaten. Fragen der Authentizität eines Ortes, seiner Historizität bzw. seines Erlebnis- bzw. Lern-Wertes erweisen sich als zentrale Schnittstellen dieser Betrachtung. Burckhard Dücker lenkt in seinem einleitenden Beitrag den Blick auf Dichterhäuser und Literaturmuseen und weist diese als Teil des weitläufigen Felds der Memorialkultur aus. Sein besonderes Interesse gilt dem, „was man im Dichterhaus lernen kann“; so wird kulturelle Bildung als grundlegender und funktionaler Aspekt herausgestellt, um lerntheoretische Fragen wie die der Handlungsorientierung, kulturellen Teilhabe und Kommunikation zu diskutieren. 
Das gesamte Editorial finden Sie ===> hier.             Caroline Roeder

Thementeil

Burckhard Dücker
Literarische Lernorte – außerschulische Möglichkeiten kultureller Bildung

Christine Ott
Literarisches Dorfleben in Maienfeld oder Wie Heidi lebte. Inszenierte Kinderbuch-
Welten in der Erlebnisgesellschaft 

Anna R. Hoffmann
Literaturmuseale Einrichtungen als außerschulische Lernorte 

Anja Ballis
Das Tagebuch der Anne Frank. Von analogen und digitalen Erkundungen zwischen
Berlin und Amsterdam 

Ina Brendel-Perpina
Literaturbetrieb live! Event-Formate der kulturellen Praxis Literatur 

Lena Hoffmann
Das also ist Cornelia! Die Selbstinszenierung von AutorInnen auf ihren Webseiten
am Beispiel von Cornelia Funke und Christopher Paolini

Bettina Uhlig
Drachenlandungen an außerschulischen Lernorten. 

Spektrum

Benedikt Wolf
Phil, Tschick und Henning. Konzepte männlicher Homosexualität in Jugendromanen von
Andreas Steinhöfel, Wolfgang Herrndorf und Marcus Brühl 

Damaris Nübel
Biografie als Bildungsziel? Biografisches Arbeiten mit Kinder- und Jugendliteratur in Jugendfreiwilligendiensten 

Fachliteratur

Aktuell
Hinweise, Berichte, Mitteilungen 
Impressum 
Aus der AJuM und der GEW

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2/2017[Prof. Dr. Petra Josting]
     Connected: Kinder- und Jugendmedien heute

Wie aktuelle Medienwelten von Kindern und Jugendlichen aussehen und wie diese omnipräsent in ihren Alltag eingebunden sind, hat Ina Brendel-Perpina zu Beginn ihres Beitrags Aufwachsen mit Medien – Medienwelten heute beispielhaft beschrieben. Das Internet stellt mittlerweile einen der wichtigsten Räume für Unterhaltung und Kommunikation dar. Virtuell werden soziale Netzwerke aufgebaut, in denen man sich austauscht, gemeinsam spielt, Unterhaltung und Informationen findet, sich die Zeit vertreibt. Unterschiedlichste Medien (Bücher, Filme, Hörangebote, Spiele etc.) werden über ein Gerät rezipiert, jederzeit können die sog. User aber auch zu Producern werden: von Medienkonvergenz ist die Rede.
Vor allem Eltern und ErzieherInnen im schulischen sowie außerschulischen Bereich betrachten die Entwicklung mit Skepsis, zum Teil mit Sorge. Spätestens mit Beginn der Pubertät wollen die meisten Jugendlichen ständig verbunden sein – connected ist angesagt. Beklagt werden Zeitverschwendung, die Gefahr der Vereinsamung und nicht zuletzt die Verdrängung des Bücherlesens. Letzteres ist – so belegen es repräsentative Studien – in den vergangenen Jahren aber konstant geblieben und nicht von den digitalen Medien verdrängt worden. Gleichwohl stehen alle ErzieherInnen immer wieder neu vor der Herausforderung, die Mediensozialisation der Heranwachsenden zu berücksichtigen, d. h. die diversen Medienkompetenzen zu fördern und das didaktische Potenzial aller Medien zu überprüfen und zu nutzen. Dazu soll das vorliegende Heft einen Beitrag leisten, indem es einige mediale Bereiche herausgreift ...
Petra Josting


Thementeil
Ina Brendel-Perpina
Aufwachsen mit Medien – Medienwelten heute

Tobias Kurwinkel
Zur Theorie von Medien- und Produktverbünden und ihren Sammlungen am Beispiel von Bibi und Tina

