Der LesePeter
des Monats
September 2013

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Michael De Cock

 
      für das Kinderbuch  
      Rosie und Moussa  
         
         
         
         
     

Michael De Cock
Rosie und Moussa
illustriert von Judith Vanistendael
aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2013
ISBN 978-3-407-82024-2
96 S * geb * 9,95 € * ab 7 J

 

 
 

 

Was für ein Unglück! Rosie ist gerade mit ihrer Mutter ans andere Ende der großen Stadt gezogen, kennt keinen Menschen in dem Hochhaus, das ihre neue Heimat werden soll ... und dann das!
Der Nachbarjunge Moussa, ein Schwarzer, schleicht sich heimlich mit dem Mädchen auf das Dach - was total verboten ist. Die beiden werden zwar nur FAST erwischt, aber dort oben ausgesperrt, und das im Winter, ohne warme Kleidung.
Wie das Abenteuer gerade noch gut ausgeht, wie Menschen einander näherkommen, Selbstvertrauen wächst und die Zukunft nicht mehr so grau aussieht, davon handelt diese kleine Geschichte. 

Das ist Pech, nein, eher schon eine Katastrophe! Nicht nur, dass Rosie nicht mehr mit beiden Eltern zusammenleben kann, nicht nur, dass sie mit der Mutter blitzartig umziehen musste – nein, jetzt steht sie auch noch mit ihrem neuen Nachbarn Moussa auf dem Dach des Hochhauses, in dem sie wohnen. Die Tür ist zu, abgeschlossen von Herrn Tak, dem im Hause nichts entgeht, der stets auf Ruhe und Ordnung achtet. Nur knapp bleiben sie von ihm unentdeckt, aber was nützt das schon? Sie kommen nicht wieder zurück ins Warme, an diesem Wintertag kurz nach Neujahr.
Die Freundschaft zwischen den beiden Kindern beginnt hier erstmals zu wachsen: Moussa lässt Rosie mit in seinen Mantel krabbeln. Sie fangen an, sich über ihre missliche Lage hinwegzufantasieren, lenken sich ab – und schaffen es gemeinsam, ihre Rettung zu organisieren. Moussas Kater hilft dabei, vom Dach fliegende Zeitungsschnipsel ebenfalls ... und schließlich eine liebe alte Dame aus dem Haus.

Erstaunlich, wie viel Wesentliches und Berührendes in dieser kurzen Geschichte – knapp 90 Seiten abzüglich vieler Schwarz-Weiß-Zeichnungen – zum Vorschein kommt.
Und wie angenehm, dass mal keine Fantasy-Wesen vonnöten sind, die Kinder vor Gefahr und Leid zu schützen. Die eigene Stärke, die Hoffnung, der Mut, die Toleranz, die Fähigkeit zu Verständigung und Versöhnung, sie retten die Kinder. Gut, ein bisschen Glück ist natürlich auch dabei, aber für jüngere Leser ist damit das Happy-End gesichert. Macht ja auch nichts, oder?

Dieses kleine Buch stimmt optimistisch: Es gibt Pech und Gefahr und unangenehme Zeitgenossen usw. usf. Aber es gibt auch die andere, die gute Seite, die Kraft und Zuversicht befördert, und es gibt Mitmenschen, die das ebenfalls tun.
Man kann das Buch übrigens an fast keiner Stelle aufschlagen, ohne auf mindestens eine Zeichnung zu treffen. Judith Vanistendael gelingt es, die Charaktere akzentuiert herauszuarbeiten und sie den Leser begleiten zu lassen – wobei ihr Stil gelegentlich Assoziationen zu Quentin Blake (u. a. Illustrationen zu Büchern von Roald Dahl) weckt.

 

 zum Autor / zur Illustratorin / dem Übersetzer:


 

Michael De Cook: geb. 1972, ist Journalist, Regisseur, Schauspieler, Autor und Leiter eines Theaters. „Rosie und Moussa“ ist sein erstes Kinderbuch in deutscher Sprache.

Foto: © Indra Van Gisbergen / Beltz & Gelberg

 

 

Judith Vanistendael: geb. 1974, lebt in Brüssel und ist eine der vielversprechendsten Comic-Künstlerinnen Flanderns. Zweimal hintereinander wurde sie für den Grand Prix des renommierten Angoulême Festivals vorgeschlagen. Ihre Graphic Novels erscheinen in Deutschland bei Reprodukt.

Foto: © Antonio Fuentes / Beltz und Gelberg

 

 

Rolf Erdorf: geb. 1956, lebt in Bad Oldesloe, übersetzt vom Niederländischen ins Deutsche. Das von ihm übersetzte Buch „Dolf Verroen: Wie schön weiß ich bin“ erhielt 2006 den Deutschen Jugendliteraturpreis (aus der Jurybegründung: „Dolf Verroen entwirft eine völlig neue literarische Form der Auseinandersetzung mit einem wichtigen historischen Thema. Er hat eine ganz leichte, von Rolf Erdorf ins Deutsche übertragene Sprache gefunden, die im krassen Gegensatz zum bedrückenden Inhalt steht.“)

 

 

(bj&lr für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW

abwechselnd in den Sparten
 

Kinderbuch    

(01/05/09)

  (bj&lr)
Jugendbuch     (02/06/10)   (cjh&tk)
Sachbuch     (03/07/11)   (ika)
Bilderbuch     (04/08/12)   (uhb)
         
 
         
     

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel

     

Impressum: AJuM der GEW  *  c/o    Ulrich H. Baselau  * Osterstr. 30  * 26409 Wittmund * ulrich.baselau [ad] ajum.de * 04462 -- 943611
Zur Datenschutzerklärung