Der LesePeter
des Monats
September 2012

 
 

Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel.

 

geht an Eli Rygg

 
      für das Kinderbuch  
      Goodbye, Uroma  
         
         
         
         
     

Eli Rygg: Goodbye, Uroma
Aus dem Norwegischen von Nina Hoyer
Hildesheim: Gerstenberg  2012
221 Seiten, geb., 12,95 €, ab 10 Jahre
 

 
 

 

Typisch Uroma! Sie hat per eMail alle eingeladen: Am 14. September um 17 Uhr hat sie vor zu sterben. Sie ist 92, liebt immer noch Elvis und ist nun satt - satt an Tagen, wie sie sagt. Es ist Zeit zu gehen. Ihr Urenkel Mikael, elf Jahre alt, der von allen Familienmitgliedern seiner „verrückten" Uroma am nächsten steht, verbringt die letzten Tage mit ihr.

Ein (gerade noch) Kinderbuch, in dem es um Leben und Tod geht: Natürlich liebt Mikael seine Uroma, die, ganz modern, ein Elektro-Auto fährt, und sie liebt ihn. Aber genau so natürlich weiß er, dass alle einmal sterben müssen. Man redet aber nicht darüber, zumindest nicht in seinem Alter und so eindrücklich wie in dieser ganz besonderen Situation. Die letzten Tage, in denen alles vorbereitet werden muss, will er unbedingt mit ihr verbringen. Das heißt erst mal schulfrei, ist aber gar nicht so einfach hinzubekommen. Wer glaubt einem schon, dass jemand sein Ablebedatum selbst exakt festlegt?! Und was dann erst kommt! Das erfordert allerhand Energie. Eigentlich hat Uroma die ja gar nicht mehr. Doch für ihren Tod wächst sie noch einmal über sich hinaus.
Es ist viel zu erledigen, wenn ein Todesfall eintritt. Die pragmatische Uroma möchte so viel wie möglich selbst schaffen. Das muss akribisch geplant werden, vom Nachlassverkauf bis zur Totenfeier will allerhand bedacht sein. Und jede einzelne Erledigung auf der langen Liste birgt ungeahnte Momente der Belustigung. Sogar wenn Uroma den Sarg bequem einrichtet und das Still liegen darin übt.
Mikael unterstützt sie, so gut er es vermag. Er begleitet und berät sie, macht ihr Mut, ist einfach nur da. Es hilft sowohl der 92-Jährigen als auch dem 11-Jährigen, in Ruhe Abschied zu nehmen und die letzten Tage gemeinsam ganz bewusst zu genießen.

Dass zu allem Überfluss der Abschied einen neuen Anfang birgt und Mikael sich in das Mädchen verliebt, das in Uromas Haus einziehen wird, ist das Sahnehäubchen in der frischen, heiteren und dennoch besinnlichen Geschichte.

Die weitgehend eingeschränkte Erzählweise des unpersönlichen Erzählers lässt uns mehr in den Jungen als in irgendeine andere Figur blicken. Trotzdem bietet die Geschichte nicht vorrangig Identifikationsfiguren, sondern eher Raum zum Nachdenken, In-sich-gehen, Stellung nehmen oder zum Akzeptieren. Man erlebt das Sterben mit dem Elvis-Fan Uroma unkompliziert und über 200 Seiten fragt man sich gespannt, wie Uroma es denn anstellen will, dass sie pünktlich stirbt. Das Ende überrascht, belustigt erneut, versöhnt und beruhigt. Am Ende weiß man einfach: Sterben gehört dazu. Es ist traurig, aber nicht zu ändern. Es ist nicht zu ändern, aber zu erleichtern.
Dieses so ernste Thema mit einer Fülle von Humor und Situationskomik zu versehen, dass man oft laut lachen möchte, ist ein großes Verdienst der norwegischen Autorin. Vieles scheinbar Selbstverständliche wird augenzwinkernd gegen den Strich gebürstet. Warum? Warum nicht?! Die Erwachsenen haben es natürlich viel schwerer, mit dem Tabu umzugehen. Mikaels Vater liefert schöne Beispiele für diesen schwierigen, ungewohnten Balanceakt. Der eigentlich Souveräne ist genau genommen Mikael, der elfjährige Junge. Er begleitet Uroma wirklich bis ans Ende, auch wenn dabei noch die eine oder andere Überraschung wartet. Mehr soll hier nicht verraten werden...
Lesen oder auch gern vor-lesen!

 

Die Autorin:

Eli Rygg ist Jahrgang 1955. Die Norwegerin arbeitete als Krankenschwester und Sozialarbeiterin und ist Schriftstellerin und Sängerin. Sie wurde in den 1980er Jahren berühmt als Gastgeberin einer Fernseh-Kindersendung, arbeitet im Frühstücksfernsehen und im Radio. Kinderbuchautorin ist sie seit 1998. Weitere Informationen unter http://elirygg.com .

(c) Gerstenberg-Verlag / Autorin

(rl & wa für die AJuM der GEW)

 

 

       

 

       

 

 

Die Auszeichnung LesePeter wird monatlich vergeben von der

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