Alina Wanzek
Spielend lesen oder lesend spielen? Apps für Kinder zwischen Narration und Interaktivität 

Jan-Niklas Meier
„What are the Nazis really up to?“ – Erzählstrukturen des nationalsozialistischen Okkultismus in der Computerspielreihe Wolfenstein

„Kristin Weiser-Zurmühlen
‘Ne Serie ist’s ja wenn’s …“. Serialität aus RezipientInnenperspektive

Stefanie Nosic
Narrative Fan-Praktiken Jugendlicher 

Ina Brendel-Perpina
Booktube auf YouTube: Produktwerbung und/ oder Leseförderung?

Linda Schrader
Vom heimischen Vielleser zum vernetzten Literaturkritiker im WWW. Kinder und Jugendliche als Buchblogger im Social Media Zeitalter

Ute Wegmann
Zum Hören verleiten. Es muss gut klingen, auch wenn es ein Verriss ist

Matthias Preis/Kristin WeiserZurmühlen
Mit Kästners Emil in der Hörspielwerkstatt – ein Projektbericht

Irene Wellershoff
Märchenperlen – vom Text zum Drehbuch


Spektrum
Ina Brendel-Perpina
Wie Yasar Kemal zum Schreiben kam – Interkulturell lesen und schreiben lernen. Im Gespräch mit dem Dichter Nevfel Cumart

Rezensierte Fachliteratur:
Cuntz-Lng, Vera: 
Harry Potter Que(e)r. Eine Filmsaga im Spannungsfeld von Queer Reading, Slash-Fandom und Fantasyflmgenre. Bielefeld: transcript, 2015. (Film) 485 S., € 49,99. (Annika Ullmann Univ. Fankfurt a. M.)

Giesa, Felix: 
Graphisches Erzählen von Adoleszenz. Deutschsprachige Autorencomics nach 2000. Frankfurt/ M.: Lang, 2015. (Kinder- und Jugendkultur, -literatur und -medien. Theorie – Geschichte – Didaktik; 97). 405 S. Zugl.: Köln, Univ., Diss., 2014, € 74,95 (Jan-Niklas Meier, Univ. Bielefeld)



Übrigens:
kjl&m wird im Online-Magazin "ph - lesenswert" 1/2017 im Rahmen einer (erstmaligen) Zusammenstellung von 14 literarischen Fachzeitschriften und Online-Portalen vorgestellt. (===> hier)

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1/2017 [Prof. Dr. Michael Ritter]
Metafiktionales Erzählen 

Entgrenzte Inszenierungen in der Kinder- und Jugendliteratur

„Da Squire Trelawney, Dr. Livesey und die übrigen Herren mich gebeten haben, alle Einzelheiten über die Schatzinsel vom Anfang bis zum Ende niederzuschreiben und nichts zu verschweigen als ihre Lage, [...] ergreife ich im Jahre des Heils 17.. die Feder und beginne ...“  Robert Louis Stevenson. Die Schatzinsel. Frankfurt/Main: Büchergilde Gutenberg 2010, S. 11.)
Am Anfang des genreprägenden Abenteuerklassikers Die Schatzinsel inszeniert Robert Louis Stevenson seinen Protagonisten Jim Hawkins als narrative Instanz einer Geschichte, die damit auf der Ebene des Textes Authentizität einfordert, deren Wahrheitsillusion jedoch aufgrund ihrer Genrezugehörigkeit und der offensichtlichen Diskrepanz zwischen den beiden Erzählinstanzen Robert Louis Stevenson (faktischer Autor) und Jim Hawkins (fiktionaler Erzähler)leicht enttarnt werden kann. Dennoch verortet sich die Geschichte in einer Spannung, die dem Abenteuer eine scheinbare Glaubwürdigkeit vermittelt, welche die Intensität der Lektüreerfahrung verstärkt und Identifikationspotenziale eröffnet.

