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ist ein Produkt der AJuM der GEW und hieß bis zum 01.01.2007
"Beiträge Jugendliteratur und Medien".
kjl&m ist im Abonnement käuflich über den kopäd Verlag zu erwerben.

geplante Themen der
folgenden Hefte:

2/18 Philosophieren
3/18
4/18 Mythen
Extra Wolgast

1/19 Revolution
2/19 politische Bildung
3/19
4/19 Erstleseliteratur

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1/201[Prof. Dr. Julia Benner]
Im Garten der Kinder- und Jugendliteratur 

Der Garten ist in der Kinder- und Jugendliteratur ein zentraler Raum, ein zentrales Motiv und ein zentraler Topos, in dem sich die verschiedensten Kindheitsdiskurse spiegeln. Dabei wird im Garten viel mehr als nur er-zogen, doch stand das Erziehen zunächst im Vordergrund. So vertrat Jean-Jacques Rousseau in Emile oder Ueber die Erziehung die Meinung: „Man veredelt die Pflanzen durch die Zucht und die Menschen durch die Erziehung“ und verknüpfte damit wirkmächtig Kinder, Pflanzen und Gärten miteinander. Der Garten als umhegtes Stück Land ist an sich ein Schutzraum, doch darüber hinaus ist er auch ein Raum der Phantasie, des Traumes und des Abenteuers, in ihm wird Neues kennengelernt, studiert, erprobt und erschaffen. Er ist also ein Ort des Lernens, des Experimentierens und des Phantasierens und damit dem Buch nicht unähnlich.

Nicht zuletzt in Bezug auf die bildkünstlerische Ausgestaltung von Kinder- und Jugendbüchern wird offenkundig, dass Gärten in der Kinder- und Jugendliteratur zahlreiche und mannigfaltige Blüten treiben: So demonstriert Carola Pohlmann in ihrem überblickshaften Beitrag, welche unterschiedlichen Gartendarstellungen in der Kinder- und Jugendliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts auszumachen sind. Sebastian Schmideler befasst sich mit speziellen Gärten, den Tiergärten, und ihrer Repräsentation in der Kinder- und Jugendliteratur. Agnes Blümer zeigt, wie Tom‘s Midnight Garden übersetzt und in eine Graphic Novel transformiert wurde. Wie in diesem Klassiker der Kinderliteratur ist der Garten häufig ein Dazwischen-Raum; er nimmt eine Mittlerstellung zwischen Natur und Kultur, Innen und Außen, dem Eigenen und dem Fremden ein, ist Übergang zwischen dem Realitätskompatiblen und Wunderbaren. Mit der Verwischung solcher Grenzen befassen sich einige Beiträge dieses Bandes, vor allem aber derjenige von Tanja Angela Kunz, die ein Märchen von Marie Luise Kaschnitz vorstellt, das den Garten nicht nur im Titel, sondern auch im Herzen trägt. Judith Wassiltschenko verdeutlicht, wie der einstige Schutzraum in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur in einen Ort des Schreckens verkehrt wird. Der Beitrag von Katrin Endres zeigt wiederum, wie lohnenswert ein Blick auf die Pflanzenhaftigkeit verschiedener Gewächse sein kann und wie botanisches Wissen in der Mädchenliteratur des ausgehenden 19. Jahrhunderts literarisiert wurde. Anna-Lena Markus macht uns dann näher vertraut mit den Linnéa-Büchern von Christina Björk und Lena Anderson, deren Popularität seit vielen Jahren ungebrochen ist. Auch ist der Garten längst nicht nur ländliches Idyll, vielmehr graben sich immer mehr interessante städtische Gärten in die Buchhandlungen, wie Sabine Planka in ihrem Beitrag über Urban Gardening berichtet. Sabine Erbstößer und Juliane Gröber schließen hier unmittelbar an. Sie setzen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander und untersuchen dazu einige Sachbücher aus didaktischer Perspektive. Die Beiträge dieses Themenheftes gehen aus der Vortragsreihe „Im Garten der Kinder- und Jugendliteratur“ hervor, die im Rahmen des Kinder- und Jugendbuchprogramms des internationalen literaturfestivals, berlin im September 2017 stattgefunden hat. Sie erkunden unterschiedliche Literaturen und Gärten und geben dabei einen kleinen Einblick in die große Vielfalt von Gartendarstellungen in der Kinder- und Jugendliteratur.ntgrenzte Inszenierungen in der Kinder- und Jugendliteratur.
Julia Benner

Inhaltsverzeichnis:

Carola Pohlmann: „Die kleinen Gärtner“.
Zur Funktion von Gartendarstellungen in Kinderbüchern des 18. und 19. Jahrhunderts [3]

Katrin Endres: "Botanisches Wissen und monströse Kultur(en)"
– Hedwig Kiesekamps Eine Rosengeschichte (ca. 1880) [13]

Sebastian Schmideler: Wo die wilden Tiere wohnen
Tiergärten in der historischen Kinder- und Jugendliteratur [23]

Agnes Blümer: Transformationen eines Gartens: Tom's Midnight Garden
von der phantastischen Erzählung zur Graphic Novel [32]

Judith Wassiltschenko: Äsop, Aristoteles, Auxier: Lüge und (Meta-)Fiktion
in Jonathan Auxiers The Night Gardener [41]

Tanja Angela Kunz: Mise-en-abyme und Grenzverwischung
Marie Luise Kaschnitz‘ Der alte Garten im Kontext [51]

Anna-Lena Markus: Linnéas Lehrer: Linné, Monet und Lindgren.
Die Linnéa-Bücher von Christina Björk und Lena Anderson [59]

Sabine Planka: „Gardens have to grow somewhere, after all“
Stadtgärten und das Konzept Urban Gardening im Bilderbuch [67]

Juliane Gröber und Sabine Erbstößer: Gartensachbücher und das Thema Nachhaltigkeit [76]

Kurz gefragt: Interview mit Alex Gino, dier Bücher schreibt und das Gärtnern liebt [86]


Fachliteratur[88]
Aktuell
Impressum [93]
Aus der AJuM und der GEW [94]

Hinweise, Berichte, Mitteilungen [96] 

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