Der LesePeter
des Monats
April 2014

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Komako Sakai

 
      für das Bilderbuch  
      Hannas Nacht  
         
         
         
         
     

Komako Sakai:
Hannas Nacht

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Frankfurt: Moritz 2013
ISBN 978-3-89565-271-4
32 S * geb. * 12,95 € * ab 03 J

 

 
 

 

Hanna ist „kleine Schwester“ und kann nicht schlafen. Die Katze ist auch wach. Wir sind stille Beobachter, wie Hanna diese Nachtzeit verbringt. Das scheint so einfach und ist doch in der Reduktion von Bild und Text so schwierig darzustellen, dass die ganz, ganz kleine Geschichte sofort den Weg vom Auge über das Gehirn zum Herzen findet. Hanna haben wir jedenfalls sofort darin eingeschlossen.

Auch wenn es Hannas Nacht ist, so ist es doch auch unsere, denn wir werden zum stillen Mitwisser. Das vielleicht zweijährige Mädchen wacht in der Nacht auf, aber weder ihre Schwester noch ihre Eltern bemerken, dass sie durch das Haus tappst, begleitet von Chiro, der Katze, die bei der Gelegenheit ebenfalls die Toilette (ihr Katzenklo) aufsucht. Ein bisschen Milch für die Katze, ein paar Kirschen für den Mund, ein bisschen gegenseitige Aufmerksamkeit. Und dann kommt die Müdigkeit doch noch wieder.

Komako Sakai zeichnet realistisch exakt – und übermalt dann die Bilder mit dickem Pinselstrich in Blau und Schwarz über ein wenig Gelb und Grau und stumpfem Grün. Dann fügt sie dem breiten Duktus wieder kleine Konturen hinzu. Ein ganz tolles Gefühl für die Übertragung von Beobachtung in das Bild: Die kleine Hanna geht leicht breitbeinig die Treppe herunter, hält sich nebenbei an der Wand fest und lutscht gleichzeitig am Daumen, während die Katze so leichtfüßig und elegant neben ihr die Stufen kaum zu berühren scheint. Oder: Hanna sitzt auf der Toilette mit den breit gespreizten Beinen, die gerade so über die Brille reichen, vor ihr, kaum sichtbar, der kleine Tritt, damit sie überhaupt hinaufkam auf die Toilette.  

Die Bilder sind so schmutzig und unordentlich, wie sie ebenso genau die Bewegungen oder Haltungen treffen, dass allein die stark abgerundeten Ecken der Zeichnungen daran erinnern, dass wir hier Bilder anschauen.
Ja, auch kleine Kinder ab zwei Jahren können sich auf den Bildern wiederfinden, haben sie doch bestimmt bereits genau diese Erfahrungen gemacht. Auch wenn keine Katze im Haus ist, so wäre es doch schön, wenn.
Es ist erstaunlich, wie sich eine Illustratorin derart in die (kleine) Gedankenwelt eines jungen Mädchens hinein versetzen kann, und dennoch das Ganze von außen betrachten und auch noch so auf das Papier bannen kann, dass wir Betrachter das Innenleben der Kleinen verfolgen können.

Wir, das sind nicht nur Erwachsene, das sind auch Kinder im Alter von Hanna. Endlich gibt es ein Buch, in dem sich die Kleinen selbst wieder finden können – ohne jeden Zeigefinger und ohne jeden moralischen Anspruch.

 zur Autorin / Illustratorin

Komako Sakai wurde 1966 in Japan geboren. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst als Schauspielerin und, nach einem Jahr in Paris, als Textildesignerin für Kimonostoffe, bevor sie 1998 ihr erstes Bilderbuch in Japan veröffentlichte (Rikochens Haus). Viele ihre Geschichten knüpfen an eigene Erlebnisse an. Zu ihrer Arbeitsweise sagt sie: »Zunächst denke ich mir die Geschichte aus. Danach kommen die Illustrationen. Während ich an der Geschichte arbeite, tauchen in meinem Kopf bereits Szenen der späteren Bilder auf. Im Bilderbuch ist es wichtig, dass die Geschichte fließt, dass eins aufs andere folgt. Bild und Text bilden stets eine Einheit.«

(c) Foto und Vita mit frdl. Genehmigung des Moritz-Verlags

 

 

 

 

 

(uhb für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

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(01/05/09)

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