Das Beispiel zeigt darüber hinaus aber auch, dass die literarische Inszenierung und explizite Thematisierung des konstruierten und künstlichen Charakters von Literatur, ihre Gemachtheit nicht erst seit Aufkommen des Metafiktions-Begriffs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als literarisches Verfahren genutzt wird. Das darin angezeigte und verhandelte Beziehungsverhältnis von Fakt und Fiktion in der Literatur wird immer wieder auch auf den Ebenen von Histoire und Discours verhandelt; zum Beispiel wenn Erich Kästner sein literarisches Selbst im Emil eine erlebte Geschichte erzählen lässt und auch Bilbo Beutlin im Herr der Ringe retrospektiv als Autor des Hobbits inszeniert wird. Ist letzterer, wegen seiner Verortung in einer geschlossenen sekundären Phantasiewelt deutlich als fiktive Figur zu identifizieren, fällt diese Bestimmung beim intradiegetischen Kästner deutlich schwerer. Letztendlich spielen die damit erzeugten Unbestimmtheiten mit der nur scheinbar eindeutigen Trennlinie zwischen Realität und Fiktion und nehmen damit auch Bezug auf den konstruktiven Charakter unserer sogenannten Wirklichkeit.
Dieses Spiel der metafiktionalen Verfahren hat in den letzten Jahren auch in der KJL zunehmende Aufmerksamkeit erfahren. Daher soll diesem Phänomen der Themenschwerpunkt der vorliegenden Ausgabe von kjl&m gewidmet werden.
Zur einführenden Orientierung arbeitet Silke Rabus verschiedene Spielarten des Metafiktionalen am Beispiel neuer Bilderbücher heraus. Dieser erstenbegrifflichen Bestimmung folgen Beiträge von Svenja Blume, Gianna Dicke, Andreas Peterjan, Eva Maria Kohl und Stefanie Jakobi, die in detaillierten Analysen die Vielgestaltigkeit metafiktionalen Erzählens herausstellen. Didaktische Implikationen thematisieren in diesem Kontext Jan Standke und Tobias Kurwinkel, bevor Thomas Bitterlich abschließend – ebenfalls aus didaktischer Perspektive – das Verhältnis von Fiktionalität und Metaliteracy über den Begriff der Metafiktionalität zu bestimmen versucht ...
Michael Ritter
 

Inhaltsverzeichnis:

Silke Rabus
Rückt zusammen, Kinder, ich will euch eine Geschichte erzählen! Metafiktion im Bilderbuch

Svenja Blume
Erlebtes erzählen – erlebtes Erzählen. Zur Funktion metafiktionalen Erzählens in Patrick Ness‘ und SiobhanDowds Sieben Minuten nach Mitternacht (2011)

Gianna Dicke
Kurze Hosen und ekelerregende Helden. Authentifizierungsstrategien als metafiktionales Spiel mit Fakt und Fiktion in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur

Eva Maria Kohl
Das kunstsinnige Kind als literarische Figur bei Peter Hacks 

Andreas Peterjan
Ein Metamärchen in Schwarz-Weiß. Walter Moers‘ Wilde Reise durch die Nacht zwischen Metafiktion und Meta-Fiktion

Stefanie Jakobi
Das Buch ist ein Spiel ist ein Buch. Das inszenierte Computerspiel als metafiktionales Element in Andreas Schlüters Level 4-Reihe

Tobias Kurwinkel
„Es gibt viele, ganz viele Welten, […] in den Büchern sind sie aufgeschrieben!“ Narratologische und didaktische Überlegungen zum Buch-im-Buch-Motiv in Cornelia Funkes Tintenwelt-Trilogie

Jan Standke
Springen, Wandern, Reisen. Die Popularisierung metafiktionalen Erzählens im fantastischen Jugendbuch der Gegenwart

Thomas Bitterlich
Das höchste Fiktionalitätsbewusstsein? Metafiktionalität – Gegenstandsbereiche am Beispiel verschiedener Bilderzählungen von Ole Könnecke

Siglinde Spuller
Fiktionalität thematisieren – im Bilderbuch Der unglaubliche Bücherfresser von Oliver Jeffers

 Spektrum


Karsten Schuldt/ Rudolf Mumenthaler/ Ekaterina Vardanyan
Volksschulbibliotheken im Kanton St. Gallen: Ergebnisse einer Studie

Fachliteratur

Aktuell

Hinweise, Berichte, Mitteilungen
Aus der AJuM und der GEW

Impressum: Verantwortlich für den Themenschwerpunkt dieser Ausgabe: Michael Ritter

Titelabbildung aus: Oliver Jeffers: Der unglaubliche Bücherfresser. © Verlag Friedrich Oetinger GmbH, Hamburg 2007
 

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